Employer Branding: Ist es wirklich Liebe?

Hohe Gagen und Karriere reizen den Nachwuchs nicht mehr, sie suchen nach Essentiellem

Keyfacts

  • Nachwuchs nicht nur an Karriere interessiert
  • Markenpolitik spielt Rolle im Recruiting
  • Unternehmen müssen Identität schärfen
Jens C. Laue
  • Partner, Head of Corporate Governance Services
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Wenn Unternehmen sich von ihrer besten Seite zeigen, haben sie meist den umkämpften Nachwuchs im Auge. Was sie vergessen: Es geht nicht nur um die Bewerber. Sondern auch darum, die eigenen Mitarbeiter zu begeistern.

„Employer Branding“ bedeutet so viel wie „Arbeitgeber-Markenbildung“. Der Begriff ist zu einem Schlüsselbegriff bei Personalern geworden. Es hat sich herumgesprochen, dass sich der heiß begehrte Nachwuchs allein mit der Aussicht auf viel Gage und Karriere kaum noch locken lässt.

Jedes Unternehmen betreibt in irgendeiner Form Markenpolitik, um seine Produkte auf dem Markt besser zu verkaufen. Auf dem Arbeitsmarkt wird diese Markenpolitik eine verstärkte Rolle spielen.

Wie bedeutend ist ein starker Arbeitgeber?

Für die junge Generation ist das Gefühl wichtig, an etwas zu arbeiten, das essentiell ist. Es ist eben nicht egal, wofür das Produkt, das man als Arbeitnehmer mitentwickelt, später eingesetzt wird.

Employer Branding bietet zwei Chancen: Erstens die Möglichkeit, über Social Recruiting Nachwuchskräfte zu gewinnen. Zweitens, die Mitarbeiter auch zu binden. Das Ziel: Die Motivation sowohl bei externen Bewerbern als auch die Zufriedenheit der eigenen Mitarbeiter zu steigern.

Unternehmen sollten ihre Identität und Stärken gegenüber der Öffentlichkeit schärfen.

Digitales Employer Branding hat vor allem den Vorteil, eine ganzheitliche und aktuelle Sicht der Interessenten zu liefern. Im Vergleich zu großen Recruitingdatenbanken und Personalakten spucken soziale Medien direkt ein Feedback aus.

Nicht nur externe, auch interne Teilnehmer reagieren und diskutieren die vorgeschlagenen Themen. Mit den richtigen Ansätzen und Prozessen ist es also möglich, die Pulsmessung der Unternehmenskultur transparent zu gestalten.

In Deutschland mangelt es an echtem Community Management.

Ich beobachte, dass der Fokus von Marken – wenn überhaupt – lediglich auf die Optimierung der Brand Performance zwischen Kunde und Marke zielt. Dies geschieht zu offensichtlich profitorientiert und bietet noch zu selten wirklichen Mehrwehrt für alle Beteiligten.

Denn, was aus meiner Sicht oft vergessen wird: Der Fokus darf nicht nur auf dem Kunden liegen, sondern muss die Marke mit allen internen und externen Teilnehmern, das heißt vor allem mit Mitarbeitern suchen.

Marc Zuckerberg: Facebook ist gemacht für die Menschen, nicht für die Marken.

Der User entscheidet sich vor allem für die Marke, die seinen eigenen Aktivitäten am ehesten gerecht wird. Eine gute Kommunikation besteht aus einem Mix an Unterhaltung, Hilfestellung und Konsum von aktuellen (!) Themen.

Soziale Netzwerke alleine reichen dafür nicht aus. Der Grund: Die Beziehung zwischen der Marke und den Interessenten ist oftmals mangelhaft. Warum ich einer Marke folgen soll und was mir das als Nutzer bringt, ist nicht klar herausgestellt.

Eine gute Strategie ist es, sein Alleinstellungsmerkmal als Unternehmen zu definieren und dieses zu propagieren. Das muss etwas sein, mit dem sich alle Mitarbeiter identifizieren können, was aber auch mit der Unternehmensstrategie vereinbar ist. Wichtig ist, dass die Kommunikation auch mit der Realität im Unternehmen übereinstimmt.

Das Problem liegt beim Sender, nicht beim Empfänger.

Eine perfekte Mischung aus verschiedenen digitalen Marketingformen kann den User auffangen. Neben Content Marketing kann eine eigene App einen Mehrwehrt generieren.

Gute Möglichkeiten für die Steigerung des Social Recruitings können zum Beispiel Tipps für die perfekte Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch oder Videointerviews mit bestehenden Mitarbeitern sein.

Wenn Sie Online-Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung planen, müssen Sie Ihren ganzheitlichen digitalen Footprint im Auge behalten.

Diese Fragen sollten Sie sich stellen:

– Was wollen Sie den Mitarbeitern / Bewerbern sagen?
– Auf welchem Kanal wollen Sie es Ihren Mitarbeitern sagen?
 Beziehen Sie alle Interessensgruppen regelmäßig mit ein?
– Wie lässt sich die Mitarbeiterzufriedenheit in Ihrem Unternehmen am besten messen?

Drei Punkte sind entscheidend:

1. Bauen Sie eine echte Beziehung zu Ihrer Zielgruppe auf und begleiten Sie deren Wachstum! Wichtig: Eine Partnerschaft besteht aus Interaktion!
2. Bieten Sie Ihren Interessenten einen echten Mehrwert mit der richtigen Mischung aus aktueller Information, Unterhaltung und Tipps.
3. Messen Sie die Maßnahmen Ihres Social Recruitings und der Steigerung Ihrer Mitarbeiterzufriedenheit.

Jens C. Laue
  • Partner, Head of Corporate Governance Services
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