Die Sache mit der Korruption in Afrika

Warum ein hohes Maß an wahrgenommener Korruption kein Investitionshindernis sein muss

Keyfacts

  • Die Länder mit der weltweit höchsten wahrgenommenen Korruption sind überwiegend in Afrika
  • Deutsche Unternehmer scheuen vor Investitionen zurück
  • Korruptionsbekämpfung beginnt in der eigenen Organisation
Dr. Matthias Heckel
  • Senior Manager, Audit, Forensic, Leiter Country Practice Afrika
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Ein „Marshall-Plan mit Afrika“, Bekämpfung von Fluchtursachen und Themenschwerpunkt der deutschen G20-Präsidentschaft: Afrika ist in den Fokus der deutschen Regierung gerückt. Doch nicht in den der deutschen Wirtschaft. Nur zehn Prozent der großen international tätigen deutschen Unternehmen planen in den nächsten fünf Jahren in Afrika zu investieren, wie der KPMG Investment Report feststellt.

Im Gespräch mit grundsätzlich interessierten Investoren wird regelmäßig „das Korruptionsproblem“ als wesentlicher Grund für die Scheu vor dem sogenannten Chancenkontinent genannt. Denn es ist das ewig betrübliche Bild: Auch in diesem Jahr erscheint Afrika auf der Karte von Transparency International tiefrot. Dabei gilt, je dunkler das Rot auf der Weltkarte, desto höher die empfundene Korruption (CPI). Auf einer Skala von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption) erreichen elf afrikanische Länder nur 20 Punkte oder noch weniger. Damit gehören sie weltweit zur Schlussgruppe. Doch es lohnt ein genauerer Blick auf Korruption.

Korruption verstehen

Zwar vermittelt der CPI, dass das Korruptionsproblem in den Staaten Subsahara-Afrikas vergleichsweise hoch ist. Welche Faktoren aber im Einzelnen zu dieser Einschätzung geführt haben, ist nicht ersichtlich. Die Palette möglicher Gründe ist lang und reicht von korruptionsanfälligen Strukturen im staatlichen Verwaltungsapparat über Vetternwirtschaft bei der Besetzung politischer Positionen bis hin zur mangelnden Verfolgung wirtschaftskrimineller Handlungen.

Zu berücksichtigen ist auch, dass Korruption nicht im luftleeren Raum, sondern regelmäßig zwischen Akteuren stattfindet, die Teil einer privaten oder öffentlichen Organisation sind. Macht kann eben nur zum eigenen Vorteil missbrauchen – wie Transparency International Korruption definiert – wer durch die Einbettung in eine entsprechende Organisationsstruktur mit Macht ausgestattet ist.

Warum sind diese Erkenntnisse wichtig?

Korruption ist beherrschbar

Erstens, weil ein niedriger CPI nicht zwangsläufig ein hohes Korruptionsrisiko für jede Organisation impliziert, die auf dem afrikanischen Kontinent tätig ist oder tätig werden will. Vielmehr bestimmen die Art und die Region der Geschäftstätigkeit, welche operationellen Risiken für die jeweilige Organisation bestehen.

Zweitens, weil Organisationen Korruption nicht blind ausgeliefert sind, sondern diese Risikoposition im Rahmen sogenannter Fraud-Risk-Assessments klar benennen und üblicherweise auch adressieren können. Jede Organisation hält somit selbst den Schlüssel zum Kampf gegen Korruption in den Händen.

Tatsächlich sind in der Praxis Strafverfolgungsbehörden regelmäßig nicht bei der Aufdeckung, Aufklärung und Verhinderung wirtschaftskrimineller Handlungen involviert, sondern die betroffenen Organisationen lösen diese Art von Problemstellungen selbst oder mit Unterstützung von entsprechend spezialisierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Dies gilt für Deutschland gleichermaßen wie für viele afrikanische Länder.

So besteht für die meisten wirtschaftskriminellen Handlungen keine Anzeigepflicht, das heißt die betroffenen Organisationen können abwägen, ob das Stellen einer Strafanzeige tatsächlich in ihrem Interesse ist. Und bei dieser Entscheidung wiegen regelmäßig antizipierte Reputationsrisiken, die mit der „Polizei im Haus“ einhergehen können, schwer.

Doch wie kann sich eine Organisation gegen Korruption schützen?

Auf das Entdeckungsrisiko kommt es an

Korruption wird immer dann effektiv bekämpft, wenn allen Organisationsmitgliedern glaubhaft vermittelt werden kann, dass korrupte Handlungen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit aufgedeckt und sanktioniert werden. Dieses Ziel wird insbesondere durch zwei Maßnahmen gestützt:

  • Erstens durch die Schaffung von Transparenz bei korruptionsanfälligen Prozessen; beispielsweise durch den Einsatz von Enterprise-Resource-Planning-Systemen (ERP-Systeme), die alle zahlungswirksamen Transaktionen unveränderlich dokumentieren.
  • Zweitens durch die Etablierung eines angemessen Kontrollumfeldes innerhalb der Organisation – und zwar nicht nur „auf dem Papier“. So kommen Kontrollinstanzen wie der Internen Revision eine besondere Rolle bei der Verhinderung von Korruption zu, da sie angekündigte und unangekündigte Prüfungen durchführen und somit deutlich zur Erhöhung des subjektiv wahrgenommenen Entdeckungsrisikos beitragen.

Chancen nicht übersehen

Es gibt also keinen rationalen Grund, Investitionen in afrikanische Länder vom erreichten Korruptionsindex abhängig zu machen oder Investitionen so lange zurückzuhalten, bis deutlich bessere CPI-Werte erreicht werden.

Ganz im Gegenteil: Zahlreiche Regionen Afrikas sind seit Jahrzehnten politisch stabil und bieten ungeachtet der wahrgenommenen Korruption beeindruckende Wachstumsdynamiken, die viel zu häufig ungenutzt bleiben. Dies gilt im besonderen Maße für viele deutsche Unternehmen, die gemessen an den Direktinvestitionen nach Afrika deutlich hinter ausländischen Investoren zurückfallen.

Vielleicht liegt es an der vielzitierten „German Angst“. Unbegründet wäre sie in jedem Fall, vor allem wenn es um die Sache mit der Korruption in Afrika geht – denn dieses Problem ist lösbar.

Dr. Matthias Heckel
  • Senior Manager, Audit, Forensic, Leiter Country Practice Afrika
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