Einkauf der Zukunft, Teil II: Im Zentrum der Macht

Szenarien von übermorgen: Was passiert, wenn alles digital und zentral ist?

Keyfacts

  • Die Wirtschaft ist zentralisiert
  • Mensch und Maschine sind gleichberechtigt
  • Die Grenzen zwischen virtueller und echter Welt verschwimmen
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Marcus Schüller
  • Partner, Advisory, Head of Operations Consulting
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Beim Blick in die Zukunft hilft der Blick in die Vergangenheit: Was war der Stand der Technik vor 20 Jahren – und was ist daraus geworden? Die Welt im Jahre 1996 also: Zum ersten Mal gewinnt ein Schachcomputer unter Turnierbedingungen gegen einen Menschen. Alles eine Frage der Perspektive: Technischer Fortschritt wird in der Rückschau erkennbar, die damaligen Sensationen sind heute Standard. Und wie sieht es morgen aus? Und in 20 Jahren?

Fest steht: Die eine Zukunft gibt es nicht. Wohl aber realistische Szenarien, die sich ergeben, wenn man technologische und gesellschaftliche Entwicklungen und Trends konsequent weiterdenkt. Fest steht auch: Unternehmen, die sich für die Zukunft wappnen wollen, machen sich schon heute über sie Gedanken. Eine zentrale Rolle im Unternehmen kommt dabei dem Einkauf zu. Hier fallen die Entscheidungen über Lieferketten, Kunden und Zulieferer und den Umgang mit Daten. Mit der Studie „Future-Proof Procurement“ hat KPMG in Zusammenarbeit mit der Florida State University erstmalig die verschiedenen Trends und Szenarien für den Einkauf zusammengefasst.

Im Rahmen einer vierteiligen Serie werfen wir heute und in den kommenden Wochen einen Blick in die Zukunft des Einkaufs.

Thema heute: Die Welt im Jahr 2035 – der Einkauf als Zentrum der Macht

Was ist passiert? Die Digitalisierung ist bis 2035 weit vorangeschritten, erstens. Dabei ist allerdings etwas geschehen, was viele so nicht erwartet hatten: Die Arbeitsplätze sind keineswegs durch die Digitalisierung und Automatisierung verschwunden, sondern haben sich ausdifferenziert in neue, vielfältige Rollen und Aufgaben mit gestiegener Verantwortungen. Die andere maßgebliche Entwicklung betrifft die betriebliche Organisation: Sie ist stark zentralisiert, wie die gesamte Wirtschaftswelt dem klaren Prinzip von Zentrum und Peripherie folgt. Für die Akteure in den Unternehmen bedeutet das: Große Datenmengen laufen an einem zentralen Punkt zusammen. Eben dort, wo mit ihnen am besten gearbeitet werden kann – im Einkauf. In der neuen Welt dieses Szenarios ist der Einkauf der König, ohne den nichts geht.

„Dafür gibt es vor Allem einen Grund: Das Potenzial für Innovationen findet man zukünftig immer stärker in der Datenwolke. Und diese Datenwolke wird desto besser, je mehr Daten von Lieferanten, Partnern und Kunden dort abrufbar sind“, sagt Dr. Marcus Schüller, Head of Operations Consulting bei KPMG Deutschland. Für die Beschäftigten im Einkauf führt das zu deutlich mehr Verantwortung als bisher. Da sie zum Treiber von Innovationen geworden sind, dürfte parallel dazu das bisherige Paradigma der Kostenersparnis in den Hintergrund treten. Der Einkauf der Zukunft ist in diesem Szenario für unternehmerischen Erkenntnisgewinn zuständig und wird dabei unterstützt durch die neue Technologie der umfassenden Digitalisierung. Wo Unternehmen bei der Organisation ihres Einkaufs heute stehen, analysiert das KPMG Procure-to-Pay Maturity Assessment.

Algorithmen und Künstliche Intelligenzen sind gleichberechtigte Partner der Menschen, die Welt wird von Menschen und Maschinen gleichermaßen „demokratisch“ gestaltet. Die Grenzen zwischen physischer und virtueller Welt verschwimmen zunehmend – ein Ergebnis des umfassenden Gebrauches von Virtual- und Augmented Reality-Anwendungen. „Gut möglich, dass der Einkäufer mittels Datenbrille Einblicke in die Arbeitsabläufe weit entfernter Fabriken in Echtzeit nehmen kann. Und ebenso gut möglich, dass er bei den dann anstehenden Entscheidungen auf die Einschätzungen seiner Algorithmus-Berater zurückgreift, “ sagt Schüller. KPMG zeigt Unternehmen mit dem VR / AR Opportunity Assessment, ob sie für Virtual und Augmented Reality-Anwendungen gerüstet sind

Während im Jahr 2035 in diesem Szenario auf jeden Menschen gut 100 Maschinen entfallen, ist das Miteinander von Mensch und Maschine dennoch gleichberechtigt. Im Rahmen der Zentralisierung ist auch davon auszugehen, dass viele Güter mittlerweile wieder in westlichen Industrienationen gefertigt werden. Daneben wird auch in sogenannten virtuellen Fabriken gearbeitet – zeitlich befristete Zusammenschlüsse verschiedener Unternehmen, die durch den Einkauf ausgewählt, zusammengestellt und gemanagt werden. Auch dadurch steigt die Macht der Einkaufsabteilungen innerhalb der Unternehmens-Hierarchie.

Problem der Zukunft: Sicherheit

Zu den Schwierigkeiten dieser neuen Zeit gehört die Sicherheit: Durch die Zentralisierung der Unternehmensleitungen entstehen gleichzeitig auch klar definierte Angriffsziele für Hacker und Wirtschaftskriminelle. Während die großen Unternehmen darauf mit einem Ausbau ihrer Sicherheitsinfrastruktur reagieren werden, sind kleinere Zulieferer dazu nicht im gleichen Umfang in der Lage. Für Hacker bedeutet das: Durch Attacken auf weniger gut gesicherte Zulieferer gewinnen sie Zugriff auf die vernetzte Datenwolke und erreichen damit letztlich auch die Marktführer.

Ist das realistisch? Nach Meinung der Experten durchaus. 48 Prozent der Befragten halten eine komplett digitalisierte und zentralisierte Zukunft für wahrscheinlich – der höchste Wert aller vier Zukunftsszenarien.

Lesen Sie nächste Woche: Die Welt im Jahr 2035 – Der Einkauf als Projektabteilung.

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie: Der Einkauf hat sich abgeschafft.

Marcus Schüller
  • Partner, Advisory, Head of Operations Consulting
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