Die neue Geschwindigkeit nach Covid-19

Warum die Pandemie globale Trends enorm beschleunigt und was das für Unternehmen bedeutet

Keyfacts

  • Die Coronakrise hat zu einer außerordentlichen Beschleunigung weltweiter Entwicklungen geführt.
  • Diese Schnelligkeit hat für Unternehmen viele Implikationen, zum Beispiel sollte das Risikomanagement darauf eingestellt werden.
  • Top-Entscheider können Lehren aus der Pandemiebewältigung ziehen, etwa bei der Entwicklung neuer Produkte.
Jens C. Laue
  • Partner, Head of Environmental, Social & Governance Services
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Klimaschutz, Digitalisierung, Ungleichheit und der US-chinesische Wirtschaftskonflikt: Viele Themen des ersten World Economic Forum in der neuen Normalität ähnelten auffallend denen der vorigen Jahre.

Das deutet darauf hin, dass das Coronavirus die Megatrends nicht grundlegend verändert hat. Die Pandemie hat einige globale Entwicklungen vielmehr um ein Zigfaches beschleunigt.

Darin bietet das Virus eine Vorausschau auf die größte Herausforderung unserer Zeit: die globale Erwärmung, die in noch viel größerem Maße als Katalysator wirken wird. Man könnte sogar sagen: Covid-19 ist der Klimawandel im Brennglas.

Unternehmen sollten sich nun an die neue Geschwindigkeit der Entfaltung von Trends anpassen, denn eine Verlangsamung ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

Von Forschung bis Ungleichheit: Die Beschleunigungseffekte der Pandemie

Eines der Felder, in denen der Beschleunigungseffekt von Covid-19 am deutlichsten wurde, ist die Digitalisierung. In Wirtschaft und Gesellschaft hat die digitale Transformation seit dem Beginn der Pandemie den Turbo eingelegt.

Das bringt große Vorteile mit sich, etwa die flächendeckende Verbreitung von Homeworking und einen Vorwärtsschub für die Industrie 4.0. Gleichzeitig birgt dieser Trend das Risiko, dass sich in vielen Ländern die „digitale Kluft“ vergrößern und ein Bevölkerungsteil Schwierigkeiten haben könnte, bei der Nutzung der neuen Technologien mitzuhalten.

Überhaupt hat das Coronavirus die weltweite Ungleichheit verschärft: Nach UN-Berichten waren im Herbst 2020 angesichts der Pandemie 100 Millionen Menschen von extremer Armut bedroht. Darüber hinaus kam es überall zu Arbeitsplatzverlusten.

Die Coronakrise hat auch in dem wirtschaftlichen Konflikt von China und den USA für eine neue Dynamik gesorgt. Die Entkopplung der beiden Volkswirtschaften ist in eine neue Phase eingetreten. Es ist zu beobachten, dass die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik nun auch auf den Feldern der Impfstoff-Verteilung und der Entwicklung nachhaltiger Technologien miteinander konkurrieren.

Große Fortschritte dürfte als Teil der Pandemiebewältigung der Klimaschutz machen. So plant etwa die EU einen grünen Wiederaufbau Europas und auch die US-Regierung hat ein solches Vorhaben erkennen lassen. Diese ambitionierten Projekte zeigen gleichzeitig die Notwendigkeit zur Harmonisierung internationaler Standards auf. Denn weltweit gibt es allein im Hinblick auf das Reporting des Themenfeldes Environmental Social Governance (ESG) eine Vielzahl verschiedener Bewertungsmaßstäbe.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Geschwindigkeit der neuen Normalität ist die Impfstoff-Entwicklung. Das Tempo, mit dem Vakzine gefunden und hergestellt wurden, ist historisch einmalig. Es bleibt zu hoffen, dass die Forschung in Zukunft auch in anderen essenziellen Feldern – etwa Ernährung oder weit verbreitete Krankheiten – so schnell arbeiten kann. Dafür dürfte es aber nötig sein, dass Wissenschaftler weltweit in einen noch engeren Informationsaustausch treten.

Konsequenzen für Unternehmen

Für Unternehmen hat die neue Schnelligkeit eine Vielzahl an Konsequenzen. Zunächst ist es wichtig, das eigene Risikomanagement darauf einzustellen. Denn Trends, die früher eine Vorlaufzeit von fünf Jahren hatten, werden heute vielleicht schon in einem Jahr akut.

Das überträgt sich auch auf die Entwicklung neuer Produkte. „Die Geschwindigkeit, mit der wir in die neue Normalität katapultiert wurden, bedeutet, dass Unternehmen sehr viel schneller Innovationen und neue Geschäftsmodelle entwickeln sollten“, sagt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand bei KPMG in Deutschland. „Denn mit der Beschleunigung der Digitalisierung und den neuen Anforderungen an den Klimaschutz werden Disruptionen der Geschäftsmodelle erfolgen.“

Es ist beispielweise vorstellbar, dass Unternehmen den Umstieg auf grüne Technologien schon in drei bis fünf Jahren und nicht erst in zehn Jahren zu bewerkstelligen haben, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Dabei können Top-Entscheider Lehren aus der Pandemiebewältigung ziehen. Die Impfstoffentwicklung ließe sich als Inspiration dafür betrachten, wie Hersteller sich zusammentun könnten, um neue Lösungen für gemeinsame Herausforderungen zu entwickeln. Und von dem Krisenmanagement einzelner Staaten könnte man etwa lernen, wie sich äußerst komplexe logistische Prozesse praktisch umsetzen lassen.

In Anbetracht der weltweit wachsenden Ungleichheit sollten Unternehmen sich zudem darauf vorbereiten, dass Staaten eine stärkere Besteuerung von Umsätzen einführen könnten. Als Reaktion wäre es wichtig, mit der Politik in Dialog zu treten und beispielsweise eine progressive Besteuerung vorzuschlagen, die sich nach Gewinnmargen in einzelnen Branchen richtet.

Fazit

„Die Coronakrise hat bei vielen globalen Herausforderungen zu einer enormen Beschleunigung geführt – vom technologischen Wandel bis hin zur Bedeutung grüner Technologien und Geschäftsmodelle“, sagt Mattias Schmelzer, CMO und Mitglied des Vorstands bei KPMG in Deutschland.

Unternehmen sollten sich an diese neue Geschwindigkeit anpassen, um sich vor Disruption zu schützen und die entstehenden Chancen nutzen zu können.

Jens C. Laue
  • Partner, Head of Environmental, Social & Governance Services
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