Das Facebook-Dilemma: Medienhäuser erreichen immer weniger Leser

Soziale Medien schrauben an der Reichweite – zum Ärger vieler Medienunternehmen.

Keyfacts

  • soziale Medien verändern Reichweite regelmäßig
  • Immer mehr Medien kooperieren mit IT-Unternehmen
  • Leistungsschutzrecht wird diskutiert
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Markus Kreher
  • Partner, Head of Finance Advisory, Head of Media
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Lange Zeit galten die sozialen Medien als die Heilsbringer für Medienhäuser. Der Deal war einfach, vielleicht zu einfach. Anmelden, Nachrichten und Co. teilen und über viele Klicks freuen.

Facebook hatte bereits 2014 ausführlich dazu geantwortet, warum die Reichweite sinkt. Die Gründe sind vielschichtig: Immer mehr Menschen posten auf der Plattform. Facebook glaubt, zu viel für den einzelnen Nutzer. Es gibt allerdings noch eine andere Lesart: Die „W&V“ zeichnet ein düsteres Bild. Unternehmen mit Fanpages auf der Plattform sollen ihre Inhalte mit Geld bewerben, damit die Sichtbarkeit weiterhin gleichhoch bleibt – auch wenn Medien und Blogs weniger stark betroffen sind als Unternehmensseiten.

Markus Kreher, Head of Media, reagiert mit Unverständnis: „Eigentlich ist es das Geschäftsmodell von Unternehmen, durch Inhalte Geld zu verdienen, nicht aber, für Texte, Videos oder Rundfunkbeiträge Geld zu entrichten, damit sie auch den Weg zum Leser finden.“

Der Druck der Anleger

Das Branchenmagazin „t3n“ hatte bereits 2012 eine Kausalität zwischen den Börsengang von Facebook und der Reichweite hergestellt. Dazu heißt es, dass Portal wohl immer kostenlos bleibt, doch da das US-Unternehmen nun an der Börse notiert ist, müsse es irgendwie Geld verdienen.

Nicht anders sieht es beim Echtzeit-Nachrichtendienst Twitter aus, der Ende 2013 erstmals Wertpapiere ausgab.

Auch Instagram, das mittlerweile von Facebook übernommen wurde, oder Snapchat könnten einen ähnlichen Weg einschlagen.

Kreher dazu: „Unternehmen wie Facebook, Twitter und Instagram müssen irgendwie Geld verdienen, das ist legitim. Die Frage bleibt, wie Medienunternehmen den sich ständig ändernden Gegebenheiten begegnen. In unserer Studie haben wir bei deutschen Unternehmen nachgefragt. Mehr als 55 Prozent kooperieren noch nicht mit Facebook, Google oder gar Amazon – 29 Prozent tun dies jedoch bereits schon.“

Leistungsschutzrecht umstritten

Auch die Europäische Union sieht Handlungsbedarf beim Thema Internet und geistiges Eigentum. So wird immer wieder das Leistungsschutzrecht für Presseverleger diskutiert. Demnach sollen die IT-Riesen wie Google und Facebook dafür bezahlen, Ausschnitte der Medienerzeugnisse auf ihren Seiten zu zeigen.

EU-Digitalkommissar Günther Oettinger hält – wie kürzlich im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ bekräftig,  an seinem Vorhaben fest, obschon mehrere deutsche Chefredakteure Zahlen vorgelegt hatten, wonach sie sehr viele Zugriffe eben immer noch über Google und Facebook bekommen. Auf die wollen sie nicht verzichten.

Das Leistungsschutzrecht ist zudem gar nicht so neu. Seit 20 Jahren besteht es bereits, wurde laut „Spiegel“ allerdings nie umgesetzt.

Markus Kreher: „Die Branche ringt gerade um fundamentale Fragen, viele schaffen aber die Grundvoraussetzungen im eigenen Haus nicht. Wir haben herausgefunden, dass beispielsweise die Implementierung eines Chief Digital Officers erhebliche Auswirkungen auf den Digitalumsatz hat, nur haben 67 Prozent bislang gar keinen.“

Auch wenn Oettinger nun vorschlägt, dass die Verleger die Journalisten überzeugen sollen, ist es für Kreher die Arbeit im eigenen Haus: „Ich rate Medienunternehmen im ersten Schritt, das eigene Geschäftsmodell fest im Blick zu behalten und zu überlegen, wie dieses kreativ zum Leser gebracht wird und wie sie so gute Einnahmen erzielen können. Hier ist allerdings die gesamte Mannschaft gefragt: Vom Verleger, über die Chefredaktion, die Redakteure, bis hin zum Anzeigenverkäufer.“

Markus Kreher
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