Bei bester Gesundheit

Wie das Gesundheitswesen effizienter wird – drei Erfolgsfaktoren

Keyfacts

  • Zivilisationskrankheiten machen 80 Prozent der derzeitigen Arztbesuche aus.
  • Apps, die mit KI ausgestattet sind, beschleunigen Diagnose von seltenen Krankheiten.
  • Schwellenländer sind im Hinblick auf Struktur und Innovation agiler aufgestellt als viele Industriestaaten.
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Prof. Dr. Volker Penter
  • Partner, Niederlassungsleiter
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In Deutschland diskutieren wir gerne über unsere Probleme in der Gesundheitsversorgung. Ganze Kongresse füllen wir mit den immer gleichen Themen: fehlendes Personal, steigende Kosten, unzufriedene Patienten, Menge vor Qualität, fehlende Investitionsmittel. Die Liste lässt sich endlos weiterführen.

Im Gesundheitssektor wird viel geredet, aber wenig getan

Wir wissen also, was alles falsch läuft. Aber was folgt darauf? Leider nicht besonders viel. Ein bekannter Vertreter der Gesundheitslobby beschrieb den Dauerzustand der ewigen deutschen Problemanalyse wie folgt: „Alle Probleme erkannt, keines gelöst.“

Gleichzeitig explodieren die Gesundheitskosten. Die Ressourcen werden knapp. Grundsätzlich geht es darum, Probleme nicht nur zu erkennen, sondern neue Denkansätze aktiv umzusetzen.

Drei Erfolgsfaktoren für ein effizienteres Gesundheitssystem

Ich sehe vor allem drei Erfolgsfaktoren, um ein gut funktionierendes Gesundheitssystem sicherzustellen.

1) Agil handeln

Keine Frage, Deutschland verfügt im internationalen Vergleich über eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung. Das Land ist allerdings auch geprägt von starren Sektorengrenzen und zahlreichen Gesetzesinitiativen. Veränderungen werden daher meist nur Schritt für Schritt erreicht.

Anderswo hingegen stehen Gesundheitssysteme vor gravierenden Transformationen, wie in einigen Schwellenländern. Ein Blick dorthin lohnt sich: Denn diese bauen ihre Gesundheitssysteme gerade neu auf und müssen dabei nicht in dem gleichen gesetzlichen Rahmen wie Deutschland agieren.

Der Vorteil: Agilität. Innovationen können schneller realisiert werden. Alte und neue Industrien werden mehr und mehr zum Vordenker in Sachen Gesundheit. Hier sollten wir aufeinander zugehen, uns inspirieren lassen und unsere Strukturen versuchen anzupassen. Das ist zwar mühsam, aber lohnenswert.

2) Der informierte Patient dank KI

Wir sind uns einig: Ist der Mensch krank, muss er schnell und gezielt behandelt werden. Der gut informierte Patient ist dabei heute schon im Vorteil. Künstliche Intelligenz als Technologie kann dem Menschen helfen, seinem Leiden auf die Schliche zu kommen.

Apps, die mit KI ausgestattet sind, geben einem Patienten Hinweise zu seinem Gesundheitszustand, ihn also entweder beruhigen, wenn harmlose Symptome auftreten, oder ihm einen baldigen Arztbesuch empfehlen. Zudem können die Apps zum Teil innerhalb von wenigen Minuten Diagnosen für seltene Krankheiten geben, für die die Diagnose vorher mehrere Jahre gedauert hat. Das entlastet nicht nur die Praxen, sondern auch die Notaufnahmen in den Krankenhäusern.

Die Technik steht hier aber noch am Anfang. Der Gesundheitssektor täte gut daran, das Tempo in diesem Bereich zu erhöhen und Kapital für neue technologische Entwicklungen bereitzustellen.

3) Vorsorge statt Nachsorge

Die Realität ist: Wir essen zu viel und bewegen uns zu wenig. Zivilisationskrankheiten, die aus gesundheitsschädlichem Verhalten entstehen, machen 80 Prozent der derzeitigen Arztbesuche aus. Hier müssen wir ansetzen. Oftmals aber verhindern unsere traditionellen Gesundheitssysteme genau das. Sie sind nämlich – bestenfalls – auf den Kranken ausgerichtet.

Es wird Zeit, dass sich das Gesundheitssystem von einem reaktiven zu einem proaktiven System wandelt. Prävention spielt eine wichtige Rolle in der Gesundheit. Denn gerade durch präventives Verhalten verringern wir das Risiko, an den sogenannten Volkskrankheiten zu erkranken. Eine gesundheitsbewusste Einstellung minimiert den Ausbruch von Krankheiten wie Rückenschmerzen, Migräne, Diabetes, Herzinfarkt oder Krebs.

Mehr Ideen von heute, die das Morgen des Gesundheitswesens verändern, finden Sie in unserem aktuellen Gesundheitsbarometer.

Prof. Dr. Volker Penter
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Gesundheitsbarometer 01/2019

Das Gesundheitsbarometer ist eine Fachzeitschrift der Gesundheitswirtschaft von KPMG. Die aktuelle Ausgabe reist um die Welt: nach China, Kenia und ins Silicon Valley.

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