Durch Risikokommunikation das gute Image sichern

Viele Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau müssen Risiken besser darstellen

Keyfacts

  • Viele Geschäftsberichte der Maschinen- und Anlagenbauer vernachlässigen Risiken
  • Durch mangelnde Kommunikation von Gefahren wird der exzellente Ruf gefährdet
  • Kapitalmärkte und Kunden interessieren sich stärker für Risiken
Klardenker- Redaktion
  • KPMG
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Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau genießt weltweit einen hervorragenden Ruf und trägt wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes bei. Das ist auf hohe Ingenieurskunst zurückzuführen – und auch darauf, dass diese entsprechend dargestellt und vermittelt wird. Bekanntermaßen reicht es ja nicht nur, Gutes zu tun, man muss auch darüber reden. Doch in der Kommunikation gibt es leider bei vielen Unternehmen noch deutliche Defizite, die das exzellente Image gefährden.

Marktanteile, Gewinne und Gewinnpotentiale stehen unnötigerweise auf dem Spiel. Das hat erst kürzlich die vierte Untersuchung der externen Risikoberichterstattung in den Geschäftsberichten deutscher Maschinen- und Anlagenbauer durch KPMG gezeigt.

Meines Erachtens besteht dringender Handlungsbedarf

Denn die Risiken steigen in Zeiten zunehmender Digitalisierung, von Industrie 4.0 – und damit auch der externe Informationsbedarf.

Der GAU, der größte anzunehmende Unfall, tritt ein, wenn ein Unternehmen „erwischt“ worden ist

Wenn bestehende Risiken nicht oder nur unzureichend benannt, gar heruntergespielt worden sind und aufgrund eines Vorfalls deutlich geworden ist, dass sie das Unternehmen nicht beherrscht. Das kann ein Datenleck sein. Gerade Gefahren, die mit Cyber-Kriminalität verbunden sind, stehen im Fokus von Anteilseignern und Kunden.

Kapitalmärkte interessiert, wie zukunftsfähig das Geschäftsmodell und wie nachhaltig die Wertschöpfungskette ist

Und wie der Unternehmenserfolg abgesichert wird. In all diesen Bereichen gibt es oftmals deutlichen Verbesserungsbedarf in den Geschäftsberichten – dies auch, weil es dafür keine oder nur wenig gesetzliche Vorgaben für die Berichterstattung gibt. Denn auf Gebieten, für die es diese Vorgaben gibt, etwa in Fragen der Governance und Compliance, haben die Geschäftsberichte ein sehr hohes Niveau.

Daher mein Appell an die Vorstände: Sehen Sie Risikokommunikation nicht als notwendiges Übel, dem nur im gesetzlichen Rahmen entsprochen werden sollte, sondern als aktive Managementaufgabe

Bauen Sie dem GAU vor, lassen Sie das Unternehmen gar nicht erst in einen Erklärungsnotstand und damit in eine Situation kommen, in der auch Sie sich rechtfertigen müssen. Sie verlieren damit im Zweifelsfall die Initiative, reagieren nur noch statt zu agieren. Damit verspielen Sie entscheidende strategische Vorteile in der Kommunikation. Denn in einer kritischen Lage können Sie dann nicht mehr proaktiv vorgehen, nicht mehr im eigentlichen Sinne managen. Und seien Sie sich stets bewusst, dass unklare Kommunikation und das Verschweigen und Herunterspielen von Risiken auch vom Kapitalmarkt hart abgestraft werden. Falsch verstandene Zurückhaltung birgt große Gefahren.

Mögliche Risiken sollten sauber strukturiert und transparent aufbereitet werden

Dabei nutzen Unternehmen häufig nicht die Gelegenheit, regulatorische Anforderungen zu übertreffen, besseren Standards zu folgen, sich Zertifizierungen zu unterziehen und anhand von unmissverständlich definierten und messbaren Leistungskennzahlen zu berichten. Solch ein Vorgehen würde aber auch nach außen erkennbar machen, dass die Unternehmensführung mit Risiken umgehen kann. Dabei sollte sie nicht in einen Manager-Jargon verfallen, der Risiken mit Worthülsen zu verschleiern sucht, sondern die Risikokommunikation bewusst neutral gestalten. Und das frühzeitig.

So macht das Management deutlich, dass es sich im Klaren über die Zusammenhänge des eigenen Wirtschaftens ist und schafft Vertrauen

Dass es die Situation überblickt, die Gefahren kennt und sie in seine Entscheidungen einbezieht. So können mögliche Konflikte des Managements mit externen Adressaten wie etwa Anteilseignern, Kapitalmärkten, Kunden aber auch Medien, die die „Stakeholder“ informieren, konstruktiv gehandhabt und überwunden werden.

Solch präventives Vorgehen kann einen nachhaltigen Reputationsschaden vermeiden

Das entspricht durchaus der Mentalität von Ingenieuren. Denn sie wollen Risiken beherrschen – allerdings überwiegend technische Risiken. Und die sind im Maschinen- und Anlagenbau außerordentlich komplex.

Gleichwohl sind bei der Kommunikation auch Bereiche zu berücksichtigen, die über den naturwissenschaftlichen Sachverstand hinausgehen und grundlegende Wertfragen berühren

Die gilt beispielsweise, wenn durch neue Techniken Arbeitsplätze gefährdet sind. In solch einem Falle müsste auch thematisiert werden, inwieweit die Beschäftigten durch Fortbildung auf die gestiegenen Anforderungen, die neue Verfahren erfordern, vorbereitet werden. Unternehmen können sich nicht nur auf das Urteil von Experten verlassen, ob ein Risiko akzeptabel ist oder nicht. Sie haben auch auf die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit zu achten und müssen sich mit dieser rechtzeitig und angemessen auseinandersetzen, wie übrigens auch der Verein Deutscher Ingenieure festgestellt hat.

Dass zunehmend staatliche Vorschriften und Regelungen von Unternehmen effiziente Risikokommunikation verlangen, mag helfen, das bestehende Defizit bei vielen Unternehmen zu verringern. Aber, wie gesagt, schauen Sie, wo Ihr Unternehmen mehr tun muss, als nur Vorgaben zu erfüllen, um möglichen Schäden vorzubeugen und sie abzuwehren.

Einfach aus Interesse am Erfolg.

Klardenker- Redaktion
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