Brexit: Am Beginn aller Probleme

Unternehmen beugen sich dem Unvermeidlichen. Keinen Plan zu haben, ist fahrlässig.

Keyfacts

  • Die britische Regierung hat gemäß Artikel 50 das Austrittsgesuch eingereicht
  • 20.000 Gesetze müssen neu geregelt werden
  • In voraussichtlich zwei Jahren wird der EU-Austritt vollzogen sein
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Andreas Glunz
  • Bereichsvorstand International Business
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Die große Mehrheit der britischen Unternehmen hat einen Brexit-Plan, wie wir in unseren Gesprächen mit Managern und Geschäftsführer erfahren. Viele setzen schon Maßnahmen um, die sie vor größeren Schäden durch den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union bewahren sollen. Zeit zum Abwarten bleibt auch keine, nun wo ein Klippen-Brexit ohne Übergangsregelungen an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Sich auf dieses Szenario vorzubereiten, gilt gleichermaßen für deutsche Unternehmen.

Einen Leitfaden, mit dem Sie Ihr Unternehmen auf den Brexit vorbereiten, finden Sie hier. Welche Einfluss der Brexit auf außereuropäische Konzerne hat, haben wir in unserer Impact Analysis zusammengestellt (englischsprachig).

Selbst wenn ein ungeordneter Übergang nicht eintreten sollte, werden die Folgen der Austrittsverhandlungen gravierend sein. Lange galt: Nichts Genaues weiß man nicht. Doch in der Zwischenzeit sind die zu erwartenden Entwicklungen recht klar geworden. Für Theresa May hat die Souveränität über die Migration oberste Priorität. Das heißt, die Personenfreizügigkeit, einer der Grundpfeiler der EU, wird abgelehnt.

Entflechtung der Märkte

Folglich ist der Verbleib im europäischen Binnenmarkt so gut wie ausgeschlossen, dafür waren die Aussagen der Verantwortlichen der EU zu eindeutig. Und auch die britische Regierung hat signalisiert, dass sie bereit ist, dieses Opfer in Kauf zu nehmen.

Die britischen Firmen und die dortige Wirtschaft stehen vor ganz eigenen Herausforderungen. Der Verlust an Talenten und Forschungsgeldern, der mit der beschränkten Einwanderung und dem EU-Austritt einhergehen dürfte, erfordert neue Konzepte. Mit dem schwächeren Pfund ist der Markt für Wirtschaftsmigranten schon jetzt weniger reizvoll. Der Digitalisierungs- und Automatisierungsdruck wird also gerade in den Bereichen wachsen, die bislang vor allem auf günstige Arbeitskräfte aus Osteuropa gesetzt haben.

Insbesondere japanische und US-amerikanische Großkonzerne sind bereits dabei, sich auf das Post-Brexit-Europa einzustellen. Ihr oberstes Ziel ist es, den Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu wahren. Der wird allein mit einer Niederlassung in Großbritannien künftig sehr wahrscheinlich nicht mehr gegeben sein.

Folgen durchdringen

Aber auch für deutsche Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien pflegen, ist es fahrlässig, keinen Plan und keine Brexit-Projektgruppe zu haben. Sie sollten alle Austrittsfolgen für das eigene Unternehmen genau durchdenken. Gibt es kritische Komponenten, die aus oder über Großbritannien bezogen werden? Was, wenn plötzlich nicht geliefert werden kann, weil der Zoll mit der Abwicklung nicht hinterherkommt? Wie wirkt sich der Wegfall der Personenfreizügigkeit aus? Braucht es separate Genehmigungen, um in Großbritannien oder der EU Handel zu treiben? Welche Bedingungen müssen dafür erfüllt werden?

Um ein Beispiel zu nennen: Fluggesellschaften dürfen nur Strecken innerhalb der EU bedienen, wenn eine Mehrheit ihrer Aktionäre aus der EU kommt. Dadurch ergeben sich natürlich auch Chancen für europäische Airlines, wenn Konkurrenten aus dem Markt scheiden.

Die Folgen des Brexit zu analysieren ist ungeheuer komplex aufgrund der Fülle von EU-Bestimmungen, die nun ihre Gültigkeit verlieren. Doch führt daran kein Weg vorbei, wer unternehmerisch verantwortlich handeln will.

Einen Leitfaden, mit dem Sie Ihr Unternehmen auf den Brexit vorbereiten, finden Sie hier. Welche Einfluss der Brexit auf außereuropäische Konzerne hat, haben wir in unserer Impact Analysis zusammengestellt (englischsprachig).

Andreas Glunz
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