Diagnose Krankenhaus: Unterbesetzt und unterfinanziert

Vier Maßnahmen, die die Krankenhaus-Geschäftsführungen in Süddeutschland umsetzen sollten

Keyfacts

  • Großteil der Krankenhäuser ist nicht auf Fachkräftemangel vorbereitet.
  • Es fehlt eine einheitliche Digitalisierungsstrategie.
  • Zusammenarbeit von Krankenhaus-Geschäftsführungen und Politik ist notwendig.
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Julia Kaub
  • Partnerin, Corporate Governance Services
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Demografischer Wandel, medizinisch-technologischer Fortschritt, regulatorische Änderungen: Die Anforderungen an die deutsche Gesundheitsbranche sind umfassend, komplex und erfordern ein kontinuierliches Lernen und die Anpassung der Behandlungsabläufe.

Doch der allgegenwärtige Engpass von Fachkräften stellt die Geschäftsführungen vor große Herausforderungen. Das zeigen die Ergebnisse unserer Krankenhausstudie in Süddeutschland. In Baden-Württemberg gaben drei von vier der Befragten an, dass der Klinikbetrieb in den nächsten fünf Jahren nur durch den Einsatz ausländischer Fachkräfte aufrechterhalten werden kann. In Bayern sind 82 Prozent der befragten Krankenhäuser nicht auf den Fachkräftemangel vorbereitet.

Immer mehr alte Menschen, immer weniger Nachwuchs

Und das vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, die impliziert, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, die es zu pflegen gilt und weniger Fachkräfte, die zur Leistung medizinisch-pflegerischer Tätigkeiten zur Verfügung stehen.

Aufgrund der aktuellen schwachen Wirtschaftslage und der negativen Prognosen für die nächsten Jahre, meine ich, dass die Krankenhäuser dringend eine Kehrtwende einschlagen sollten, um überlebensfähig zu bleiben. Folgende vier Maßnahmen kommen dabei in Betracht.

1) Fokussierung auf Kernthemen

Neben der Sicherstellung der Finanzierung von dringend benötigten Investitionen, werden insbesondere kleinere Krankenhäuser mit breitem Leistungsspektrum und ohne Spezialisierung auch in den kommenden Jahren mit deutlich schlechteren Markt- und Wachstumschancen konfrontiert. Aufgrund dessen ist es für diese Leistungserbringer essentiell, die Zentren- und Schwerpunktbildung zu forcieren und auch Konsolidierungen im Leistungsportfolio vorzunehmen. So wird sowohl die Versorgungsqualität für die Patienten erhöht als auch die wirtschaftliche Stabilität des Krankenhauses gestärkt.

2) Personal- und Fachkräftemangel zur Chefsache machen

 Auch der Personal- und Fachkräftemangel ist ein wichtiges und drängendes Thema. So zeigen die Studienergebnisse, dass viele Krankenhäuser nicht gegen den Fachkräftemangel in Medizin und Pflege gewappnet sind. Aufgrund dessen sollte die Krankenhaus-Geschäftsführung Personalthemen noch aktiver angehen und, sofern noch nicht erfolgt, als strategisch ansehen, da die Zukunftsfähigkeit eines Krankenhauses von leistungsfähigen Fachkräften getragen wird. Die Personalabteilung allein wird den Mangel nicht lösen.

Eine Option, Personal an sich zu binden und als attraktiver Arbeitgeber zu gelten, ist es, das Thema Personalrecruiting und -retention zu einem echten Projekt zu machen. Teile eines solchen Projektes sind sicherlich auch unternehmenskulturelle Themen wie z.B. regelmäßige Wertschätzung, flache Strukturen und eine aktive Einbindung von Mitarbeitern in die Entscheidungsfindung. Auf strategischer Ebene ist es sinnvoll abzuwägen, ob man hausindividuelle Rotationsprogramme für ausländische Arbeitnehmer einführt.

3) Zusammenarbeit von Krankenhaus-Geschäftsführung und Politik

Die Gesundheitswirtschaft ist durch ihre stark ausgeprägten regulatorischen Rahmenbedingungen gekennzeichnet. Um eine stetige Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen, sollten alle Akteure des Marktes – von Krankenhaus über Krankenkasse bis hin zur Politik – weiter in den Austausch gehen und gemeinsam gangbare und für alle Seiten klare und tragfähige Lösungen entwickeln. So können Rahmenbedingungen geschaffen werden, denen alle Akteure, auch die Patienten, beipflichten und die leistbar sind.

4) Nicht nur in neue Medizintechnik, sondern auch in digitale Arbeitsabläufe investieren

Unsere Umfrage hat gezeigt, dass der Markt in Hinblick auf den Einsatz von neuen Technologien noch zurückhaltend ist und weiterhin große Unsicherheit hinsichtlich der Umsetzung der Digitalisierung in der Praxis besteht. Hier gilt es, gegenzusteuern und den digitalen Wandel im Klinikalltag für alle erlebbar zu machen.

Insbesondere durch die technologische Unterstützung kann dem medizinisch-pflegerischen Personal mehr Zeit für Patienten eingeräumt werden. Schon heute wird dies ermöglicht, indem Dienst- und Schichtpläne digital erstellt werden, eine elektronische Patientenakte eingeführt wurde und Geräte digital lokalisiert werden.

Weitere Ergebnisse unserer Befragung finden Sie in der Krankenhausstudie.

Julia Kaub
  • Partnerin, Corporate Governance Services
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