Bankgründung? EZB erhöht Transparenz – aber Expertise bleibt Erfolgsfaktor

EZB veröffentlicht Leitfaden zur Erstellung und Einreichung von Bank-Zulassungsanträgen

Keyfacts

  • EBA konkretisiert Anforderungen an Zulassungsanträge für Banken
  • Angleichung der EU-weiten Standards über nationale Grenzen hinweg
  • Erhöhung der Transparenz für Antragsteller wie auch Aufsichtsbehörden
Stefan Günther
  • Director
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Neue Banken und Finanzdienstleister mit spezialisierten Produktportfolien, Auslandsbanken, Fintechs mit innovativen Geschäftsmodellideen sowie tradierte Banken die ihr Geschäftsmodell erweitern wollen: alle benötigen die erforderlichen aufsichtsrechtlichen Lizenzen um ihr Geschäft betreiben zu können. Diese sind bei den jeweiligen Aufsichtsbehörden zu beantragen.

In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Lizenzanträge von Banken in Europa erhöht – unter anderem getrieben durch den Brexit. Eine Bankgründung bleibt jedoch aufwändig und jedes Vorhaben ist spezifisch in Hinsicht auf Erfüllung der Anforderungen, Timing und Kosteneffizienz.

Gleiche Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU

Die EZB und nationalen Aufsichtsbehörden wenden bei der Prüfung von Lizenzanträgen die jeweilig einschlägigen regulatorischen Anforderungen und Verwaltungspraxis an. Um einheitliche Wettbewerbsbedingen zu gewährleisten, sollten für die Auslegung dieser Anforderungen eine einheitliche Aufsichtspraxis und -verfahren bestehen.

Lange Zeit war dies nicht gewährleistet und jede nationale Aufsichtsbehörde hat ihren eigenen Standard angewandt und das europäische Recht wurde heterogen ausgelegt. Dies führte dazu, dass es keinen Standard für den Inhalt sowie Verfahren von Lizenzanträgen gab. Selbst Anträge bei derselben nationalen Behörde verliefen des Öfteren sehr unterschiedlich schnell in Hinblick auf Detailtiefe und Ablauf.

Dies passt nicht damit zusammen, dass immer mehr Institute anstreben pan-europäisch aktiv zu sein – es war also an der Zeit, dass die EBA, EZB und nationale Aufsichtsbehörden (National Competent Auhority, NCA) aktiv wurden, um eine potentielle „Regulatory Arbitrage“ praktisch zu unterbinden.

Konkretere Anforderungen

Im Jahr 2017 hat die European Banking Authority (EBA) technische Standards veröffentlicht, mit dem Zweck einen einheitlichen Standard für Lizenzanträge und dazugehörige Verfahren zu schaffen. Um diese zu konkretisieren und bei der Auslegung der Standards zu unterstützen, hat die EZB zusammen mit den nationalen Aufsichtsbehörden Richtlinien für Lizenzierungsanträge sowie Aufsichtspraktiken und -verfahren entwickelt die im Einzelnen darstellen, wie die EZB konkret die CRD IV, die EBA-Standards und das nationale Recht zur Umsetzung der CRD IV interpretiert.

Die EZB fungiert durch die Hilfeleistung als „Gatekeeper“. Fokus des Leitfadens ist es sicherzustellen, dass die Marktteilnehmer robust sind und die nationalen und EU-rechtlichen Anforderungen erfüllen.

Zu diesem Zweck konzentrieren EBA und EZB sich auf das Kapitalniveau der antragstellenden Banken, ihr Tätigkeitsprogramm, die strukturelle Organisation und die Eignung ihrer Führungskräfte und der relevanten Aktionäre. Andere Aspekte werden natürlich ebenfalls gründlich durchleuchtet. In den letzten Jahren hat sich demnach einiges auf europäischer Ebene getan, um für neue sowie etablierte Player das Antragsverfahren transparenter und eindeutiger zu gestalten.

Der Teufel steckt im Detail

Die europaweit einheitliche Konkretisierung der Anforderungen macht es für potentielle Antragsteller erheblich einfacher einen Überblick zu gewinnen. Durch die neu gewonnene Transparenz und einheitliche Wettbewerbsbedingungen ist zu erkennen, welche Informationen in welchem Format einzureichen sind und wie das Verfahren grundsätzlich ausgestaltet ist.

Gleichzeitig bedarf es weiterhin spezifischer Erfahrung, um beantworten zu können welcher Fokus von welchem Stakeholder des Antragsprozesses gesetzt wird, wie und in welcher Detailtiefe die jeweiligen Informationen einzureichen sind und wie die Verhältnismäßigkeit zu nutzen ist. Dies ist nicht nur von der Größe, sondern unter anderem auch von dem zukünftigen Geschäfts- und Betriebsmodell des Instituts abhängig.

Die Erfolgsfaktoren für die Erstellung eines erfolgreichen Lizenzantrags und eines zügigen Aufbaus und Implementierung sowie eines erfolgreichen Go-Live, bleiben unverändert: People, Expertise und Planung! Gerade von Antragsabgabe bis zur Aufnahme des Geschäftsbetriebes lauern noch eine Vielzahl von Abhängigkeiten und Herausforderungen auf die neuen Marktteilnehmer – der Teufel steckt eben weiterhin im Detail.

Stefan Günther
  • Director
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist.