E-Health ersetzt nicht das Gespräch mit dem Arzt

Wie stark verändert die digitale Welt das Verhältnis zwischen Arzt und Patient?

Keyfacts

  • Gesundheitsbranche zunehmend digitalisiert
  • Arzt-Patient-Verhältnis ändert sich stark
  • Anspruch an die Kommunikation wächst
Prof. Dr. Volker Penter
  • Partner, Niederlassungsleiter
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Fiebermessen mit dem iPhone. Schritte zählen über ein elektronisches Gerät. Nicht nur die Quantified-Self-Welle zeigt, wie eng sich die digitale Welt mit der Medizin vernetzt. Ich meine: Den Kontakt zum Arzt mag sie zwar ergänzen, aber nicht ersetzen.

Die mobile Technologie entwickelt sich weiter. Und der Mensch verändert sich mit. Die neuen Verhaltensweisen durchdringen auch die Gesundheitswirtschaft.
Für die Quantified-Self-Bewegung beispielsweise liegt der Schlüssel zu einer gesünderen Lebensweise und einer besseren medizinischen Betreuung in der Selbsterkenntnis durch Zahlen. Auch der X-Prize für den Medical Tricoder ist in vollem Gange. Damit soll eine mobile, kabellose Lösung gefunden werden, die die Gesundheit überwacht und diagnostiziert. Bei einer Crowdfunding-Kampagne sammelten die Macher über 1,6 Millionen US-Dollar für ein Gerät, das Menschen in ihrem Zuhause vollautomatisch medizinische Diagnosen liefern soll. Auch Unternehmen haben den E-Health-Trend erkannt und reagieren.
Mich faszinieren diese Entwicklungen. Gleichzeitig frage ich mich, wie stark die digitale Welt das Verhältnis zwischen Arzt und Patient ändert. Vielleicht sind wir in Zukunft jederzeit online mit unserem Arzt verbunden. Vielleicht überträgt bald ein Chip unsere Empfindungen direkt von unserem Körper auf einen Rechner. Davor sitzt ein Mediziner, der uns gleich die richtige Diagnose schickt und das passende Rezept verschreibt.
Bereits heute gibt es viele gute Beispiele für die Anwendung der digitalen Medizin. Norwegen übernimmt eine führende Rolle in der Forschung und Anwendung. Das Land ist groß und die Menschen sind darauf angewiesen, Alternativen für den Arzt vor Ort zu finden.

Doch es geht aus meiner Sicht nicht nur darum, eine Diagnose zu stellen und den Behandlungsplan festzulegen.

Es geht um Vertrauen. Dazu müssen der Arzt und sein Patient miteinander reden.
Es klingt paradox: Die zunehmende Digitalisierung stärkt den mündigen Patienten und verschafft ihm einen Wissensvorsprung. Er ist heutzutage viel besser informiert und entsprechend wählerisch – sowohl bei der Medikamentenauswahl als auch bei der Behandlung. In der Folge wächst sein Anspruch an die Kommunikation. Allein auf die digitale Medizin zu setzen, würde diesen Trend ad absurdum führen.
Die Gesundheitsbranche jedenfalls wird auf die neuen Entwicklungen reagieren. Aus meiner Sicht muss sie aus eigenem Antrieb deutlich aktiver kommunizieren. Ihr Auftrag ist es, eine umfassende Betreuung für alle Patientenbedürfnisse zu leisten.

Prof. Dr. Volker Penter
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