Die Wahrung von Menschenrechten in der Unternehmenskultur verankern

Immer mehr Unternehmen sind sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst.

Keyfacts

  • Auch von Wirtschaftsunternehmen wird zunehmend erwartet, dass sie eine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
  • Die Umsetzung der „Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ der Vereinten Nationen wird durch Monitoringmaßnahmen überwacht.
  • Das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) verpflichtet Unternehmen dazu, den Umgang mit Menschenrechten und Nachhaltigkeit in ihrer nicht-finanziellen Berichterstattung abzubilden.
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Dr. Steffi Gentner
  • Manager, Governance & Assurance Services
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In Zeiten vieler internationaler Konflikte und weniger politischer Lösungen stellt sich mehr denn je die Frage nach der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung auch von wirtschaftlich Handelnden.
Und die „Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ der Vereinten Nationen beschreiben ausdrücklich die Erwartung der Gesellschaft, dass sich Unternehmen dieser Verantwortung stellen. Tragödien wie der Einsturz des achtstöckigen Rana Plaza-Gebäudes in Bangladesch 2013, bei dem 1135 TextilarbeiterInnen ums Leben kamen, haben das Bewusstsein der Öffentlichkeit weiter geschärft. Außerdem geben soziale Medien mehr Menschen als je zuvor eine Stimme, und diese vielen Stimmen werden gehört.
Immer mehr Unternehmen sind sich dieser Verantwortung bewusst. Und das gilt nicht nur bezüglich der Beachtung von Menschenrechten, sondern auch was den Umgang mit anderen gesellschaftlichen Herausforderungen angeht.

Menschenrechte achten, Verstöße erkennen

Die Themen Menschenrechte und soziale Verantwortung in Unternehmen zu integrieren und zu etablieren ist eine komplexe Aufgabe mit vielfältigen Herausforderungen. Bewältigen lassen diese sich am besten durch eine aus den Instrumenten von Governance, Risko- und Compliance-Management gespeiste „Human Rights Due Diligence“, also eine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht, die als Frühwarnsystem dient. Das funktioniert am besten, wenn sich Unternehmen als Netzwerke von Verträgen mit den unterschiedlichen Stakeholdern begreifen, weil dieses Verständnis auch komplexe, auf den ersten Blick nicht erkennbare Compliance-Risiken sichtbar und damit beherrschbar macht.

Der eigene Ruf – heute wichtiger denn je – lässt sich durch Legal Compliance allein nicht mehr absichern – Unternehmen müssen sich zusätzlich an internationalen Regelwerken wie den „Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ der Vereinten Nationen orientieren. Dabei geht es im Kern darum, dass Elemente menschen­rechtlicher Sorgfaltspflicht in Unternehmenspro­zesse integriert werden. Diese Verantwortung von Unternehmen bezieht sich nicht nur auf die menschenrechtlichen Auswirkungen ihrer eigenen Aktivitäten, sondern auch auf Auswirkungen, die direkt mit Operationen, Gütern und Dienstleistungen in ihren Geschäftsbeziehungen entlang der Wertschöpfungskette verbunden sind, auch wenn die Unternehmen selbst zu diesen Auswirkungen nicht beigetragen haben.

Risiken verstehen

Seit Ende 2016 sind diese Prinzipien Teil des Nationalen Aktionsplans für Wirtschaft und Menschenrechte. Dessen Umsetzung wird bis 2020 durch ein umfangreiches Monitoring überwacht. Die Politik behält sich gesetzliche Maßnahmen vor, falls die bis dahin erreichten Fortschritte nicht ausreichen. Darüber hinaus verpflichtet das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) Unternehmen dazu, den Umgang mit Menschenrechten und Nachhaltigkeit in ihrer nicht-finanziellen Berichterstattung abzubilden.
Ähnliches fordert auch das Rahmenwerk des „Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission“ (COSO): Organisationen müssten Mittel und Wege finden, um nicht nur jene Risiken zu verstehen, die unmittelbar aus der eigenen Geschäftstätigkeit resultieren können, sondern auch solche, die in ihrem mittelbaren Einflussbereich innerhalb oder außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette liegen.

Natürlich kann nicht eine Organisation allein ökologische, soziale und menschrechtliche Probleme lösen, dazu sind sie zu groß und zu systemisch verankert. Um wirkliche Veränderungen herbeizuführen, braucht es die konstruktive Zusammenarbeit aller relevanten Stakeholder wie Regierungen, NGOs, Investoren – und eben Unternehmen.

Lesen Sie mehr zum Thema „Human Rights Due Diligence“ in dem Artikel „Nachhaltig überzeugen“ von Dr. Steffi Gentner und Carmen Auer im CGO-Magazin – dem Governance-Magazin von KPMG. In der aktuellen Ausgabe dreht sich alles um Nachhaltigkeit.

Dr. Steffi Gentner
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CGO – das Governance-Magazin. Nachhaltig überzeugen.

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