Digitalisierung ist kein Selbstzweck

Warum Krankenhäuser bei digitaler Transformation systemisch denken sollten

Keyfacts

  • Digitalisierung braucht eine Strategie und die finanziellen Ressourcen zur Umsetzung.
  • Die Vernetzung der Einrichtungen ist die Basis für die digitale Transformation.
  • Die Politik sollte den Transformationsprozess unterstützen.
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Jannis Pulm
  • Manager, Health Care
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„Ein bisschen Kranksein ist manchmal ganz gesund“, hat Rudolf Virchow einmal gesagt. Auch wenn der Begründer der modernen Pathologie sicher nicht an heutige Krankenhäuser gedacht hat, könnte die Aussage dennoch auf sie zutreffen.

Dann nämlich, wenn aus der momentan schwierigen Lage der Antrieb wächst zu genesen, sich zu stärken und wieder optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Digitalisierung als abstraktes Szenario

Genau dieser Optimismus fehlt den Krankenhäusern derzeit, wenn wir die erstmals durchgeführte Befragung der Krankenhaus-Geschäftsführungen in Nordrhein-Westfalen betrachten.

In den Führungsetagen der Krankenhäuser ist das Thema Digitalisierung längst angekommen. Allen ist die Notwendigkeit zur Transformation bewusst. Auch sehen sie die großen Chancen. Aber nur wenige wissen, wie man Digitalisierung in der Praxis wirklich effektiv umsetzt. Die Ausprägungen digitaler Transformation sind zu vielfältig, die Bereiche zu verästelt und die Anwendungsmöglichkeiten derzeit noch sehr unübersichtlich. Außerdem fehlen den meisten Krankenhäusern die finanziellen Mittel für die konsequente Umsetzung.

Geld allein ist kein Allheilmittel

Nun ist der Ruf nach mehr Fördermitteln schnell formuliert und meines Erachtens auch verständlich. Aber Geld allein ist nicht zielführend und macht keinen Prozess effektiver. Digitalisierung in der Krankenhauslandschaft braucht außer einer finanziellen Grundlage auch Ideen und eine umfassende Strategie.

Je nach finanzieller Ausstattung der Kliniken gibt es durchaus schon Projekte zur digitalen Transformation. Doch es bleibt derzeit häufig noch bei Insellösungen.

Vor der Implementierung gilt es zu klären, in welchen Bereichen und in welchem Umfang Digitalisierung überhaupt sinnvoll ist. Ist eine Lösung nicht kompatibel mit den Anforderungen und Prozessen der gesamten Organisation oder gar des gesamten Gesundheitssystems Bereich, steigert dies die Effizienz nämlich nicht.

Effizienzsteigerung durch Vernetzung

Es gilt also über den Tellerrand hinaus zu blicken. Denn die Wirkung nur einzelner digitaler Projekte in einzelnen Bereichen und einzelnen Krankenhäusern verpufft. Vernetzung ist gefragt. Erst wenn verschiedene Bereiche einer Klinik Hand in Hand arbeiten, ergeben sich Synergien. Diese Effizienzsteigerung ist auf das ganze Krankenversorgungssystem übertragbar. Wenn die Krankenhäuser beispielsweise mit ambulanten Einrichtungen oder Reha-Kliniken vernetzt sind, lassen sich Ressourcen schonen und schließlich die Ausgaben für das gesamte System verringern. Ganz nebenbei profitiert auch der Patient von dieser Vernetzung, durch schnellere und vor allem individuellere Abläufe zum Beispiel.

Unterstützung ist besser als Bevormundung

Es gibt bereits Überlegungen auf politischer Ebene, Krankenhäuser zusammenzulegen oder medizinische Kompetenzen zu bündeln. Ich denke aber, dass die notwendige Vernetzung nicht verordnet werden sollte. Sie sollte aus dem System heraus erwachsen.

Seitens der Politik ist lediglich Hilfestellung gefragt. So könnten beim Datenaustausch beispielsweise bürokratische Hemmnisse beseitigt werden. Und – ja – die Krankenhäuser brauchen auch Fördermittel, um die Digitalisierung anzugehen. Jedoch nur als Impuls um wieder auf die Beine zu kommen. Die Umsetzung kann dann aus eigener Innovationskraft erfolgen. Erste Praxisbeispiele machen Mut, dass den Krankenhäusern dies gelingen kann, um die Versorgungslandschaft zu verbessern.

Jannis Pulm
  • Manager, Health Care
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Die Geschäftsführung spricht Klartext

So beurteilen die Chefetagen die Lage der Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen – eine Befragung des Gesundheitsbarometers von KPMG

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