Der informierte und selbstbestimmte Patient

Patientenzentrierung entlastet die Gesundheitsbranche – wie die Umsetzung gelingt

Keyfacts

  • Krisensituationen können die Innovationskraft im Gesundheitssystem fördern.
  • Es gibt viele Pioniere am Markt, die Patientenzentrierung bereits umgesetzt haben.
  • Mehr Mitbestimmung des Patienten bei seinem Krankheitsverlauf ist notwendig.
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Thorsten Weber
  • Director Markets
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Aufstockung von Intensivbetten, fehlende Schutzausrüstung, eine sich ständig verändernde Kapazitätsplanung: Die Corona-Krise verlangt der Gesundheitsbranche aktuell Enormes ab. Und das zusätzlich zu den ohnehin angespannten Arbeitsbedingungen in dem Umfeld.

Trotzdem merkt man auch in dieser außergewöhnlichen Zeit einmal mehr: Unser Gesundheitssystem war und ist gut gerüstet für die Krise und beweist sich – auch im europäischen und weltweiten Vergleich – als leistungsstark. Und die Krise zeigt auch: Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen steht das Wohlergehen der Patientinnen und Patienten stets an oberster Stelle.

Patientenzentriertes System sorgt für Entlastung bei Patienten und Ärzten

Und deshalb ist es meiner Meinung nach auch so wichtig, das Gesundheitssystem noch stärker auf die Patienten auszurichten. Beispielweise durch Geräte, die darauf abzielen, medizinische Anwendungen weniger invasiv zu gestalten oder auch personalisierte Gesundheit, die mit Telemedizin und Sensorik die Behandlung von Patienten verbessert.

Das bietet Vorteile für beide Seiten. Denn sobald das Gesundheitswesen den Patienten bei jeder Station seiner „Reise“, der sogenannten Patient Journey, begleitet und unterstützt, fühlt sich dieser gut betreut und ist gleichzeitig auch besser über sein eigenes Krankheitsbild unterrichtet. Somit kann er selbst ein Akteur auf seinem Genesungsweg werden und entlastet den Gesundheitssektor.

Leider gibt es immer noch viele Einrichtungen, die bei der Patientenzentrierung Optimierungsbedarf haben. Das liegt unter anderem daran, dass das deutsche Gesundheitswesen bei der Digitalisierung hinterherhinkt, welche viele Prozesse effizienter und transparenter gestalten kann.

Ich empfehle vier Maßnahmen, die Gesundheitseinrichtungen anstoßen können, um sich patientenzentrierter aufzustellen.

1. Innovationskraft der Krise nutzen

Das Gesundheitswesen kann aus Krisen lernen: Die Innovationsdynamik, die beispielsweise jetzt während Corona entsteht, ist eine Chance, um bei Themen, die wegen fehlendem Leidensdruck oder einem zu hohen bürokratischen Aufwand nicht angegangen wurden, nun einen großen Schritt weiter zu kommen.

So könnte die Digitalisierung durch die aktuelle Krise einen Schub erhalten. Digitale Prozesse können viel schneller entstehen als noch vor dem Ausbruch der Pandemie, denn wir alle erproben aktuell neue digitale Arbeitsformen und sehen, dass sie funktionieren. Und gerade jetzt ist die Vernetzung im gesamten Gesundheitssystem essenziell für eine schnelle und reibungslose Zusammenarbeit. Beispiele dafür sind die Entwicklung von Gesundheits-Apps für Bewegungsbilder oder ein zentrales Intensivregister.

2. Sich an anderen Vorreitern orientieren

Es gibt viele Pioniere am Markt, die zeigen, wie Patientenzentrierung schon heute gelebt wird: von Shared Decision Making – ein Ansatz, bei dem der Arzt und Patient gemeinsam über die Behandlung entscheiden – über patientenzentrierte Versorgungsinnovationen hin zu Drohnen, die die Versorgung am Menschen revolutionieren können. Das deutsche Gesundheitssystem kann von diesen Vorreitern lernen und jede Einrichtung kann die für sich geeignete Innovation adaptieren.

3. Bessere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Gesundheitsanbieter

Egal ob Krankenkasse, Krankenhaus oder Arzt: Alle Anbieter in der Gesundheitsbranche sollten enger zusammenarbeiten, um die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern. Der Patient sollte in seiner Patient Journey eine funktionierende, ineinandergreifende Kette durchlaufen. Diese Kette zieht sich von Vorsorge über niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser bis hin zu nachsorgenden Stellen.

4. Mehr Mitbestimmung für den Patienten

Es ist wichtig, dass der Patient mitbestimmt und -entscheidet, wie sein Patientenpfad verläuft – von der ersten Symptomsuche im Internet über Ursachenforschung bis zur konkreten Behandlungsmaßnahme zusammen mit dem Arzt. Patienten sollten sowohl an der Prävention, Diagnose als auch der Therapie mitwirken. Sie nehmen selbst die Rolle des Entscheiders über ihre Gesundheitsversorgung ein und alle Handlungen kommen somit der Gesundheit des Patienten zugute.

Weitere Informationen zu den Maßnahmen zur Patientenzentrierung finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Gesundheitsbarometers.

Thorsten Weber
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Gesundheitsbarometer 01/20

Wie Krankenhäuser und Krankenkassen den Patienten mit innovativen Serviceangeboten und technologiebasierten Lösungen in den Mittelpunkt stellen, lesen Sie im aktuellen Gesundheitsbarometer.

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