Der Facebook-Skandal: Nichts ist umsonst

Datenhandel ist das Geschäftsmodell von sozialen Medien.

Keyfacts

  • Datenhandel ist das Geschäftsmodell von Facebook
  • Zu Facebook gehören auch noch andere Social Media-Dienste
  • Nutzer entscheiden selbst am besten, was Unternehmen über sie wissen, aber kann ein Nutzer wissen, was seine „Freunde“ wollen?
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Alexander Geschonneck
  • Partner, Corporate Governance Services
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Wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal ein Foto bei Facebook, StudiVZ, StayFriends oder Instagram hochgeladen, wann Sie zuletzt virtuell beim schicken Italiener um die Ecke eingecheckt haben? Oder das niedliche Bild Ihrer Familie am Mittelmeerstrand; Sie wissen schon, das vom letzten Sommerurlaub mit dem süßen Teddy drauf.

Im März 2018 ist irgendwie mal wieder alles anders, Cambridge Analytica soll mehr als 50 Millionen Facebook-Datensätze abgegriffen und dem Trump-Team im Wahlkampf zur Verfügung gestellt haben

Die Metrik ist eigentlich ganz einfach: Die Strategen – etwa Steve Bannon – haben dann gezielt geprüft, wie sie die Wahlentscheidung der Facebook-Nutzer zu Gunsten Trumps beeinflussen könnten und zielgruppenorientiert Nachrichten schalten können. Die Tagesschau berichtet, dass vereinzelte Investoren bis zu Millionen US-Dollar in das Unternehmen gesteckt haben, den Namen soll sich Bannon selbst ausgedacht haben. Das ist angeblich die Sachlage.  Dabei stellt sich noch gar nicht Frage, welche News den so identifizierten Nutzern präsentiert wurden.

Reflexartig betreten nun natürlich die Datenschützer die Szenerie, grundieren die missliche Situation mit Warnungen vor Facebook und Co., die sie irgendwann vor Jahren einmal getätigt haben. Nur wollte ihnen keinen zuhören – die Lager waren verhärtet. 

Digitalministerin Dorothee Bär (CSU) rügte die geltenden Datenschutzbestimmungen als veraltet, sie ähnelten denen des 18. Jahrhunderts. In der Koalitionsvereinbarung steht, dass Daten der Rohstoff des 21. Jahrhunderts seien.

Facebook ist dafür da, Daten zu sammeln und diese an Werbetreibende oder sonstig interessierte Personen weiterzugeben. Das ist deren Geschäftsmodell. Das ist nicht erst seit Cambridge Analytica bekannt. Das Unternehmen freut sich, wenn Sie ihrem Netzwerk preisgeben, dass Sie gern Italienisch essen, einen Kleinwagen aus Asien fahren, aber von einem Kombi aus Süddeutschland träumen – die Beispiele sind mannigfaltig.

Immer dann, wenn Sie Privates im sozialen Netzwerk freigeben, ist das wie ein Puzzle-Teil, das ein immer klareres Bild von Ihnen, Ihrer Lebenssituation und Ihren Vorlieben abgibt. Daraus lässt sich mit mathematischer Wahrscheinlichkeit auch schließen, für welche politische Richtung oder Entscheidung der User anfällig sein könnte.

Dass jetzt die Politik mit großer Geste auf den Plan tritt, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass der Datenhandel nun auch die Politik erreicht und allem Anschein nach Wahlergebnisse oder zumindest Wählerverhalten beeinflussen kann. Ein Schelm würde nun vermuten, dass dies dann wichtiger ist, als wenn nur ein paar Leute in ihren Grundrechten verletzt werden. Also alles auf Empörung.

Dass Facebook ein Dickschiff in Sachen Datenhandel ist, wird CEO Mark Zuckerberg so wohl nur bedingt zugegeben. Auf Facebook selbst hat er eine Erklärung dazu abgegeben, der Dienstleister wollte die Datensätze doch löschen? Wir hatten doch einen Vertrag!

Facebook macht das, was es schon immer gemacht hat: Es stellt die Hülle, auf der sich Nutzer aus aller Welt bitteschön austoben sollen – aber so richtig. Die Zukäufe von WhatsApp und Instagram helfen, Profile zu vervollständigen und fehlende Puzzle-Teile nachzuliefern – der viel gewünschte 360 Grad Blick.

So, wie sich die Situation nun darstellt muss man feststellen, dass dieser Stelle niemand betrogen oder Daten gehackt hat. Der Zugriff erfolgte über eine erlaubte API – es hat nur niemand kontrolliert wieviel und welche Daten darüber abgesaugt wurden. Über Jahre haben wir uns gefragt, wie wir unsere Profile so sichern, dass nur ausgewählte Nutzer Inhalte sehen. Die Frage, ob Ihr Chef Feierbilder von Ihnen im Netz findet, ist die falsche. Denn wenn Sie sich entscheiden, dass Sie diese Bilder von sich auf Facebook hochladen, dann weiß vor allem Facebook das. Gestattet Facebook nun einem Dritten unter welchem Vorwand auch immer den Zugriff auf die API, kann dieses Wissen bei diesem Dritten landen. Wie wir nun wissen, trotz Verträgen und gefühlter Kontrollen.

Bei allen nun drohenden Sanktionen kann Facebook froh sein, dass die DSGVO noch nicht die Bußgeldhöhe bestimmt hat. In Zukunft sieht eine monetäre Risikoabwägung aber anders aus. Ein Kavaliersdelikt ist es für mich dennoch nicht.

Der eigentliche Skandal ist, dass es großen Teilen bislang kaum oder wenig möglich war, sich mit dem eigenen Tun genauer zu befassen. Niemand wird dazu angehalten, private Informationen von sich auf Facebook preiszugeben. Wir täten gut daran, die sogenannte Medienkompetenz noch stärker und früher auszubauen.

Alexander Geschonneck
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