Wie die digitale Transformation Mehrwert im Finanzbereich schafft

Neue Technologien und digitale Prozesse stärken die Finanzfunktion. Was braucht es dafür?

Keyfacts

  • Kundenzentrierung und Produktivitätssteigerung sind Treiber der digitalen Transformation.
  • Die digitale Transformation stärkt die Finanzfunktion und macht den CFO zu einem proaktiven Partner des CEOs.
  • Der Einsatz von KI erfordert eine integrierte IT-Architektur und eine zentrale Datenbasis mit hochwertigen Daten.
Ioannis Tsavlakidis
  • Bereichsvorstand Consulting, Head of Management Consulting EMA (Europe, Middle East and Africa)
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Mit Alexa, Siri oder KI-basierter Übersetzungssoftware ist die Digitalisierung schon längst zu einem Teil unseres privaten Alltags geworden. Selbstverständlich interessieren sich auch Unternehmen stark dafür, wie sie die Vorteile der digitalen Transformation gewinnbringend für sich nutzen können – stehen bei der Umsetzung jedoch vor einigen Herausforderungen.

Wir sprachen mit Ioannis Tsavlakidis, Bereichsvorstand Consulting Deutschland und Head of Consulting EMA bei KPMG, darüber, wie die digitale Transformation die Finanzfunktion verändert und wo für ihn die Potenziale von KI liegen.

Herr Tsavlakidis, die digitale Transformation steht bei nahezu allen Unternehmen ganz oben auf der Management-Agenda. Welche Faktoren treiben die digitale Transformation in Unternehmen voran?

Treiber der digitalen Transformation sind insbesondere Ziele wie Kundenzentrierung, Kosteneffizienz, Produktivität und Analysesicherheit. Die digitale Transformation erfordert standardisierte Abläufe, etwa wenn Robotic Process Automation oder künstliche Intelligenz eingesetzt werden soll. Dafür ist neben konsequentem Prozessdesign und zentralem Prozessmanagement auch der Wandel hin zu einer Digital-Kultur elementar – denn selbst die fortschrittlichste Technologie liefert keinen echten Mehrwert, wenn die Mitarbeiter sie nicht selbstständig in ihren Arbeitsalltag einbinden.

Der Finanzbereich hat in Unternehmen eine Schlüsselfunktion. Wie bringt die digitale Transformation diesen Bereich voran?

Transaktionale Finanzprozesse können nahezu vollständig automatisiert werden. Dazu zählen zukünftig auch Aufgaben, die nicht rein repetitiv sind, da lernende Maschinen in der Lage sein werden, diese zu übernehmen. Auch das Controlling wird verstärkt automatisiert. Reports und KPIs werden in Echtzeit verfügbar sein, nutzerfreundlich und standortunabhängig. Das erhöht die Qualität des Berichtswesens in der Finanzfunktion deutlich. Zugleich wird der CFO so für den CEO zum proaktiven Business-Partner, der näher am Kerngeschäft dran ist als früher. Mithilfe der durch die digitale Transformation geschaffenen Transparenz erhält er tiefe Einblicke in die verschiedenen Prozesse des Unternehmens und wird auf dieser Basis zukünftig auch seine konsultative Rolle weiter stärken.

Digitale Transformation wird häufig in einem Satz mit dem Stichwort Künstliche Intelligenz erwähnt. Können Sie uns ein Beispiel nennen, wo diese Technologie schon heute in Unternehmen Mehrwert liefert?

Texterkennung und maschinelles Lernen werden vielfach erfolgreich im Rechnungswesen genutzt: Komplexe Verträge oder Rechnungen werden ausgelesen und daraus automatisiert Buchungssätze generiert. KI-gestützte Risikomanagement-Systeme können Millionen von Datensätzen filtern und bewerten, um etwa bei der risikobasierten Integritätsprüfung von Geschäftspartnern zu helfen. Einen weiteren Anwendungsbereich sehen wir im automatisierten Forecast für dynamische Absatzplanung und -budgetierung. Noch ein Beispiel: „Intelligent Pricing“, also individuell gestaltete Preise für ein Produkt, die mithilfe von KI ermittelt werden.

Digitale Prozesse sind auf eine hochwertige Datengrundlage angewiesen. Liegt hierin die größte Herausforderung?

Die Qualität und die Verfügbarkeit der Daten sind in der Tat eine entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche digitale Transformation. Vielfach verfügen Unternehmen zwar über die notwendigen Daten. Diese sind aber suboptimal aufbereitet oder nur eingeschränkt abrufbar – etwa weil sie in Datensilos abgespeichert sind oder in unterschiedlichen Formaten vorliegen. Viele Unternehmen unterschätzen bislang das strategische Asset, das in ihren Daten liegt, und betreiben daher kein effizientes Datenqualitätsmanagement.

Grundlegend für durchgängige digitale Geschäftsprozesse, beispielsweise auch die Integration von KI-Komponenten, ist aber – neben der Qualität der Daten – der Zugang zu diesen. Dafür müssen die Datensilos aufgehoben und ein zentraler Datenspeicher mit einheitlichen Formaten geschaffen werden, der allen Anwendern zugänglich ist.

Wie sehen die ersten Schritte auf dem Weg zur digitalen Transformation aus?

Wer die digitale Transformation erfolgreich gestalten will, braucht neben der bereits erwähnten Datengrundlage auch eine individuelle Digitalstrategie, die nah am Kunden ist, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbindet und mithilfe einer Roadmap operationalisiert wird.

Im Vorfeld muss aus Business-Perspektive auf Basis einer fundierten Bewertung definiert werden, wo Digital und Managed Services den größten Mehrwert für das Geschäftsmodell schaffen. Aus technischer Sicht basiert die Transformation auf einer integrierten IT-Architektur mit einer skalierbaren Technologie-Plattform. Innovative Technologien wie KI in historisch gewachsene Systemlandschaften zu integrieren, ist ungleich schwieriger. Erfolgskritisch ist in diesem Prozess insbesondere die enge Zusammenarbeit von Fachbereichen, Datenwissenschaftlern und der IT.

Mit der so geschaffenen Ausgangsbasis können in einem nächsten Schritt konkrete digitale Technologien wie künstliche Intelligenz eingeführt und auf dem Fundament der integrierten IT-Architektur auch erfolgreich unternehmensweit skaliert werden – wodurch sämtliche Unternehmensbereiche schnell an den Neuentwicklungen einzelner, besonders innovativer Abteilungen partizipieren können.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Tsavlakidis.

Ioannis Tsavlakidis
  • Bereichsvorstand Consulting, Head of Management Consulting EMA (Europe, Middle East and Africa)
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