Die Industrie 4.0 ist ohne Vorbild

Die digitale Revolution erfasst alle Unternehmensbereiche und stellt sie auf den Prüfstand

Keyfacts

  • Kunden erwarten individuelle Produkte zu bezahlbaren Preisen
  • Für die Industrie 4.0 müssen sich die Unternehmen digitalisieren
  • Die Veränderungen müssen gemeinsam den Beschäftigten vollzogen werden
Klardenker- Redaktion
  • KPMG
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Industrie 4.0 ist in aller Munde. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ist es sogar Leitthema. Aber: Keiner kann so richtig sagen, was sie denn nun eigentlich ist, diese Industrie 4.0. Oder doch?

Im Grunde ist es ganz einfach: Wir haben auf der einen Seite den Kunden, der Produkte haben möchte und das möglichst billig. Und auf der anderen Seite haben wir die Unternehmen, die die Produkte herstellen und das möglichst kostenoptimal, um damit natürlich noch etwas zu verdienen.

Gerade aber der Produktionsprozess hat sich über die Jahrhunderte stark gewandelt. Dazu ein kleiner Exkurs:

In der ersten und zweiten Industriellen Revolution ging es für die Unternehmen darum, Produkte von der teuren manuellen Einzelfertigung in die kostengünstigere automatisierte Serienproduktion zu überführen. Durch die dritte Industrielle Revolution, der Automatisierung, wurde diese Fertigung noch weiter verbessert und dabei auch noch die Stückzahlen erhöht, so dass man mehr Kunden in mehr Ländern seine Produkte verkaufen konnte. Da stehen wir heute.

Nun hat sich aber der Kunde in der Zwischenzeit überlegt, nicht mehr nur günstige Produkte haben zu wollen, sondern er möchte Produkte haben, die nicht alle haben, sondern nur er.

Der Kunde möchte nämlich jetzt Individualist sein, sich differenzieren, ein Statement setzen!

Das finden die Unternehmen zunächst einmal sehr gut. Das Problem ist nur, die Kunden wollen nicht unbedingt mehr dafür bezahlen, weil nämlich alle Unternehmen nun daran arbeiten kundenindividuelle Produkte zu den alten, niedrigen Kosten herzustellen. Davon ausgenommen sind natürlich sinnvolle oder sinnlose Luxusprodukte, wo „mundgeschliffene Echtholzintarsien“ oder „mit dem kleinen Finger gehäkelte Sitzbezüge“ individuell auf den Kundenwunsch hergestellt werden.

Was bedeutet das also konkret für das Unternehmen, worauf muss es sich einstellen?

1. Steigende Variantenvielfalt:

Es müssen möglichst viele Differenzierungsvarianten hergestellt werden.

2. Losgröße 1:

Kein Produkt ist wie das andere.

3. Kurzer Produktlebenszyklus:

Die Produkte werden nicht mehr für die Ewigkeit gebaut – der Kunde möchte nach kurzer Zeit schon wieder ein neues Produkt haben.

Die Lösung dafür gibt es bereits – allerdings sind die einzelnen Elemente noch separat

Mittlerweile hat es im Umfeld der Unternehmen viele Entwicklungen gegeben: Das Internet, Sensoren, Software, Big Data, Automatisierung, 3D-Drucker, etc. Um die neue Nachfragekultur zu bedienen, sind damit im Grunde die wichtigsten Voraussetzungen bereits vorhanden.

Nun heißt es, die Elemente zu verknüpfen, um ein großes Neues zu schaffen

Es ist an der Zeit, die Unternehmen umfassend zu digitalisieren, die Werkzeuge sinnvoll miteinander zu „vernetzen“, Schnittstellen abzubauen, Prozesse neuzugestalten und die Mitarbeiter mitzunehmen, um die Veränderungen mitzugestalten. Das bedeutet auch, die Supply Chain und Geschäftsmodelle zu überdenken. Zudem werden rechtliche und steuerliche Bereiche berührt. Besonders bedacht werden muss die IT-Sicherheit.

Für Industrie 4.0 gibt es keine Blaupause

Sie kann nur unternehmensspezifisch umgesetzt werden, individuell und auf die strategischen Bedürfnisse zugeschnitten. Tiefgreifende Änderungen, wie sie die Industrie 4.0 erfordern, sind immer unangenehm. Deswegen ist das Thema scheinbar nervig, aber eben doch unumgänglich. Denn kaum ein Industrieunternehmen wird sich der Umstellung entziehen können und trotzdem langfristig Erfolg haben.

Sehen Sie hier im Video, was Industrie 4.0 bedeutet.

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