Ab morgen sind wir eine Digitalbank

Viele Finanzinstitute setzen noch zu halbherzig auf Digitalisierung

Keyfacts

  • Veralteten Kernbanksystemen fehlt das Potenzial für eine stärkere Kundenorientierung
  • Bislang dominieren traditionelle Banken den Finanzsektor, die Digitalbanken holen aber auf
  • Bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle muss neben technologischen Aspekten auch die Unternehmenskultur betrachtet werden
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Sven-Olaf Leitz
  • Partner, Financial Services, Mitglied des Vorstands
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Die digitale Transformation des Finanzsektors verläuft rasant. Aber wie und in welchem Umfang sollte man auf diesen immer schneller fahrenden Zug aufspringen? Insbesondere, wenn man zu den etablierten Finanzinstituten im Markt gehört? Eines ist sicher: Zur erfolgreichen Digitalisierung einer Bank braucht es mehr, als nur ein frisch wirkendes Online-Kundenportal.

Viele Finanzinstitute sind zumindest in technischer Hinsicht Gefangene ihrer veralteten Kernbanksysteme. Sie investieren hohe Summen in Prozesse und IT, erreichen dabei jedoch oft nur eine bessere Einhaltung von Compliance-Vorgaben. Die gewünschte stärkere Kundenorientierung durch einen einfachen, digitalen und schnellen Service bleibt aus.

Die Zurückhaltung vertraute Systeme komplett aufzugeben ist nachvollziehbar. Sei es wegen der zu erwartenden hohen Investitionskosten, potenzieller Ausfallzeiten während der Umstellung oder wegen berechtigter Zweifel an der uneingeschränkten sofortigen Zuverlässigkeit neuer Systeme. Hinzu kommt, dass die altbekannten Systeme bislang doch recht erfolgreich das Rückgrat des täglichen Geschäfts bilden und ein harter Business Case für eine vollständige IT-Neueinführung sich nur schwer rechnen lässt.

Finanzsektor bei Digitalisierung eher ein Nachzügler

Auch wenn sich solch ein Business Case nur schwer rechnen lässt, ist das Festhalten an veralteten Systemen mittel- und langfristig ein Nachteil. Altsystemen fehlen schlichtweg die Potentiale, welche eine auf den Kunden ausgerichtete Digitalisierung mit zeitgemäßen Banking-Möglichkeiten benötigt.

Zwar ist der Anpassungsdruck im Finanzdienstleistungssektor aufgrund von regulatorischen Beschränkungen neuer Marktteilnehmer in vielen Bereichen bislang niedriger als in anderen Branchen. Aber die Fähigkeit sich schnell anzupassen wird immer wichtiger, was die erfolgreiche Etablierung der ersten reinen Digitalbanken im europäischen Markt zeigt.

Denn auch wenn der Löwenanteil des Marktes weiterhin in der Hand traditioneller Banken liegt, sollten diese die neuen Konkurrenten fest im Blick behalten. Ihre neuen digitalen Mitbewerber verfügen über ein enormes Wachstumspotenzial und sie werden im Laufe der Zeit immer mehr Marktanteile hinzugewinnen, gerade unter jüngeren Kundengruppen. Das sollte die Etablierten der Branche nicht kalt lassen.

Digitalisierung ist auch eine Frage der Unternehmenskultur

Es gibt unterschiedliche Sichtweisen, wie etablierte Finanzinstitute mit den aktuellen Herausforderungen umgehen sollten. Viele Banken setzen auf eine umfassende strategische Aktualisierung ihrer Altsysteme, die weit über bloße Anpassungen hinausgeht, was zumindest einen kurz- und mittelfristigen Erfolg verspricht. Andere denken über anorganisches Wachstum durch die Übernahme von existierenden Digitalbanken oder auch Start-ups im Finanzsektor nach. Wieder andere über den Aufbau von eigenen Digitalbanken, neben der etablierten traditionellen Bankenmarke.

Welches der richtige Weg ist, lässt sich nicht verallgemeinern. Hierzu ist die Branche viel zu heterogen. Was jedoch für alle Finanzinstitute gilt, die in der digitalen Zukunft erfolgreich agieren wollen: Man muss über die technologische Ebene hinausdenken. Jede Entscheidung die man trifft, muss mit dem Willen gepaart sein, die eigene Strategie und die eigenen Geschäftsabläufe von Grund auf zu überdenken. Jungen Führungstalenten den Raum zur Entwicklung von neuen Geschäftsideen zu geben, kann hierfür ein Beispiel sein.

Generell ist zumeist ein größerer Wandel in der Unternehmenskultur nötig. Auch wenn es darum geht Mitarbeiter mitzunehmen, damit sie die Transformation des Unternehmens wertschätzen und aktiv unterstützen. Denn trotz aller Technologie ist und bleibt der wesentliche Erfolgsfaktor der Mensch.

 

Sven-Olaf Leitz
  • Partner, Financial Services, Mitglied des Vorstands
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