Brexit: irgendwie, irgendwo, irgendwann

Viele Unternehmen haben sich noch nicht auf den Brexit vorbereitet. Das ist nicht ratsam.

Keyfacts

  • 40 Prozent der britischen und deutschen Unternehmen prognostizieren negative Auswirkungen durch den Brexit.
  • Verschiedene Ausgangsszenarien erschweren die Vorbereitung.
  • Großbritannien bleibt trotz Brexit ein wichtiger Investitionsstandort.
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Nikolaus Schadeck
  • Partner, Audit, UK Country Practice Leiter
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Status Brexit? Unverändert chaotisch. Die politische Achterbahn der Nicht-Entscheidungen schlägt sich auch auf die Wirtschaft nieder: 47 Prozent der Unternehmen mit deutschen Tochtergesellschaften in Großbritannien und britischen Tochtergesellschaften in Deutschland wird der Austritt unvorbereitet treffen.

Umsatzrückgänge und administrative Hürden erwartet

Und das, obwohl rund 40 Prozent der Unternehmen erwarten, dass der Brexit große Auswirkungen auf ihr Geschäft haben wird. Dazu gehören administrativen Hürden, Störungen in den Lieferketten und steigende Zollanwendungen. Das zeigen die Ergebnisse des German British Business Outlook 2019 (GBBO).

Ungewisser Brexit-Ausgang erschwert Vorbereitung

Unternehmen befinden sich also in der Bredouille, dass sie trotz der wesentlichen Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeiten nicht auf einen Brexit vorbereitet sind. Wundert einen das? Nicht wirklich. Man muss schließlich wissen, auf was man sich vorbereiten soll, um vorbereitet zu sein. Vielfältige Szenarien sind möglich: ein Brexit ohne Deal erscheint aktuell am wahrscheinlichsten; es sind aber weiterhin ein Deal oder eine Fristverlängerung möglich. Wenn alle Szenarien möglich erscheinen, können sich Unternehmen nicht auf alle gleichzeitig vorbereiten. Das ist nahezu unmöglich, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.

Unklarheit seit Geburtsstunde des Brexit

Schon vor zwei Jahren, als das Referendum zum ersten Mal verabschiedet wurde, gab es keine Klarheit darüber, wie Großbritanniens EU-Austrittsabkommen aussehen könnte. Der Hauptunterschied zu damals besteht darin, dass die Unternehmen jetzt von einer „Klippenkante“ bedroht sind.

Schockstarre ist keine Option für Unternehmen

Auch wenn der Ausgang noch immer unsicher ist, gilt es jetzt das laufende Geschäft durch geeignete Maßnahmen so weit wie möglich abzusichern und nicht in eine Schockstarre zu verfallen.

Deutsche Unternehmen sind im britischen Markt sehr aktiv

Denn deutsche Unternehmen spielen eine wichtige Rolle auf dem UK-Markt, beschäftigen rund 412.000 Mitarbeiter und investieren circa 118 Milliarden Euro direkt in Großbritannien. Damit sind sie Wachstumstreiber für eine Vielzahl von Branchen, von der Automobil- bis zur Pharmaindustrie.

Firmen, die auch künftig Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien und Nordirland unterhalten wollen, sollten sich spätestens jetzt in vielerlei Hinsicht damit befassen, was für einen möglichst reibungslosen Übergang zu tun ist.

Mögliche Vorbereitungsmaßnahmen

Die Studie und auch die schon vorhandenen Reaktionen von Unternehmen auf den Brexit zeigen, dass wirtschaftliche Erleichterungen und Übergangsregelungen ganz oben auf der Agenda der kommenden Wochen stehen sollten. Folgende Fragen sollten sich betroffene Unternehmen stellen, um daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Nur so können Unternehmen auch nach dem Brexit ihr Versprechen gegenüber dem Kunden halten:

  1. Wie verändert der Brexit meine Transportwege, Waren- und Lieferketten? Habe ich genügend Lagerkapazitäten für meine Waren?
  2. Welche Auswirkungen haben Zölle oder Umsatzsteuern auf meine eigene Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit?
  3. Gibt es Optimierungsbedarf bei Zahlungen aus oder nach Großbritannien?
  4. Wie beeinflussen Umstrukturierungen in Großbritannien mein Geschäft?
  5. Kann ich auch nach dem Brexit auf die gleichen Ressourcen, die in Großbritannien bereitstehen bzw. von dort verfügbar sind, zugreifen? Sind Datennutzung und –austausch neu zu organisieren?

Großbritannien bleibt trotz Brexit ein wichtiger Investitionsstandort

Ein wichtigen Punkt möchte ich an dieser Stelle hervorheben: Trotz der Ausstiegspläne und deren Auswirkungen, gibt noch immer die Hälfte der befragten Unternehmen an, aufgrund der Kundennachfrage weiterhin im Nachbarland zu investieren. Darüber hinaus wird das Vereinigte Königreich weiter als geschätzter Standort für Forschung und Entwicklung wahrgenommen. Der Brexit wird die deutsch-britische Beziehung also nicht beenden. Eine Belastungsprobe ist er für sie aber allemal.

Alle Ergebnisse der Umfrage lesen Sie im GBBO.

Nikolaus Schadeck
  • Partner, Audit, UK Country Practice Leiter
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German British Business Outlook 2019

Der Brexit wirft viele Fragen auf und sorgt für Unsicherheiten bei Unternehmen. Wir haben 101 Firmen gefragt, auf welche möglichen Szenarien sie sich vorbereiten.

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