Der Patient 2.0 ist gut informiert

Ärzte sollten den mündigen Patienten unterstützen anstatt sein Wissen zu ignorieren

Keyfacts

  • Netzrecherche ersetzt nicht Wissen des Arztes
  • Ärzte sind zu wenig an einem mündigen Patienten interessiert
  • Patient 2.0 kennt seine Rechte
Prof. Dr. Volker Penter
  • Partner, Niederlassungsleiter
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Der Patient 2.0 googelt seine Krankheiten zunächst selbst. Viele Ärzte sind von diesem (Halb-) Wissen eher genervt. Ich aber finde es gut, wenn sich Patienten besser informieren. Vielleicht gibt es bald eine Art Facebook für das Gesundheitswesen. Eine neue Partnerschaft zwischen Arzt und Patient wird sich entwickeln.

Wir wissen alle, wie sehr die gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient zum Behandlungserfolg beiträgt. Wer seinem Arzt vertraut und mit ihm frei sprechen kann, hält dessen Anweisungen besser ein und wird schneller gesund.
Der Patient 2.0 tritt beim Arzt und im Krankenhaus deutlich mündiger auf, als schlecht oder gar nicht informierte Patienten. Schon jetzt ist bei Personen der Altersgruppe 18 bis 39 Jahre das Internet die zweithäufigste Informationsquelle.
Natürlich kann das Netz ein fundiertes Medizinstudium und die lange Praxis des Arztes nicht ersetzen. Die Frage ist aber nicht, ob der Patient 2.0 wirklich ausreichend und richtig informiert ist. Entscheidend ist vielmehr, wie der Arzt mit diesem Informationsstand umgeht.
Ich denke, anstatt das (Halb-)Wissen des Patienten zu ignorieren, sollte der Arzt ihn unterstützen sich im Dschungel der Onlineinformationen zurechtzufinden. Manches, was auf Medizinportalen geschrieben und kommentiert wird, ist schlichtweg irreführend.
In der Praxis geben jedoch viele Ärzte den Patienten zu verstehen, dass ihr Wissen es nicht wert sei, überhaupt berücksichtigt zu werden. Ganz schlecht.

Die ärztliche Ausbildung beschäftigt sich zu wenig mit Kommunikation.

Nur allmählich wird akzeptiert, dass Kommunikation ein wesentlicher Bestandteil der ärztlichen Qualifikation sein muss. Immerhin: Die Approbationsordnung erhebt die ärztliche Gesprächsführung erstmals 2012 zum Gegenstand der ärztlichen Ausbildung.
Kommunikation muss natürlich angemessen vergütet werden. Dies ist derzeit nicht der Fall: Im ambulanten Bereich erhält der Arzt nur wenig Geld für ein Patientengespräch – im stationären Bereich sogar überhaupt nichts.
Nach wie vor sind die Akteure des deutschen Gesundheitswesens zu wenig von sich aus an einem mündigen Patienten interessiert. Man reagiert, propagiert, aber kaum einer treibt den Prozess des mündigen Patienten konsequent voran. Für ältere Patienten sind Ärzte noch immer die Halbgötter in Weiß.

Was bringt die Zukunft?

Der Patient 2.0 kennt seine Rechte und setzt sie durch. Dafür sorgen allein schon die zahlreichen Fachanwälte für Medizinrecht. In Deutschland wurde erstmalig ein zusammenhängendes Patientenrecht geschaffen. Dieses hinkt zwar noch immer den allgemeinen Erwartungen hinterher. Aber ein Anfang ist gemacht.

Folgende Szenarien hin zum Patienten 2.0 sind für mich vorstellbar:
– Ein oder mehrere große flächendeckend agierende Krankenhausketten oder Krankenversicherungen erkennen den E-Patienten als einen Wettbewerbsvorteil. Sie informieren ihre Patienten besonders gut. Andere Patienten könnten dann auch so gut informiert sein wollen.
– Es entwickelt sich eine einheitliche Informationsplattform auf der Grundlage einer privaten Idee und Initiative – so eine Art Facebook für das Gesundheitswesen.
– Ausländische Investoren sehen die Chancen einer neuen Kommunikationskultur im deutschen Gesundheitswesen und bringen innovative Ideen nach Deutschland.
– Die Politik erkennt das Thema in seiner wahren Bedeutung und greift regulierend ein.

Der Patient 2.0 ist nur eine Frage der Zeit. Wer heute schon den Faktor Google erkennt, ist klar im Vorteil.

Prof. Dr. Volker Penter
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