500 Jahre Reinheitsgebot: Trübe Aussichten

Sind die alten Brauregeln noch zeitgemäß?

Keyfacts

  • Der Bierumsatz sinkt seit Jahren
  • Craft-Beer ist mittlerweile etabliert
  • Das Reinheitsgebot steht in der Kritik
Reiner Klinz
  • Senior Manager Advisory
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Egal, was in Deutschland geschah – Krieg, Währungsreformen, Staatenteilung, das deutsche Reinheitsgebot galt, seit nunmehr 500 Jahren. Im vergangenen Jahr feierte der für viele unumstößliche Dreiklang aus Gerste, Hopfen und Wasser großes Jubiläum.

Der Deutsche trinkt im Schnitt 106 Liter Bier im Jahr. Zwar stieg der Absatz der Brauer 2014 wieder leicht, doch die Tendenz zeigt deutlich nach unten. Zum Vergleich: 1980 waren es noch 145 Liter.

„Der Bier-Absatz wird weiter zurückgehen, das liegt auch an der Entwicklung der Demographie“, sagte Rainer Klinz, der viele Brauereien aus der Innensicht kennt. Der Experte erklärt das unter anderem damit, dass der Anteil anderer Kulturen in Deutschland wächst – andere Mitteleuropäer trinken weniger. „Die Schweiz etwa konsumieren 40 Prozent weniger Bier als die Deutschen.“

Zum Absatzproblem gesellt sich die Nachfrage nach individuellen Marken: Craft Beer wird immer beliebter. Doch die neuen Brauer wollen mehr als nur Hopfen, Hefe und Malz in den Gärtank kippen – Rosenknospen, Blütenhonig, Rohrzucker oder schwarzer Pfeffer.

Das „Deutschlandradio“ hatte sich bei einem Braufest umgehört, auch dort wird heftig diskutiert, ob das Reinheitsgebot noch zeitgemäß ist. Das bedeutet beispielsweise: Orangenschalen, Ingwer und Co. ja, künstliche Aromen, Enzyme oder Konservierungsstoffe nein.

Qualität braucht Schutz

Der Deutsche Brauer-Bund will das Reinheitsgebot und die damit verbundene Brautradition zum Weltkulturerbe erklären lassen. „Eine gute Idee“, sagt Reiner Klinz. Immerhin sei das Reinheitsgebot das älteste Lebensmittelgesetz der Welt. „Es ist ein Symbol für die Qualität des deutschen Bieres. Und Qualität ist ein sehr überzeugendes Verkaufsargument.“

Luitpold von Bayern wiederum erklärt der „Welt“ im Interview, dass Brauer in Notzeiten immer schon Ersatzstoffe genutzt hätten. Wenn der Hopfen rar war, wurde die Bitterkeit mit Ochsenkralle gefälscht.

 

Hinweis: Die vorliegende aktualisierte Fassung des Beitrags wurde 2016 erstveröffentlicht.

Reiner Klinz
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