Digital Transformation

FinTechs: Stabil auf hohem Niveau

Warum jetzt auch Unternehmen mit großen Summen bei FinTechs einsteigen

Als sich der Fußballbundesligist Hertha BSC vor ein paar Monaten eine Million Euro leihen wollte, hätten die Verantwortlichen natürlich zu einer Bank gehen können. Eine Million Euro in Niedrigzinszeiten – es wäre wohl kein Problem gewesen. Stattdessen aber gab der Verein Anleihen aus: 4,5 Prozent jährliche Verzinsung, Laufzeit drei Jahre. Ein attraktives Angebot, nicht nur für Fans. Platziert wurde die Anleihe über die Online-Plattform eines FinTech, das sich mit der Kreditvergabe beschäftigt. In sechzig Tagen wollten die Vereinsverantwortlichen die Million eingesammelt haben. Am Ende brauchten sie neun Minuten und 23 Sekunden.

Es sind diese kleinen Beispiele die zeigen, wie eine Branche in Bewegung geraten ist: FinTechs boomen. Und es sind auch diese Beispiele die zeigen, wie etablierte Banken dadurch in Bedrängnis geraten. In der FinTech-Branche feiern sie Summen wie diese eine Million Kreditvergabe als Anzeichen einer Zeitenwende. Schließlich handelt es sich hier um Beträge in einer Höhe, die bisher eher etablierten Bankhäusern vorbehalten war.

Wenn das Smartphone über Bonität entscheidet

Anders als die klassischen Kreditabteilungen bestehender Banken sind FinTechs im Bereich der Kreditvergabe in vielen Fällen als eine Plattform organisiert, die Kreditnehmer und Kreditgeber zusammenbringt. Das ist ungewöhnlich für die Platzhirsche, natürlich. Und auch die Bewertungskriterien zur Bonität eines Kreditnehmers waren in der Vergangenheit in manchen Fällen durchaus, sagen wir, ungewöhnlich. In Ländern, in denen Strukturen nach dem Beispiel der Schufa nicht existieren, werten FinTechs dann mitunter die Daten aus, die das Smartphone des Kreditnehmers ihnen liefert. Da kann es durchaus passieren, dass dessen Bonität besser eingeschätzt wird, wenn er abends zu günstigeren Konditionen telefoniert und nicht tagsüber – und dadurch Kostenbewusstsein beweist.

Natürlich kommen dann Fragen auf. Berechtigte Fragen, beispielsweise die nach dem Datenschutz. Kritiker fragen sich auch, warum plattformbasierte Kreditvergeber ohne relevante eigene Mittel vertrauenswürdig sein sollen. Erst recht, wenn sich dann herausstellt, dass diese mitunter jenseits des Plattformgedankens keineswegs nur Privatpersonen, sondern durchaus institutionelle Kreditgeber in das Geschäft mit einbeziehen.

Spricht das gegen die grundsätzliche Idee von FinTechs, schneller, günstiger und moderner zu sein als die klassische Bankenwelt? Keineswegs. Stattdessen fällt auf: FinTechs werden selber in den letzten Jahren immer stärker, sammeln immer größere Summen von Risikokapitalgebern ein.

Aus unserer jüngsten Studie in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Analyseunternehmen CB Insights wissen wir, dass die weltweiten Risikokapitalinvestitionen in FinTechs im zweiten Quartal 2016 deutlich geschrumpft sind: 2,5 Milliarden US-Dollar wurden von April bis Juni in FinTechs investiert – im ersten Quartal des laufenden Jahres waren es noch fast fünf Milliarden.

Pulse of Fintech 2018 - 2. Halbjahr

Weltweite Fintech-Investments 2018 auf Rekordhöhe. Bericht zu Entwicklungen im zweiten Halbjahr 2018.

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Keine Anzeichen für Blase bei FinTechs

Zwei Tendenzen sind dabei aus meiner Sicht bemerkenswert: In den letzten Jahren ist das Investitionsvolumen im Bereich der FinTechs geradezu explodiert. Rund 13 Milliarden US-Dollar investierten Risikokapitalgeber im letzten Jahr weltweit in FinTechs, ein Jahr zuvor waren es 6,7 Milliarden. Wenn Investitionen in diesem Ausmaß ansteigen, dann fürchten vorsichtige Analysten schnell einen überhitzten Markt, übertriebene Erwartungen. Der Kater nach dem Rausch, quasi. Für eine FinTech-Blase kurz vor dem Platzen kann ich – auch angesichts der jüngsten Zahlen – keine Anzeichen erkennen. Das ist die erste Tendenz.

Die zweite Tendenz: Risikokapitalgeber scheinen in Sachen FinTechs vorsichtiger geworden zu sein. Dafür sind Unternehmen mit großen Beträgen in das FinTech-Geschäft eingestiegen. Zählt man ihre Investments dazu, dann ist die eingesammelte Summe im Bereich der FinTechs im zweiten Quartal des Jahres sogar auf 9,4 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Große Unternehmen: Besser dabei als am Rand

Nun die Frage: Wie kommt das? Zwei Antworten aus meiner Sicht: Erstens wächst in großen Unternehmen die Einsicht, dass es besser ist, beim Geschäft der Zukunft nicht außen vor zu sein. Zweitens erleben Fintechs einen Bedeutungswandel auf Seiten der etablierten Häuser: Weg vom Zerstörer, hin zum Partner, mit dem Banken die Digitalisierung gestalten können. Frei nach dem Motto: Wenn Du Deinen Gegner nicht besiegen kannst, dann mache ihn zum Verbündeten.

Um FinTechs und die Zukunft der Banken geht es auch beim nächsten Termin unserer Veranstaltungsreihe Klardenker live am 13. September in Hamburg. Mehr dazu hier.

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