CO₂-neutral und transparent von Anfang bis Ende

Stakeholder und Gesetzgeber fordern mehr Nachhaltigkeit bei Lieferketten.

Keyfacts

  • Veränderte Kundenansprüche, steigende Anforderungen von Investoren, wachsender Druck von Umweltschutzorganisationen und regulatorische Maßnahmen bringen Unternehmen in Bezug auf ihre Lieferketten in Zugzwang.
  • Transparente und nachhaltige Lieferketten werden zu einem unverzichtbaren Bestandteil von Geschäftsstrategien und der Wertschöpfung insgesamt.
  • Langfristig werden Kosten durch eine transparente und CO₂-neutrale Lieferkette gesenkt und das Unternehmen effizienter und sicherer gestaltet.
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Dr. Sylvia Trage
  • Director, Consulting, Value Chain Transformation
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Noch vor wenigen Monaten hat man sich öffentlich über Lieferketten nicht viele Gedanken gemacht. Das hat sich geändert. Zum einen haben verschiedene Ereignisse wie die Corona-Pandemie, der Brexit oder die Havarie eines Megafrachters im Suezkanal dazu geführt, dass Lieferketten gestört oder unterbrochen wurden – die Auswirkungen waren nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Verbraucher deutlich zu spüren. Zum anderen sind viele Stakeholder stärker sensibilisiert, wenn es um negative Meldungen im Zusammenhang mit Lieferketten geht: Kinderarbeit, ungeklärte Abwässer, die in Seen und Flüsse geleitet werden und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen.

Gesetzgebung zu Sorgfaltspflichten und Klimaschutz

Investoren, Kunden, Umweltorganisationen und andere Gruppen üben zunehmend Druck auf Unternehmen aus, damit diese bei der Organisation ihrer Lieferketten ihren Sorgfaltspflichten gegenüber Menschen und Natur nachkommen. Verstärkt wird dieser Druck durch die Politik, die Unternehmen verpflichtet, neue gesetzliche und regulatorische Bestimmungen wie das Corporate-Social-Responsibility-Umsetzungsgesetz, das Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz und den European Green Deal umzusetzen. Unternehmen drohen hohe Bußgelder, der Ausschluss bei öffentlichen Ausschreibungen und Image- sowie Marktanteilsverluste, wenn sie ihre Aktivitäten nicht nachhaltiger gestalten und sich klar positionieren.

Die Lieferkette der Zukunft: Transparent und CO2-neutral

Die Idealvorstellung: Die Lieferkette der Zukunft ist vollständig transparent und CO2-neutral. Um das zu erreichen, benötigen Unternehmen Informationen über ihre End-to-End-Lieferketten beziehungsweise ihr gesamtes Lieferkettennetzwerk. Das setzt eine Datenverfügbarkeit in Echtzeit voraus, die für viele Lieferantenstandorte noch nicht gegeben ist. Die Verfügbarkeit von Daten und Informationen (und damit Transparenz) herzustellen ist daher für Unternehmen erstmal mit einem gewissen Aufwand verbunden. Doch dieser lohnt sich.

Transparenz erhöht Resilienz und Agilität

Regulatorische Anforderungen im Hinblick auf die ESG-Kriterien können nur bei größtmöglicher Transparenz erfüllt werden, ebenso wie die Sicherstellung, dass Nachhaltigkeitsaspekte eingehalten werden.. Aber auch unabhängig von der Umsetzung der regulatorischen Vorgaben ist eine transparente Lieferkette notwendig. Sie führt zur Verbesserung der interorganisationalen Leistungserbringung und macht die Identifikation von internen und externen Risiken in der Lieferkette möglich. So schafft man mehr Resilienz, Agilität und Flexibilität, um besser und schneller auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren zu können. Denn eine hohe Anpassungs- und Handlungsfähigkeit ist heutzutage unabdingbar.

Lieferketten sind ein dynamisches und komplexes Umfeld, das viele Risiken birgt. In der Vergangenheit blieben Vergehen wie Bestechung und Betrug aber auch Schwachstellen bei Compliance oder IT-Sicherheit häufig unentdeckt. Durch mehr Transparenz im Lieferketten-Netzwerk können diese Missstände schneller entdeckt und vermieden werden. Das spart Kosten und verhindert Reputationsschäden. Zusammen mit Nachhaltigkeit und Resilienz ist Transparenz der wesentliche Erfolgsfaktor, um langfristig den Fortbestand und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens zu sichern.

Kosten senken und Sanktionen verhindern

Transparenz hängt auch wesentlich mit dem zweiten großen Ziel in Bezug auf Lieferketten zusammen: der CO2-Neutralität.

Die Globalisierung hat zu einer weltweiten Ausdehnung der Lieferketten-Netzwerke geführt. Für Unternehmen hat das neben den Chancen einer globalen Produktion auch viele Herausforderungen mit sich gebracht: Rohstoffbezug und Produktion finden oftmals in Ländern mit fehlender Regulatorik zu Umwelt- und Klimaschutz statt, und Waren werden mehrere Tausend Kilometer weit transportiert, bis sie an ihrem Abstimmungsort ankommen. Die Konsequenz: Ein schlechter CO2-Fußabdruck entlang der gesamten Lieferkette. Durch das Schaffen von Transparenz können CO2-Hotspots aufgedeckt und die Nachhaltigkeit beispielsweise durch Kreislaufwirtschaft, den Einsatz erneuerbarer Energien und der Dekarbonisierung von Transportwegen gestärkt werden.

Das Erreichen der CO2-Neutralität in der Lieferkette sollte im Eigeninteresse der Unternehmen liegen und nicht nur auf regulatorischen Druck hin passieren. Langfristig werden durch eine transparente und CO2-neutrale Lieferkette Kosten für beispielsweise Emissionsabgaben gesenkt und Unternehmen effizienter und sicherer gestaltet. Zudem können Unternehmen mit einer CO2-neutralen Lieferkette adäquat auf die steigenden Ansprüche von Stakeholdern und Investoren hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz reagieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Die Lieferkette zukunftssicher gestalten

In unserem Whitepaper „Die Supply Chain der Zukunft“ stellen wir dar, mit welchen Maßnahmen Lieferketten transparent und CO2-neutral gestaltet und damit zu einem maßgeblichen Erfolgsfaktor für Wettbewerbsfähigkeit werden können. Ich empfehle Unternehmen, bei diesem Prozess vorerst alle wesentlichen Teile und Lieferanten ihrer Lieferketten zu identifizieren. Es gilt, einen Status quo zu erfassen, den gesamten Warenstrom zu visualisieren und Potenziale sowie Risiken zu identifizieren. Dies kann anschaulich beispielsweise in so genannten Heat-Maps mit Lieferanten und Standorten abgebildet werden.

Anschließend können mithilfe digitaler Technologien Maßnahmen zur Optimierung der Nachhaltigkeit definiert und umgesetzt werden. Ein Risikomanagementsystem überwacht die Einhaltung dieser Maßnahmen und ermöglicht eine schnelle Reaktion auf Störungen und Unregelmäßigkeiten.

Daten kontinuierlich überprüfen und aktualisieren

Im weiteren Prozess sollten sich Unternehmen mit dem Synchronisieren und Auswerten von gesammelten Daten beschäftigen. Digitale Tools helfen beim Identifizieren risikobelasteter Lieferanten. Ein zentrales Steuerungselement (Control Tower) und eine gemeinsame Plattform ermöglichen zum Beispiel eine intensivere Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Entscheidend in diesem Zusammenhang ist es, die Daten nicht nur einmalig zu erheben, sondern sie kontinuierlich zu überprüfen und zu aktualisieren. Auf Cloud-Plattformen können sich Lieferanten registrieren und regelmäßig Daten bereitstellen, die über Monitoring-Prozesse nachhaltig überwacht und ausgewertet werden. So können Unregelmäßigkeiten, Betrug, Verschwendung und andere verdächtige Aktivitäten schnell – optimalerweise in Echtzeit – erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Ziel dieser Maßnahmen ist der Aufbau resilienter Lieferketten und das Sicherstellen der Materialversorgung. Sie sorgen aber auch dafür, dass die gesetzlichen Vorgaben und die Anforderungen der Stakeholder erfüllt werden können. Das sichert neben der Wettbewerbsfähigkeit auch die Lebensgrundlagen vieler Menschen im Sinne der Generationengerechtigkeit.

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Dr. Sylvia Trage
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Die Supply Chain der Zukunft

Die Lieferkette der Zukunft ist vollständig transparent und CO2-neutral. In unserem Whitepaper beschreiben wir konkrete Handlungsempfehlungen für den Aufbau eines transparenten und nachhaltigen Supply-Chain-Netzwerks und erläutern die Bedeutung von neuen rechtlichen Bestimmungen.

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