Innovation

Blockchain und Versicherungen – was bleibt nach dem Hype?

Wie Versicherungen die Möglichkeiten der Blockchain nutzen können

Der Wirbel um die geplatzte Bitcoin-Spekulationsblase vor zwei Jahren katapultierte die Blockchain-Technologie endgültig in das öffentliche Bewusstsein. Trotz wiederkehrender Kursschwankungen ist die bekannteste Kryptowährung nicht totzukriegen. Nur ein Beispiel dafür, dass sich Blockchain-Anwendungen etabliert haben? Das Potenzial zur nachhaltigen Veränderung der Gesellschaft scheint groß – Lösungen zur Bekämpfung von Wahlbetrug, zum Betrieb von Kühlschränken oder zur Sendungsverfolgung von Büffelmozzarella sind nur einige Einsatzmöglichkeiten der Technologie. Auch in der Versicherungswirtschaft war die Begeisterung beträchtlich – vom „Ende der Versicherung, wie wir sie kennen“ war bisweilen die Rede. Ein Blockchain-Einsatz im Versicherungskontext liegt nahe: Smart Contracts lösen automatisch und nachvollziehbar Schadenzahlungen aus, wenn vorher vereinbarte Kriterien erfüllt sind. Zentrale Schadenfallregister machen Versicherungsbetrügern das Leben schwer. Die Umsetzung bleibt jedoch hinter den ambitionierten Gedankenspielen zurück. Zwar wurden schon Use Cases zur Marktreife gebracht, etwa Flugausfallversicherungen oder Apps zum Eigentums- und Existenznachweis. Der große Wurf blieb aber aus, trotz nicht unbedeutender Investitionen.

Entscheider stehen bei Blockchain-Vorhaben häufig vor den folgenden Fragestellungen:

Ist eine Blockchain das Mittel der Wahl für mein Vorhaben?

Viele Use Cases lassen sich auf einer Blockchain umsetzen, wären auf bestehenden Datenbanken aber besser aufgehoben. Zu bedenken sind unter anderem folgende Aspekte:

  • Skalierbarkeit: Öffentliche Blockchains verarbeiten aktuell nur wenige Transaktionen pro Sekunde (beispielsweise sieben bei Bitcoin), Systeme großer Zahlungsdienstleister hingegen mehrere Tausend, was diese deutlich besser für kommerzielle Applikationen eignet. Diese Geschwindigkeit ließe sich prinzipiell erhöhen, jedoch nur zu Lasten von Sicherheit und Dezentralisierung, den wesentlichen Vorteilen einer Blockchain.
  • Dezentralisierung: Eine Blockchain entfaltet dann Wirkung, wenn Akteure, die sich nicht kennen und vertrauen, auf einer Datenbank zusammenarbeiten wollen. Sobald die Koordination der Aktivitäten durch eine zentrale Stelle möglich ist, sind andere Lösungen besser geeignet.
  • Disintermediation: Jeder Teilnehmer hält eine Kopie der Datenbank und ihrer Historie vor. Verbunden mit der inhärenten Fälschungssicherheit einer Blockchain macht dies Intermediäre, die zum Beispiel die Korrektheit von Transaktionen garantieren, überflüssig, weshalb sie kein Teil von Use Cases sein sollten.
  • Interoperabilität: Austausch und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Blockchains ist derzeit – wenn überhaupt – nur eingeschränkt möglich. Dies kann eine Kollaboration, etwa zwischen Versicherern im Schadenfall, erheblich erschweren.

Ist mein Blockchain-Vorhaben überhaupt umsetzbar?

Die Nachfrage nach qualifizierten Entwicklern ist stark gestiegen, was dazu führt, dass im Markt mittlerweile hohe Gehälter gezahlt werden – sofern ein Experte oder eine Expertin gewonnen werden konnte. Versicherer sehen sich oft gezwungen, Expertise von außen einzuholen, um überhaupt Erfahrungen mit Blockchain sammeln zu können.

Die bisherige Erfahrung im Versicherungsumfeld zeigt, dass ein Blockchain-Einsatz für Prozesse und Produkte bislang nicht zwingend eine Verbesserung darstellt oder zu Effizienzgewinnen führt. Dennoch existieren Anwendungen im Versicherungsbereich, in denen die Technologie ihre Vorteile ausspielen kann.

Peer-to-Peer-Versicherungen als vollautomatisiertes und kostengünstiges Geschäftsmodell. Personen mit gleichem Versicherungsbedarf schließen sich zusammen und zahlen Prämien, welche anfallende Leistungen finanzieren. Diese kann jeder Versicherungsnehmer im Schadenfall in Anspruch nehmen, indem er einen Schadennachweis hochlädt. Entsprechende Zahlungen werden per Smart Contract getätigt. Reichen die eingezahlten Prämien nicht aus, zahlt der Versicherer, der als Rückversicherer hinter dem Produkt steht. Es fallen lediglich geringe Gebühren für Rückversicherung und Blockchain-Nutzung an.

Teilnahme an Blockchain-Ökosystemen. Sowohl im Privat- als auch im Geschäftsumfeld erfolgt verstärkt eine holistische Betrachtung von Dienstleistern, die im Zusammenhang mit der Erfüllung eines Bedürfnisses wie Erholung oder Mobilität stehen. Blockchains sind prädestiniert dafür, zentraler Vertrauensanker zu sein, der Zusammenarbeit und damit das Ökosystem erst ermöglicht. Für Versicherer entstehen lukrative Möglichkeiten, die entstehenden Risiken abzusichern. In einem kürzlich umgesetzten Use Case konnte die Attraktivität eines bestehenden Logistik-Ökosystems auf Blockchain-Basis durch die Integration einer Transportversicherung deutlich gesteigert werden. Erst die gesicherte finanzielle Absicherung von Risiken, u. a. unterstützt von Smart Contracts und IoT/Sensorik, komplettierte das Gesamtangebot.

Blockchain bietet interessante Geschäftspotenziale im Versicherungsumfeld, eine kritische Betrachtung der Anwendungsfelder ist jedoch geboten. Versicherer sollten den Aufbau von Know-how im Umgang mit der Technologie mit passenden Use Cases kombinieren.

Weiterlesen

Innovation

Thema vertiefen

Innovation

Mit unseren Lösungen startet Ihr Unternehmen durch.

Warum sollten Unternehmen das Thema Innovation aktiv steuern? Reicht es nicht, sich wie bisher einfach organisch weiterzuentwickeln oder gar dem Zufall zu überlassen? In Zeiten der digitalen Transformation ganz klar: nein.

Denn der Sog neuer Technologien, Trends und Bedürfnissen ist so stark, dass sich ihm keine Branche entziehen kann. Was heute noch Erfolg verspricht, ist morgen schon Geschichte. Um ihren Erfolg zu sichern, müssen sich Unternehmen deshalb in immer kürzeren Zeiträumen kontinuierlich neu erfinden – dies kann man nicht dem Zufall überlassen.

Thema vertiefen

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist.

Schließen