Brexit: Mission Insellösung

Großbritannien verlässt die EU, IT-Dienstleister von der Insel vor unsicherer Zukunft.

Keyfacts

  • Verträge, Compliance und Betriebsmodelle sind auf dem Prüfstand
  • Verhandlungen werden zur Hängepartie
  • Etablierte Regelungen stehen vor dem Aus
Bernd Schumacher
  • Partner, Financial Services
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Mit dem Brexit kommt die große Unsicherheit: Besonders Finanzunternehmen, die IT-Leistungen bei Anbietern in Großbritannien buchen, sehen ungewiss in die Zukunft.

Wie Großbritannien und die Europäische Union künftig zusammenarbeiten werden, steht noch nicht fest. Klar ist jedoch bereits jetzt: Solange keine Klarheit herrscht, werden sich Banken und Versicherer in der EU zurückhalten, um mit einem Dienstleister in Großbritannien zusammenzuarbeiten.

Auch Verträge, die auslaufen, könnten durch die Hängepartie mitunter nicht verlängert werden.

Dabei muss eine ganze Reihe an Bestimmungen neu geregelt werden: Die Leistungsbeziehungen stehen auf dem Prüfstand und die bestehenden Betriebs- und Zusammenarbeitsmodelle zwischen Unternehmen und Dienstleister müssen überprüft werden – insbesondere um den unterschiedlichen und gegebenenfalls veränderten Compliance-Regeln, die durch den EU-Ausstieg Großbritanniens zu Problemen werden könnten, Rechnung zu tragen.

Damit allerdings nicht genug: Jeder zentrale Leistungsbezug eines Anbieters aus Großbritannien muss für alle Unternehmensstandorte eines EU-Mandanten neu geregelt werden.

Nehmen wir geltende Datenschutzabkommen: Nachdem Safe Harbor gekippt wurde, regelt EU-US Privacy Shield den Datenaustausch zwischen Europa und den USA – bekommt Großbritannien nun ein eigenes Abkommen?

Etablierte Überwachungssysteme und Kontrollmechanismen gegenüber Dienstleistern von der Insel könnten verschärft oder gar wertlos werden.

Ferner könnte es ein Problem für die Angestellten der Unternehmen geben: Sollte es zu Einschränkungen bei der Einreise oder der Arbeitserlaubnis zwischen der EU und Großbritannien kommen, braucht es die passenden Antworten der betroffenen Unternehmen, um organisatorische Probleme, rechtliche Fragen sowie finanzielle Engpässe abzuwenden.

Sicherlich ist es so, dass konkrete Konsequenzen so kurz nach dem Referendum noch gar nicht absehbar sind.

Finanzunternehmen und IT-Dienstleister sollten sich darauf vorbereiten, dass sie womöglich schon in naher Zukunft ganz neue Konzepte der Zusammenarbeit entwickeln werden müssen, um den veränderten Rahmenbedingungen zu begegnen.

 

Bernd Schumacher
  • Partner, Financial Services
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