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Finanzdienstleister in der IT-Falle

Veraltete IT-Strukturen behindern Innovationskultur bei Banken und Versicherungen.

Die Banken und Versicherungen befinden sich in einer schwierigen Situation: Neue, innovative Wettbewerber und veränderte Kundenerwartungen zwingen sie, ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Doch häufig erweist sich die veraltete IT-Struktur dabei als großes Hemmnis. Eine Lösung für dieses Problem sieht Peter Heidkamp, Head of Technology bei KPMG, in der IT der zwei Geschwindigkeiten.

Die Digitalisierung der Wirtschaft mit neuen disruptiven Wettbewerbern wie Fintechs und veränderte Kundenanforderungen lassen viele Finanzdienstleister gerade an der Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells zweifeln. Ergänzend dazu müssen noch zunehmend regulatorische Anforderungen erfüllt werden, und auch die Niedrigzinsphase will gemeistert werden. Das sind große Aufgaben für die Branche.

Wenn Unternehmen in dieser Situation wettbewerbsfähig bleiben wollen, sind Schnelligkeit und Flexibilität von entscheidender Bedeutung. Denn bei der Digitalisierung handelt es sich nicht um ein einmaliges Ereignis. Vielmehr stellt die Digitalisierung einen anhaltenden Prozess dar, welcher zukünftig noch an Fahrt aufnehmen wird. Daher müssen Finanzdienstleister perspektivisch denken.

IT-Struktur muss Innovationskultur ermöglichen.

Aktuell macht zwar die Branche die ersten Schritte in die richtige Richtung: Die ersten digitalen Einheiten sind aufgesetzt und die ersten Kontakte zu innovativen Start-ups stehen. Das sind schon tolle Entwicklungen. Aber: Die hausinterne IT-Struktur hinkt massiv hinterher. Im schlechtesten Fall behindert sie sogar Innovationen. Gerade bei Versicherungsunternehmen und Banken werden Investitionen in die IT hinausgezögert – veraltete Systeme aus den 70er Jahren sind oftmals keine Seltenheit. Das bedeutet einen hohen Wartungsaufwand, auch kleinere Neuentwicklungen dauern Monate bis Jahre.

In einer digitalisierten Wirtschaft ist aber die Grundvoraussetzung für die Wandlungsfähigkeit eines Unternehmens gerade eine Innovationskultur, welche Veränderungen nicht nur zulässt, sondern diese aktiv provoziert und einfordert. Diese Kultur muss durch eine moderne und schnell anpassbare IT ermöglicht werden. Andernfalls werden selbst innovativste Ideen durch eine träge und langwierige Umsetzung ausgebremst und der erhoffte Effekt verpufft.

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Frontend und Backend entkoppeln

Die IT-Struktur muss auf die notwendigen Standards angepasst werden, die die Etablierung einer innovationsförderlichen Unternehmenskultur unterstützen und befördern. Dafür ist aber keine komplette Ablösung der bestehenden IT-Systeme vonnöten. Das ist für Versicherer und Banken nicht leistbar und aufgrund des damit verbundenen Kosten- und Zeitaufwandes auch definitiv nicht sinnvoll. Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit: Der Einsatz einer Integrationsschicht, welche die Entkoppelung von Frontend und Backend ermöglicht. Durch diesen Ansatz können Fachfunktionen und Bestandsdaten weiterhin klassisch in den existierenden Systemen verwaltet werden. Auf Seiten des Frontends kann durch die Entkopplung und den Einsatz moderner IT und agiler Methoden die Entwicklung wesentlich aktiver gestaltet werden.

Im zweiten Schritt gilt es dann, nachhaltige Anpassungen auf organisatorischer Ebene durchzusetzen. Hier bietet sich beispielsweise die Errichtung einer Einheit an, welche von den existierenden IT Einheiten losgelöst digitale Themen verfolgt, in das Unternehmen trägt und schließlich für deren Umsetzung sorgt. Durch die Nutzung agiler Entwicklungsmethoden à la Scrum, können in der Folge auf Seiten des Frontends Minimum Viable Products entworfen und schnell am Kunden erprobt werden. Auf mögliche Anpassungen kann dabei flexibel reagiert werden, sodass die Bedürfnisse des Kunden optimal adressiert werden.

Das Beste aus zwei Welten kombinieren

Dieser Ansatz führt im Ergebnis zu einer IT der zwei Geschwindigkeiten mit jeweils verschiedenen Entwicklungsparadigmen. Fachfunktionen und Bestandsdaten können weiterhin nach den bekannten Verfahren betrieben werden, um deren Stabilitäts- und Kontinuitätsansprüchen gerecht zu werden. Die Schnittstellen zum Kunden werden mittels agiler Methoden schnell und flexibel entwickelt, sodass sich ein schneller Time-to-Market realisieren lässt. Den spezifischen Anforderungen der einzelnen Komponenten (Geschwindigkeit für das Frontend vs. Zuverlässigkeit für das Backend) kann somit optimal entsprochen werden, ohne das bestehende Systeme ersetzt werden müssen. Letztlich wird das Beste aus beiden Welten kombiniert.

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Die fortschreitende Digitalisierung führt zu einem fundamentalen Wandel in der Finanzbranche und stellt ganze Geschäftsmodelle infrage. Und auch das Kundenverhalten hat sich deutlich verändert. Die Art, wie Leistungen von Banken und Versicherungen wahrgenommen und bewertet werden, befindet sich im Umbruch. Finanzdienstleister müssen hierauf eine Antwort finden. Dabei werden sich Unternehmen auf der Produktseite noch stärker an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten müssen. Zentral hierfür ist eine optimierte IT. Denn nur durch ein effektives Zusammenspiel kann Innovation gelingen und Wettbewerbsvorteile generiert werden. So müssen die CIOs in Banken und Versicherungen nicht nur den steigenden Kundenanforderungen im Rahmen der Digitalisierung gerecht werden, sondern diese auch konform mit den regulatorischen Bestimmungen ausführen.

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