Es bleibt in der Familie – oder nicht?

Was Familienunternehmen tun können, wenn ein geeigneter oder williger Nachfolger fehlt.

Keyfacts

  • Dem deutschen Mittelstand steht eine Welle des Generationswechsels bevor
  • Die Suche nach Nachfolgern an der Unternehmensspitze gestaltet sich oftmals langwierig und aufwändig
  • Unternehmen sollten alternative Konzepte wie einen Anteilsverkauf oder die Aufnahme eines temporären Investors in Betracht ziehen
Dr. Vera-Carina Elter
  • Bereichsvorstand Familienunternehmen
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Das Thema Anteilsübergang bzw. Unternehmensnachfolge ist eine der komplexesten Herausforderungen, denen sich Familienunternehmen oder mittelständische Betriebe früher oder später stellen müssen. Es gilt, die Interessen von Familie, Unternehmen und Geschäftsführung unter einen Hut zu bringen. Um einen passenden neuen Gesellschafter zu finden, müssen sich Unternehmer vor dem Hintergrund einer Unternehmensnachfolge beziehungsweise im Rahmen gemeinsamer Investitionen unter Umständen auch außerhalb der Familie oder des eigenen Unternehmens auf die Suche begeben.

Der hohe Investitionsdruck, ein günstiges Finanzierungsumfeld und ein zunehmendes Interesse von Bietern aus dem Ausland sorgen bei Investoren aktuell für mehr Wettbewerb. Kein Wunder: Deutschlands Mittelstand lockt mit versteckten Weltmarktführern, anstehenden Generationswechseln, neuen Wachstumspotenzialen und langfristiger Orientierung. Dadurch eröffnen sich zusätzliche Chancen für Unternehmen beim Anteilsverkauf. Auch der zunehmende Trend der Investitionen von Family Equity-Gesellschaften belebt den Markt. Diese bringen nicht nur Erfahrung und Branchenkenntnisse aus ihrer eigenen Geschäftstätigkeit mit, sondern haben ebenfalls ein großes Interesse an nachhaltigem Wachstum und einer hoch motivierten Belegschaft. Verantwortung übernehmen und langfristig in Generationen denken: Für Family Equity-Gesellschaften sind das vertraute Werte.

Wie aber den richtigen neuen Gesellschafter finden? Und wie sieht es aus mit Kaufpreisermittlung, Finanzierung, Risikoverteilung und Unternehmenskultur?

Möglichkeiten des (Teil-)Verkaufs bzw. der Unternehmensnachfolge

Bei der Verkaufsentscheidung spielen vielfältige Faktoren eine Rolle: So können z. B. der Kaufpreis, die Nachhaltigkeit, Übereinstimmung mit der eigenen Wertekultur und die professionelle Abwicklung der Unternehmensübergabe letztlich ausschlaggebend sein. Diese Faktoren müssen intensiv abgewogen werden. Als attraktive Möglichkeit eines (Teil-)Verkaufs steht z. B. ein Management Buy-in zur Verfügung. Ein Externer wird dabei als geschäftsführender Gesellschafter in das Unternehmen aufgenommen und bietet dem Unternehmer vor allem die Perspektive, das eigene Lebenswerk nachhaltig fortzuführen. Im Markt gibt es viele Führungspersönlichkeiten, die interessiert sind, ein Unternehmen zu erwerben, ohne selbst gründen zu wollen.

Von großem Mehrwert für den Unternehmer sind insbesondere auch Gesprächspartner, die selbst aus einer Unternehmerfamilie stammen bzw. mit dem Mittelstand verbunden sind. Family Equity-Gesellschaften beziehungsweise Family Offices haben ihren Ursprung im Mittelstand und agieren daher ebenso langfristig und nachhaltig. Aufgrund der finanziellen Spielräume, die sich einem Unternehmer eröffnen, könnte aus Wachstumssicht ebenfalls die Entscheidung für einen nachhaltig agierenden Finanzinvestor oder eine Mittelstandsholding durchaus sinnvoll sein.

Auch strategische Investoren können in vielen Fällen die geeigneten Käufer sein, mit denen sich im Hinblick auf Wachstum und Unternehmensfortbestand nachhaltige Synergien für beide Unternehmen erzielen lassen.

Sich eine Nachfolge-Strategie erarbeiten

Je klarer die Vorstellungen des Unternehmers sind, desto einfacher ist es später, den Verkaufs- oder Beteiligungsprozess erfolgreich voranzutreiben. Allerdings ist der Markt für Beteiligungen häufig intransparent. Viele gute mittelständische Unternehmen kennen zwar ihre Kunden, ihre Zulieferer und ihre direkten Wettbewerber. Aber wenn es um einen (Anteils-)Verkauf oder die Nachfolgeregelung geht, fehlt ihnen oft ein Ansprechpartner, der weiterhelfen kann. Zugleich ist das Thema auf Verkäuferseite hochemotional, wenn es etwa darum geht, das Lebenswerk in „familienfremde“ Hände zu geben.

Familienunternehmen sind deshalb gut beraten, auf eine neutrale und anonyme Vermittlungsumgebung zu setzten, in der sie sich erst einmal in Ruhe und ohne Druck über ihre Möglichkeiten umfassend informieren können. Denn nichts ist schädlicher für die eigene Verhandlungsposition, als wenn das Gegenüber weiß, dass man akut zum Handeln gezwungen ist.

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Dr. Vera-Carina Elter
  • Bereichsvorstand Familienunternehmen
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