Das Geheimnis guter Entscheidungen

Friedrich Joussens Rezept: „Konzentration auf etwas, was keiner kopieren kann."

Keyfacts

  • Konzentration auf etwas, was keiner kopieren kann
  • Entscheiden ist zu einem guten Teil Intuition
  • Herausforderung heute ist die Reduktion der Komplexität
Studie herunterladen
Angelika Huber-Strasser
  • Bereichsvorstand Corporates
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Zur richtigen Zeit grundlegende Entscheidungen richtig zu treffen, könnte man als so etwas wie das persönliche Geheimnis aller erfolgreichen Unternehmenslenker bezeichnen. Deshalb ist es folgerichtig, dass diese Entscheidungen von Beobachtern und Nachahmern gern auf systematisches Vorgehen, logische Abläufe oder überragende Analysen zurückgeführt werden. Denn erfolgreiche Entscheidungen nach Regeln wiederholbar zu machen, wäre der Königsweg der effektiven und effizienten Unternehmensführung. Doch Patentrezepte sucht man beim Preis der  „Entscheidungsmacher“ vergeblich. Der jährliche vergebene Preis orientiert sich weniger an der Theorie, als an der Evidenz und findet immer wieder beeindruckende Führungsfiguren.

Entscheidungsmacher 2018 würdigt visionäre Entscheidungen

„Herausragende, zukunftsweisende Entscheidungen zu würdigen“, das ist für mich die Idee hinter der von KPMG und der WirtschaftsWoche (WiWo) verliehenen Auszeichnung „EntscheidungsMacher des Jahres“. Der diesjährige Sieger ist Friedrich Karl Joussen. Einer Nominierung zum Entscheidungsmacher geht die Auswahl der CEOs im Rahmen der WirtschaftsWoche-Serie „Zukunft des Management“ voraus. Dort werden herausragende, mutige und visionäre Entscheidungen vorgestellt und der/die verantwortliche CEO vorgeschlagen. Die Jury besteht u.a. aus Osram-Vorstand Olaf Berlien (EntscheidungsMacher 2017), WiWo-Herausgeberin Miriam Meckel.

Der Preisträger 2018: Friedrich Joussen

Gewinner Friedrich Joussen macht kein großes Aufheben um sein Erfolgsgeheimnis: „Konzentration auf etwas, was keiner kopieren kann“, war seine Empfehlung an den Aufsichtsrat, als er 2013 das Amt des TUI-CEO von Michael Frenzel übernahm. Seitdem hat er mit den renditeträchtigen Bestandteilen Hotels und Kreuzfahrten aus TUI einen der weltweit größten Urlaubsanbieter geformt. In einer Zeit, in der viele Unternehmen daran arbeiten, mit Daten ein genaues Bild ihrer Lage zu bekommen, um damit (noch) bessere Entscheidungen zu treffen, scheint Joussens Rezept fast ein wenig zu simpel. Abernur auf den ersten Blick Bei Entscheidungen auf strategischer Ebene ist das Wichtigste, dass sie schnell und klar getroffen werden. Sorgfältige Vorbereitung ist selbstverständlich. Daten gehören zur guten Unternehmensführung dazu. Doch dann ist für CEOs ein gutes Stück Intuition entscheidend, irgendwo zwischen Kopf und Bauch.

Mutige klare Entscheidungen als Basis für nachhaltigen Erfolg

Neben Friedrich Joussen stand Dr. Werner Lanthaler im Finale auf der Bühne. Er hatte ebenfalls mit einem langfristigen Strategiewechsel in seinem Unternehmen die Basis für ein gesundes Unternehmen gelegt.

„Für manche Entscheidungen zählt das Herz“, findet Lanthaler, seit 2009 Vorstandsvorsitzender der Evotec AG, gefragt nach seiner Entscheidung für den Posten beim damals tief in den roten Zahlen steckende Unternehmen. Lanthaler sorgte nach dem Harvard-Studium als Finanzvorstand beim Wiener Impfstoffhersteller Intercell für schwarze Zahlen, ehe er zu Evotec wechselte. „Aus Liebe zur Medizin“, erklärte Lanthaler – das sei seine Kompassnadel. Auch Lanthalers Erfolg basiert im Kern auf einer einzigen klaren Entscheidung. Der Unternehmer stoppte die teure Medikamentenentwicklung in seiner Firma und richtete Evotec als Dienstleister neu aus. Evotecs Screeningverfahren testen heute im Kundenauftrag in wenigen Sekunden, ob ein Wirkstoff geeignet ist.

Gute Entscheidungen sehen einfach aus

Hier kann man sehen, dass gute Entscheidungen im Nachhinein oft ganz offensichtlich erscheinen, fast einfach aussehen, im Moment der Entscheidung aber ganz anders wahrgenommen und kontrovers diskutiert werden, denn sie stellen, was bis dahin als richtig galt, in Frage stellen. Was als richtig gilt, hat meistens auch die meisten Fürsprecher. Karl Braun meinte dazu auf der Veranstaltung:

„Die große Herausforderung heute ist die Reduktion der Komplexität. Für mich sind zwei Grundregeln für eine Entscheidung wichtig: Erstens die Situation verstehen und zweitens überlegt Handeln. Und um die Situation zu durchdringen braucht man nicht einige hundert beliebige Quellen, sondern zwei oder drei wirklich vertrauenswürdige und verlässliche.“

Was er oder sie unter einer vertrauenswürdigen Quelle versteht, konnte jeder Gast am Abend im Kohlebunker in München selbst an sich ausprobieren. Zur Veranstaltung gehörte wie im letzten Jahr ein außergewöhnlicher Gast. Das war in diesem Jahr Haiforscher Erich Ritter, der von seinen Erlebnissen mit den geheimnisvollen Jägern berichtete. Erkenntnis des Abends und das Ende gern gepflegter Vorurteile: Haie verwechseln Menschen nicht mit Robben. Sie sind bloß neugierig. Ob man auf Grund dieser neuen Datenlage nun mit neugierigen Haien schwimmen möchte, bleibt jedermanns Bauchentscheidung.

Angelika Huber-Strasser
  • Bereichsvorstand Corporates
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

CEO-Outlook 2017: Wachsen in disruptiven Zeiten

Trotz Disruption, Digitalisierung und dem Aufkommen neuer Technologien: Nur wenige deutsche Unternehmen gehen davon aus, dass ihr Geschäftsmodell in den nächsten Jahren bedroht ist. So lautet eines der Ergebnisse des diesjährigen CEO-Outlooks, für den KPMG  mehr als 1.200 Top-Entscheider befragt hat.

Studie herunterladen

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist.