Business-Knigge: Jamaica, Senegal, Kolumbien, Papua-Neuguinea

Geschäftlich am anderen Ende der Welt? Worauf es ankommt, verrät unser Business Guide

Keyfacts

  • Senegal: Rechnen Sie mit Metaphern und Analogien
  • Papua-Neuguinea: Überzeugen Sie mit Best-Practice-Beispielen
  • Jamaika: Der richtige Dolmetscher ist entscheidend
Uwe Nowotnick
  • Partner, Global Mobility Services
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Was zieht man an zum Geschäftstermin in den USA? Wie funktioniert Small-Talk in China? Und was sind die größten Fehler, die man beim Restaurantbesuch mit Geschäftspartnern in Frankreich unbedingt vermeiden sollte? An Ratgebern zum richtigen Verhalten in den etablierten Ländern herrscht kein Mangel.

Wie aber sieht es aus, wenn der Arbeitgeber einen zum Auslandseinsatz in exotischere Regionen der Welt schickt? Am richtigen Verhalten vor Ort entscheidet sich regelmäßig der geschäftliche Erfolg in der Ferne. Dabei geht es um Sitten und Gebräuche, die in vielen Fällen aus den Lebensumständen in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Aber auch Fragen der gesellschaftlichen Hierarchie spielen eine Rolle. Wenigstens dann, wenn sie festlegen, in welcher Reihenfolge Gesprächs- und Geschäftspartner zu begrüßen sind – und welche Fettnäpfchen dabei drohen.

Immer wichtiger wird für Geschäftsreisende auch die Frage nach der Risikobereitschaft ihres Reiselandes. Wo in dem einen Land jede strategische Neuausrichtung freudig begrüßt wird, mag Ihr Geschäftspartner in einem anderen Land bedeutend zurückhaltender agieren.

KPMG Klardenker klärt auf. Teil sieben einer unregelmäßigen Serie zum Business im Ausland.

Jamaika, knapp drei Millionen Einwohner, BIP gut 14 Milliarden US-Dollar

Jamaika ist eine Insel in der Karibik. Die einstige britische Kolonie hat bis heute mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu kämpfen. Neben dem Export landwirtschaftlicher Güter basiert die Wirtschaft des Landes auf seinen Bodenschätzen und dem Tourismus. Innerhalb der Karibik zählt Jamaika zu den wohlhabenderen Ländern.

Die häufigste Begrüßung in Jamaika ist ein Händedruck mit einem offenen Lächeln und Augenkontakt. Kennt man sich länger und schätzt sich, dann wandelt sich die Begrüßung zum Küsschen unter Frauen und Schulterklopfen unter Männern.

Visitenkarten werden ohne ein besonderes Ritual ausgetauscht. Gänzlich unwichtig sind sie aber keineswegs. Haben Sie einen höheren Universitätsabschluss? Sehr gut, dann schreiben Sie das bitte auf Ihre Visitenkarte. Und bitte: Schreiben Sie niemals Notizen auf die Karte Ihres Gegenübers, sofern er sie dabei sehen kann. Grob unhöflich ist das, niemals machen.

Die Bereitschaft zu unternehmerischem Risiko zwischen zwei Jamaikanern ist mittelmäßig. In der Verhandlung mit Ausländern hingegen sinkt die Risikobereitschaft noch weiter ab. Sorgen Sie also dafür, dass Sie bei Ihren Vorschlägen anerkannte Fürsprecher haben. Auch Best-Practice-Beispiele aus anderen karibischen Ländern helfen Ihnen, die Risikobereitschaft Ihres Gegenübers zu steigern.

Die Kommunikation in Jamaika ist direkt. Man freut sich, wenn auch Sie direkt kommunizieren. Gleichzeitig werden Sie jedoch keine direkte Widerrede zu hören bekommen. Stattdessen dominiert ein freundlicher Ton, in dem sich auch Absagen und Gegenreden höflich verpacken lassen. Achten Sie bei der Wahl Ihres Dolmetschers also darauf, dass Sie keinen Schönsprecher bekommen. Sondern einen, der exakt übersetzt, was gesagt und gemeint ist.

Besser nicht mit offenem Mund gähnen. Und immer daran denken: Ein Mann in kurzen Hosen ist kein Mann. Ihre Shorts sind prima für Pool und Strand – ansonsten aber zu nichts zu gebrauchen.

Senegal, rund 15 Millionen Einwohner, BIP knapp 15 Milliarden US-Dollar

Der Senegal ist ein islamisch geprägter Staat in Westafrika. Die ehemals französische Kolonie entwickelte sich nach ihrer Unabhängigkeit zu einer Demokratie mit einem funktionierenden Mehrparteiensystem. Das agrarisch geprägte Land hat sich in den letzten Jahren ein wenig aus seinen wirtschaftlichen und sozialen Ungerechtigkeiten befreien können. Neben landwirtschaftlichen Produkten zählen Fischfang und die Bodenschätze zu den Umsatzbringern. Da letztere allerdings fast ausschließlich in der Hand ausländischer Investoren sind, haben die Senegalesen davon praktisch nichts.

Begrüßungen im Senegal unterscheiden sich in Abhängigkeit der jeweiligen Ethnie. Wenn man generalisieren möchte – und ein Business-Knigge lebt von Generalisierungen – dann lässt sich festhalten, dass die Frage nach dem eigenen Befinden und dem der Familie immer eine große Rolle spielt. Wer selber nicht danach fragt, ist unhöflich. Das wollen Sie sicher nicht sein.

Visitenkarten gelten in begrenztem Umfang als Verlängerung Ihrer Person. Sorgen Sie also dafür, dass eine Seite korrekt in französischer Sprache beschriftet ist. Golden gerahmte Karten sorgen für besonderes Aufsehen – bitte auch bei Ihnen, sofern Sie eine solche überreicht bekommen. Werfen Sie einen ausführlichen Blick auf die Karte, bevor Sie sie im Etui verstauen.

Wie in vielen afrikanischen Ländern, so hängt auch im Senegal die unternehmerische Risikobereitschaft davon ab, mit wem man es zu tun hat. Hat Ihr Gegenüber nur wenig zu entscheiden, dann wird er fast nichts riskieren. Sind Sie selber nur Laufbursche, dann erwarten Sie nicht, dass man Ihnen große Risikobereitschaft zugesteht. Der Trick: Seien Sie vorbereitet, haben Sie Referenzen, geglückte Projekte, Fürsprecher.

Redewendungen, Analogien und Metaphern – sie alle spielen bei der Kommunikation im Senegal eine große Rolle. Der Gedanke dahinter: Sie sind höflicher als direkte Aussagen – und Höflichkeit ist wichtig. Höflicher ist es übrigens auch notfalls zu schweigen, wenn Sie ansonsten kritisieren würden. Bleiben Sie freundlich, immer.

Besser nicht: Wie in vielen islamisch geprägten Ländern gilt auch im Senegal: Die linke Hand ist nach Möglichkeit in der Öffentlichkeit nicht zu benutzen. Was Sie sonst mit links machen würden, machen Sie hier bitte mit rechts.

Kolumbien, rund 49 Millionen Einwohner, BIP rund 380 Milliarden US-Dollar

Kolumbien liegt im nördlichen Teil von Südamerika und zählt zu den größten Wirtschaftsnationen Lateinamerikas. Das Land exportiert einen breiten Mix verschiedenster Güter, von Nelken und Kaffee über Smaragde bis hin zu Industrie- und Konsumgütern. Einer der größten Exportschlager hingegen sollte eigentlich keiner sein: Etwa 70 Prozent der weltweiten Kokainproduktion stammen nach Schätzungen aus Kolumbien.

In Kolumbien gilt eine formell geprägte Kultur, wie sich bei der Anrede in Begrüßungen erkennen lässt. Das informelle „Du“ („tú“) ist engen Freunden und Familienangehörigen vorbehalten. Für alle Anderen gilt „Sie“ („usted“) als angemessene Begrüßung. Warten Sie also, bis man Ihnen das „Du“ vorschlägt – und nehmen dann gerne an.

Beim Austausch von Visitenkarten präsentieren Sie die spanisch übersetzte Seite Ihrem Gegenüber. Achten Sie darauf, dass Ihre Finger dabei keine Schrift verdecken. Und vermerken Sie relevante Uniabschlüsse auf Ihrer Karte. Man wird Sie für einen Experten in Ihrem Themengebiet halten – und das ist doch gut so.

Anders als in anderen lateinamerikanischen Ländern verzeiht man in Kolumbien Fehlschläge leichter – solange der Beschäftigte sein Bestes gegeben hat. Die unternehmerische Risikobereitschaft folgt diesem Muster und ist recht ausgeprägt. Faustregel: Je jünger die Entscheider, desto höher ihre Risikobereitschaft. Wie sonst soll man von Fehlern lernen, lautet hier der dahinterstehende Gedanke.

Die Kommunikation in Kolumbien ist offen und direkt, allerdings spielen Kontext und Körpersprache zusätzlich eine große Rolle. Da Sie diesen Text lesen, kommen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem deutschsprachigen Land und wissen, dass Körpersprache oder Gesten hierzulande eher, sagen wir, weniger wichtig ist. In Kolumbien könnten Sie deshalb Schwierigkeiten bekommen, wenn Sie Ihre Pläne nicht ausführlich erläutern. Zur Not dann halt ohne Körpersprache, dafür aber bitte umfangreich. Und rechnen Sie mit Nachfragen. Sie werden kommen.

Wo wir gerade bei Körpersprache sind: Es wäre ziemlich prima, wenn Sie besser nicht mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis formen, wenn Sie eine Sache für besonders zustimmungswürdig halten. Hierzulande ein Ausdruck der Zustimmung, in Kolumbien eine obszöne Beleidigung des Gegenübers. Ach ja, und bitte keine Witze über Drogen. Das Humorverständnis ist diesbezüglich leicht überstrapaziert.

Papua-Neuguinea, rund acht Millionen Einwohner, BIP knapp 17 Milliarden US-Dollar

Papua-Neuguinea zählt zum australischen Kontinent und ist der flächenmäßig drittgrößte Inselstaat der Welt. Das von einem unwegsamen Gebirge durchzogene Land basiert in der Landwirtschaft zu weiten Teilen auf Subsistenzwirtschaft. Im Außenhandel dominiert ein großer Exportüberschuss. Erzielt wird dieser hauptsächlich durch Gold, Kupfer, Erdöl und Kaffee.

Begrüßungen in Papua-Neuguinea hängen stark ab von der Region. In städtischen Gebieten dominiert der westliche Stil: Shakehands mit Augenkontakt und Lächeln. In ländlichen Regionen hingegen ist es gut möglich, dass dieser Blickkontakt vermieden wird. Warum, fragen Sie sich? Weil es als besondere Respektsbekundung gilt, bei der Begrüßung auf den Boden zu schauen. Machen Sie einfach nach, was Ihr Gegenüber Ihnen vormacht.

Visitenkarten in Papua-Neuguinea sind nicht besonders wichtig. Natürlich: Sie haben welche, Ihr Gegenüber hat auch welche. Deshalb tauschen Sie sie aus, werfen einen kurzen Blick darauf, verstauen Sie im Etui und wenden sich den wichtigen Dingen des Lebens zu.

Zum Beispiel der unternehmerischen Risikobereitschaft in Papua-Neuguinea. Zwar ist die Mehrheit der Entscheider davon überzeugt, dass Risikobereitschaft unumgänglich ist für unternehmerischen Erfolg. Allerdings sind Begriffe wie „Ehre“ und „Schande“ in Papua-Neuguinea durchaus üblich. Ihr Gegenüber wird also versuchen, einen größtmöglichen Konsens innerhalb seiner Gruppe herzustellen, bevor er Ihren möglicherweise riskanten Plänen zustimmt. Sie erleichtern ihm diesen Prozess, wenn Sie entsprechende Belege Ihrer Erfolge vorbringen können.

In Papua-Neuguinea werden mehr als 800 Sprachen gesprochen. Die Pidginsprache Tok Pisin ist die am weitesten verbreitete Verkehrssprache im Land. Mit anderen Worten: Sie werden einen Dolmetscher zur Kommunikation brauchen. Über einfache Dinge wird direkt gesprochen. Kritik und Widerspruch wird möglichst vermieden. Stattdessen dominiert ein indirekter Sprechstil. Richten Sie sich darauf ein und vermeiden Sie direkte Gegenrede.

Besser nicht: Zeigen Sie nicht auf jemanden, der nicht Teil Ihres Gespräches ist. Er oder Sie könnte davon ausgehen, dass Sie lästern. Und laufen Sie nicht über Essen, das auf dem Boden liegt.

Uwe Nowotnick
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