Dreiklang für eine neue Management-Agenda

Warum Geopolitik, Nachhaltigkeit und Technologie die Themen der Zukunft sind

Keyfacts

  • In Zeiten globaler Risiken ist reine Konzentration auf Rendite nicht ratsam.
  • Unternehmen sollten Nachhaltigkeit und Gesellschaft zu Kernanliegen machen.
  • Nur so können Firmen dauerhaft ihre Gewinne schützen und Investoren anziehen.
Prof. Dr. Kai Andrejewski
  • Regionalvorstand Süd, Audit
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Die deutsche Autobranche hat derzeit ein ganzes Bündel an Herausforderungen.

Zum einen drohen geopolitische Risiken wie die Strafzölle, die US-Präsident Donald Trump angedroht hat, oder der Handelsstreit zwischen USA und China, der den Absatz in diesen so wichtigen Märkten der deutschen Autoindustrie weiter gefährdet.

Zum anderen nimmt der gesellschaftliche und politische Druck auf die Branche zu. Teils aufgrund hausgemachter Probleme wie dem Dieselskandal. Teils aufgrund eines Gesinnungswandels vieler potenzieller Käufer, die sich für den Klimaschutz einsetzen und bereit sind, auf ein eigenes Auto zu verzichten.

Gleichzeitig steckt die Branche inmitten des größten technologischen Wandels ihrer Geschichte – und sieht sich mit neuen Problemen konfrontiert: Wer baut den besten Antrieb, die Batterien und die Ladesäulen für Elektroautos? Wer entwickelt die künstliche Intelligenz für autonom fahrende Autos? Techkonzerne aus den USA scheinen hier derzeit vorne zu liegen.

Die Herausforderungen der Autoindustrie sind kein Einzelfall – sondern stehen stellvertretend für einen branchenübergreifenden Trend. Was Unternehmen dazu wissen sollten.

Eine neue Management-Agenda

Wir bei KPMG sind davon überzeugt, dass die Management-Agenda der nächsten Jahre von drei Themen dominiert wird: Geopolitik, ESG und Technologie – kurz: GET. ESG beschreibt dabei ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept, das auf das Gemeinwohl zielt und die Aspekte Environmental, Social und Governance einschließt – also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

In dieser komplexen Situation greift kurzfristiges Krisenmanagement allein viel zu kurz. Unternehmen sollten die Risiken für ihr Geschäftsmodell ganzheitlich betrachten – und dabei alle drei Faktoren sowie deren Wechselwirkungen einbeziehen.

Wie gut die Faktoren Geopolitik, ESG und Technologie gemanagt werden, beeinflusst nicht nur das Außenbild und die Wahrnehmung des Unternehmens, sondern hat mittelfristig auch gravierenden Einfluss auf die Finanzierung. Denn auch bei Investoren ist ein Gesinnungswandel spürbar – von Profit-Fixierung hin zu einer Suche nach nachhaltigen Anlage-Optionen.

Nachhaltigkeit – ein entscheidender Finanzierungsaspekt

Hinzu kommen aktuelle Bestrebungen der Politik. So plant die EU mit ihrem „Aktionsplan für nachhaltiges Finanzwesen“ beispielweise, ein Öko-Label für Investments einzuführen. Auf diese Weise sollen Privatanaleger auf einen Blick erkennen, ob etwa Fonds tatsächlich den zuvor festgelegten ESG-Kriterien entsprechen.

ESG-Faktoren zu berücksichtigen ist enorm wichtig – und zwar nicht nur für börsennotierte Unternehmen. Nachhaltigkeit kann als Finanzierungsaspekt auch für Mittelständler entscheidend werden. Der Stellenwert klassischer Finanzierung, etwa über Bankdarlehen, nimmt ab. Alternative Finanzierungsformen, die nachhaltiges Wirtschaften würdigen, treten zunehmend an ihre Stelle. Auch die Bundesregierung hat sich auf die Fahnen geschrieben, Sustainable Finance zu fördern.

Umfassendes Risikomanagement als Wettbewerbsvorteil

Die ambitionierten Klima-Ziele der EU könnten sich schon bald in Auflagen für Unternehmen widerspiegeln. Etwa in CO2-Grenzwerten für Autohersteller und Subventionen für Elektroautos. Wer diese regulatorischen Maßnahmen frühzeitig angeht, ist im Vorteil.

Andererseits bedeutet der Klimawandel ganz reale Risiken für Unternehmen. Überschwemmungen, Dürren, Taifune: Ein Grad Erderwärmung kostet ein Prozent des globalen BIP, lautet eine Faustregel. Für das Management ist es also essenziell, zu wissen, wie hoch die Risiken für das eigene Unternehmen sind.

Die „Task Force on Climate-Related Financial Disclosures“ (TCFD) empfiehlt, die Klimarisiken in der Bilanz offenzulegen und macht Vorschläge, wie das am besten zu erreichen ist. Für ein umfassendes Bild sollten aber auch die beiden anderen GET-Faktoren, also geopolitische und technologische Trends, betrachtet werden.

Wandel als Chance

Für die Zukunft ist eines sicher: mehr Unsicherheit. Seien es geopolitische Krisen, verschärfte Umweltauflagen oder technologische Neuerungen wie das autonome Auto.

In dieser Situation werden nur Firmen erfolgreich und attraktiv für Anleger sein, die drei Kriterien erfüllen: Sie wirtschaften nachhaltig, sind auf geopolitische Krisen vorbereitet und bereit für technologische Umwälzungen.

Dabei sollten Unternehmen umsichtig, fortschrittlich und innovativ bleiben. Die richtige Strategie besteht darin, die eigene Ausrichtung anzupassen und den Wandel als Chance zu begreifen.

So kann auch aus den gegenwärtigen Turbulenzen ein Neustart für die Autoindustrie werden.

Prof. Dr. Kai Andrejewski
  • Regionalvorstand Süd, Audit
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