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Versicherungen: Mit Daten Werte schaffen

Wie neue Versicherungsmodelle den Kunden zum Partner machen

Früher war Versicherung einfach: Eine gute Versicherung war die, die ihrem Kunden im Schadensfall schnelle und umfangreiche Unterstützung gewährte und dabei fair und gerecht vorging. Ein zuverlässiger Partner zu sein, dem der Versicherte vertraut – darum ging es. In Zeiten der Digitalisierung ändert sich diese Beziehung. Der Grund: Im Versicherungswesen ging es schon immer darum, Risikoeinschätzungen auf der Grundlage von Daten zu treffen. Die Daten waren die Basis, auf der Analysen und Bewertungen aufbauen. Neu ist hingegen, dass Daten in unvergleichlich größerer Anzahl vorhanden sind – und das nicht nur bei der Versicherung, sondern auch beim Versicherten. Der Trend ist eindeutig: Beide Seiten wissen so viel voneinander wie noch nie zuvor. Das Ergebnis daraus ist aber nicht zwingend ein Zuwachs an Erkenntnissen. Sondern eher ein Zuwachs an Verwirrung, im schlimmsten Fall: weniger Vertrauen.

Positiv gewendet: Die erfolgreichen Versicherungsunternehmen der Zukunft werden diejenigen sein, die ihre Daten intelligent einsetzen – und immer mehr Unternehmen tun genau das. Das ist eines der Ergebnisse der diesjährigen Studie „Mit Daten Werte schaffen“, die KPMG in Zusammenarbeit mit Bitkom Research erstellt hat. Befragt wurden dabei Führungskräfte und Geschäftsführer aus rund 700 deutschen Unternehmen unterschiedlichster Branchen mit mehr als 100 Mitarbeitern. Entstanden ist auf diese Weise ein repräsentatives Bild über die Datennutzung in hiesigen Unternehmen.

Versicherer sehr aufgeschlossen gegenüber Datenanalysen

Keine andere Branche in Deutschland ist Datenanalysen gegenüber so aufgeschlossen wie die Versicherungsindustrie. „Analyse war schon immer Kerngeschäft von Versicherungen. Hier Vorreiter zu sein, ist zu einem gewissen Teil in der Versicherungs-DNA enthalten“, sagt Peter Heidkamp, Partner und Head of Technology bei KPMG Deutschland. Der aktuellen KPMG-Studie zufolge ziehen bereits heute 66 Prozent der befragten Versicherungen einen konkreten Nutzen aus Datenanalysen. Allerdings sei der Innovationsdruck auf die Branche immens, sagt Heidkamp.

Viele neue Anbieter drängen als sogenannte InsurTechs auf den Markt, für Investoren mitunter durchaus ein interessantes Ziel. Wenn die etablierten Versicherer bei diesen schnell wachsenden Geschäftsmodellen mitwachsen wollen, dann könnten fortgeschrittene Datenanalysen ein Weg dahin sein. Diese Strategie verfolgen gemäß der Studienergebnisse derzeit jedoch nur 26 Prozent der befragten Unternehmen. „Das sind zwar 24 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Allerdings wird das hier vorhandene Potenzial für Wachstum bei weitem nicht ausgeschöpft – eine gefährliche Strategie“, sagt Heidkamp.

Mit Daten Werte schaffen 2017

Big Data rentiert sich für immer mehr Unternehmen, zeigt eine aktuelle KPMG-Studie

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Anders als in der Vergangenheit dürfte sich ein Trend in der Versicherungsbranche verfestigen, der bereits heute erkennbar ist: Mikrotargeting. Kleinere, aber passgenauere Versicherungen, die die jeweiligen Kundenrisiken optimal abdecken – und zwar in den Zeiträumen, die für den Kunden maßgeblich sind. Stärker sprudelnde Datenquellen ermöglichen Versicherern, ein besseres Bild der Risikoprofile ihrer Kunden zu erstellen. Dazu gehört auch, dem Kunden eine immer stärker personalisierte Dienstleistung anzubieten. Schon jetzt sehen 60 Prozent der Befragten einen Anstieg im Bereich individueller Produktgestaltung, in jedem vierten Unternehmen hat personalisiertes Marketing im vergangenen Jahr deutlich zugenommen.

Versicherungen: Kunde als Partner

Eine laut Heidkamp erfolgversprechende Strategie, die allerdings darauf basiert, dass auch der Kunde einen Mehrwert in der verstärkten Datenverarbeitung sehen muss. Das gilt insbesondere in dem Bereich der Versicherung, der sich eher mit der Prävention von Schäden und Verlusten beschäftigt. Diese Geschäftsmodelle weisen dem Kunden eine neue Rolle zu – als Partner. Ein Partner, der bereit ist, umfangreiche Daten zur Verfügung zu stellen, um auf diese Weise zu günstigeren Konditionen versichert zu werden. „Transparenz ist das Schlüsselwort. Wir wissen, dass 61 Prozent der befragten Unternehmen bereits heute Verhaltensdaten ihrer Kunden analysieren. Wenn die daraus resultierende Risikoeinstufung dem Kunden gegenüber transparent gemacht wird, dann bietet ihm das die Möglichkeit, selber über seine Einstufung in den jeweiligen Risikogruppen zu entscheiden“, sagt Heidkamp.

Mehr Klarheit bei Preisen

Das würde einerseits zu einer deutlichen Machtverschiebung zwischen Versicherer und Versichertem führen. Andererseits – so Heidkamp – würde ein solcher Entscheidungsprozess auf Kundenseite mit hoher Wahrscheinlichkeit als besonders fair eingeschätzt werden – „und Fairness zählt neben dem Vertrauen immer noch zu den wichtigsten Merkmalen einer erfolgreichen Versicherung.“ Versicherer sollten sich deshalb darauf einstellen, mehr Klarheit in Sachen Preisgestaltung zu bieten.

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