Einfach nur in der Cloud zu sein, reicht nicht

Was eine Cloud-Strategie beinhalten sollte.

Keyfacts

  • Unternehmen mit Cloud-Nutzung hatten während der Corona-Krise weniger Probleme, erhöhte IT-Kapazitäten bereitzustellen als Unternehmen mit klassischer IT.
  • Unabhängige Überprüfungen und branchenspezifische Zertifizierungen haben das Vertrauen in Cloud-Computing gestärkt.
  • Erst mit einer Cloud-Strategie, die an die Business-Strategie gekoppelt ist, kann Cloud-Computing ein wirksamer Treiber der Digitalisierung sein.
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Ushananthan Ganeshananthan
  • Partner, Lighthouse Germany, Head of Cloud Consulting Services
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Die Corona-Krise hat dem Cloud-Computing einen enormen Schub und einen großen Akzeptanzgewinn verschafft. Homeworking und virtuelle Formate für Zusammenarbeit und Kommunikation erfordern von der IT weitaus mehr Kapazität als vor Covid-19. Dazu kommt, dass die Kapazität nicht gleichmäßig verteilt ist, sondern schwankt – wie bei einem Online-Shop, wo es zu verschiedenen Zeiten sehr viele Bestellungen und zu anderen Zeiten nur wenige gibt.

Unternehmen, die schon vor Corona Prozesse in die Cloud verlagert hatten und über eine dynamische IT-Infrastruktur verfügen, konnten mit diesen variierenden Kapazitätsanforderungen besser umgehen, als die, die noch kein Cloud-Computing nutzen. Diese Erfahrungen werden sicherlich dazu beitragen, dass Unternehmen noch stärker die Cloud nutzen werden.

Mehr Sicherheit in der Cloud

Gerade bei Public-Cloud-Angeboten gab es lange Zeit Bedenken zur Datensicherheit. Dieses Thema haben die Cloud-Anbieter aufgegriffen und viel getan, um das Vertrauen in die Cloud-Security zu erhöhen, beispielweise mit unabhängigen Überprüfungen und branchenspezifischen Zertifizierungen. Zudem haben die Cloud-Anbieter den Kunden die Chance geben, ihre eigenen Sicherheitsarchitekturen zu etablieren, beispielsweise im Bereich der Verschlüsselung von Daten und beim Confidential Computing, was für datensensible Branchen wie dem Gesundheitssektor eine grundlegende Voraussetzung einer Cloud-Nutzung ist. Auch daher gibt es mittlerweile weniger Sicherheitsvorfälle in der Cloud als in der klassischen IT, wie unser Cloud-Monitor 2020 ergeben hat.

Cloud als Transformationstreiber

Der Cloud-Monitor hat auch gezeigt, dass 78 Prozent der befragten Unternehmen Cloud-Computing als wichtigen Treiber der Transformation sehen. Doch Cloud allein macht noch keine Digitalisierung. Die Cloud ist ein Werkzeug, eine Infrastruktur, und auf diese Infrastruktur gilt es, Unternehmensprozesse und Arbeitskultur anzupassen.

Einfach nur Arbeit in die Cloud zu schieben und sich davon sowohl Kostenersparnisse als auch eine höhere Digitalisierung zu erhoffen, ist zu kurz gedacht. Um das zu erreichen, benötigen Unternehmen eine Cloud-Strategie, die nicht entkoppelt werden darf von der Business-Strategie. In dieser wird festgelegt: Passt mein IT-Set-up zu meinen unternehmerischen Zielen? Kann ich diese in meiner Cloud-Architektur realisieren? Das dann zu implementieren, ist die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen die Vorteile von Cloud-Computing wirklich voll ausschöpfen können.

Von der Spielweise zum Business-Modell

Viele Unternehmen starten in der Cloud mit einem Minimum Viable Product (MVP). Dabei werden komplexe Infrastrukturen erstmal bewusst ausgeblendet, um schnell einen Mehrwert zeigen zu können. Themen wie Service-Management, Cybersecurity, Governance hängen noch in der alten Welt fest. Doch wenn sich Unternehmen für die Cloud als Plattform entscheiden, ist es notwendig, diese Strukturen nachzuziehen und nachhaltig in der Cloud zu etablieren. Das bedeutet auch, bestehende Silo-Strukturen aufzugeben, da diese einer ganzheitlichen Cloud-Strategie widersprechen. Irgendwann sollten Unternehmen die Cloud nicht mehr als Spielwiese sehen, auf der sie mit einem MVP mal was ausprobieren, sondern die Cloud akzeptieren als ihr zentrales Geschäftsmodell und dafür ein nachhaltiges Cloud-Betriebsmodell aufsetzen.

An dieser Stelle tun sich viele Unternehmen noch schwer. Sie haben die Möglichkeiten der Cloud erkannt und möchten dorthin einzelne Projekte verlagern, aber die Strukturen und Prozesse drum herum möglichst nicht verändern. Die möchten sie noch so betreiben, wie sie es immer gemacht haben. Das führt am Ende aber nur dazu, dass Kosteneinsparungen nicht realisiert werden können, ja, dass man unter Umständen sogar die Kosten erhöht, weil zwei parallele Strukturen betrieben werden müssen. Auch die Geschwindigkeit nimmt ab, wenn durch traditionelle Strukturen doch alles wieder abgestimmt werden muss.

Wenn sich Unternehmen durch ihre eigenen Prozesse ausbremsen, dann hilft ihnen auch eine voll agile Plattform nicht weiter.

Ushananthan Ganeshananthan
  • Partner, Lighthouse Germany, Head of Cloud Consulting Services
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Cloud-Monitor 2020

Der Cloud-Monitor untersucht seit 2011 die Entwicklung der Cloud-Nutzung und die Erfahrungen der Cloud-Nutzer in der deutschen Wirtschaft.

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