Der 3D-Druck revolutioniert die Welt

Die Vernetzung der Bereiche wird entlang des Produkts und der Wertschöpfung ausgerichtet

Keyfacts

  • 3D-Druck wird die Welt revolutionieren
  • Airbus druckt Flugzeugteile am 3D-Drucker
  • Geschwindigkeit der Drucker nimmt zu
Wolfgang Grassl
  • Partner, Operations Consulting
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Ob Essgeschirr, künstliches Kniegelenk, Schraube, Autowerkzeug oder Flugzeugteil – die Anwendungsgebiete für 3D-Druck sind zahlreich. Mindestens genauso vielfältig sind die Vorurteile.

Additive Manufacturing ist ein Teil der Industrie 4.0. Die Technologie erstellt auf Basis digitaler 3D-Konstruktionsdaten schichtweise ein Bauteil. Die Einsatzbereiche dieses 3D-Druck-Verfahrens sind enorm.

Es gibt Geräte für einige hundert Euro, und es gibt sehr teure Maschinen. Airbus zum Beispiel druckt inzwischen viele unterschiedliche Teile für seine Flugzeuge am 3D-Drucker und bewegt sich selbst wieder in Richtung Teilefertiger.

Verändert die neue 3D-Technologie drastisch die Produktion – oder wird Additive Manufacturing überschätzt? Lesen Sie hier die 5 größten Irrtümer über den 3D-Druck:

Irrtum Nr. 1: Der 3D-Druck wird wichtig, aber unsere Welt nicht revolutionieren.

Das ist falsch. Der 3D-Druck wird die Welt revolutionieren. Ob in zwei oder fünf Jahren, darüber können wir streiten. In der einen Industrie wird es schneller als in der anderen passieren.

Fakt ist: Die Technologie und die dahinter liegenden Prozesses stellen alles auf den Kopf, was wir bisher genutzt haben. Produkte werden völlig neu konstruiert, mit einer anderen Funktionsintegration als wir es bisher kannten.

Wir vergleichen die Veränderung durch Additive Manufacturing mit der, die wir durch das Internet erfahren haben und es noch immer tun.

Irrtum Nr. 2: Es reicht völlig aus, sich einen 3D-Drucker zu kaufen und damit Produkte zu drucken.

Nein, das reicht nicht aus. Jedenfalls nicht, wenn ich den wahren Wert der Technologie in Gänze nutzen möchte. Dies belegt auch die Auswertung unserer Fokusanalyse.

Von der Konstruktion über den Einkauf, von der Produktion bis zur Logistik: Die Vernetzung der Bereiche wird entlang des Produkts und damit der Wertschöpfung ausgerichtet. Das verändert den Begriff der Arbeit: von der verrichtungsorientierten hin zu einer kundenorientierten Arbeit.

Irrtum Nr. 3: Die Technik ist noch nicht so weit, die Drucker bringen es noch nicht auf die Stückzahlen.

Fakt ist, die Geschwindigkeit und die Genauigkeit der Drucker nimmt stetig zu und verbessert sich ein um‘s andere Mal, binnen weniger Monate. Gerade stellte die Branche einen neuen Druckprozess namens CLIP (Continuous Liquid Interface Production) vor. Im Vergleich zu einer bisherigen Druckzeit von 3 bis 12 Stunden braucht der neue Drucker im Idealfall nur 6,5 Minuten für ein Druckprojekt.

Wir dürfen nicht mehr nur in herkömmlichen Weiterentwicklungszyklen denken wie bisher. Es gibt völlig neue Möglichkeiten, die Entwicklung noch schneller zu machen. Somit sind Zeitansätze über 5 Jahre bestenfalls eine konservative Schätzung. Es wird eher noch schneller gehen.

Irrtum Nr. 4: Ok, ich vernetze meine Prozesse im Unternehmen für Additive Manufacturing – und damit hat es sich.

Eine Revolution wäre keine, wenn sich nur einige Teile ändern. Die Veränderungen werden viel umfassender. Es wird neue Geschäftsmodelle geben, wie beispielsweise sogenannte „Fabbing Shops“: Sie drucken ihren Industrie- oder Endkunden die Bauteile aus, so wie es früher die Copyshops getan haben.

Andere Geschäftsmodelle werden verschwinden oder sich verändern. Zum Beispiel im Bereich der Logistik, die nicht mehr zwingend Produkte über weite Strecken transportieren, sondern diese stärker regional verteilen wird.

In Zukunft kann der Anwender Bauteile wie bei einer MP3 von Servern herunterladen und drucken. Das Thema IP und der Prozess für die Beantragung von Patenten müssen neu durchdacht werden, weil sie der Geschwindigkeit der Entwicklung nicht mehr standhalten können.

Die Versorgung der Produktion im Rahmen der Supply Chain wird sich verändern, der Lagerbedarf für Werkzeuge und Bauteile wird wegfallen. Das Drucken on Demand von Ersatzteilen wird möglich.

Irrtum Nr. 5: Diese Veränderungen machen mir Angst. Ich bleibe einfach so, wie ich bin und warte, was kommt.

Die Unternehmen beginnen bereits, ihre Prozesse umzustellen und eine übergreifende Betrachtung (total cost of ownership) zu implementieren. Nichts ist so stetig wie der Wandel – das sollte jeder versuchen, als Chance zu begreifen.

Bei aller Veränderung bleibt der Mensch im Mittelpunkt bestehen: Es mag vielleicht das Geschäftsmodell des Dentallabors verschwinden, doch der kompetente Techniker, der den Scanner und die 3D-Druck Maschine bedienen kann, wird weiterhin gebraucht.

Veränderung muss nichts Negatives bedeuten. Der 3D-Druck ist etwas Spannendes. Gestalten Sie es aktiv mit.

Wolfgang Grassl
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