FATCA: Warum sich die Bank für meine US-Steuer interessiert

Die Steuerverwaltung der USA kämpft gegen den grenzüberschreitenden Betrug von US-Bürgern

Keyfacts

  • Kampf gegen grenzübergreifenden Steuerbetrug
  • Steuerbetrug auch in Deutschland Problem
  • Bankgeheimnis ist obsolet
Frank Aussendahl
  • Partner, Tax
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Wer in Deutschland ein Konto eröffnen will, wird mit Formularen überschüttet. Seit neuestem kommt eine Erklärung zur Steuerpflicht in den USA dazu. Was steckt dahinter?

Egal, ob Sie derzeit ein Konto eröffnen oder bereits Kontoinhaber sind: Ihre Bank interessiert sich nicht nur für Ihr Geld, sondern auch für jeglichen US-Bezug in Ihren Daten. Entweder Ihnen flattert in diesen Tagen Post ins Haus oder Ihr Berater fordert Sie persönlich dazu auf, eine Erklärung zur Steuerpflicht in den USA abzugeben.

Warum interessieren sich deutsche Banken für die US-Steuerpflicht ihrer Kunden?

Die Steuerverwaltung in den USA kämpft seit einigen Jahren verstärkt gegen den grenzüberschreitenden Steuerbetrug von US-Bürgern. Die Herausforderungen für die Behörde sind allerdings aufgrund der vermehrten Möglichkeiten zur Geldanlage im Ausland größer geworden.

Zwar werden US-Steuerpflichtige mit ihren weltweiten Einkünften besteuert. Sie haben in der Vergangenheit diese Einkünfte dem amerikanischen Fiskus jedoch nicht immer vollständig in ihrer Steuererklärung angegeben. Die Lücken sind groß – und das Schließen dieser, ist gewinnbringend für den amerikanischen Fiskus.

Der US-Gesetzgeber setzt auf FATCA.

Nach dem Foreign Account Tax Compliance Act oder auch FATCA sind Finanzinstitute weltweit verpflichtet, Daten in Bezug auf ihre US-steuerpflichtigen Kontoinhaber über die nationale Steuerbehörde an die US-amerikanische Finanzverwaltung (Internal Revenue Service – IRS) zu übermitteln – entweder direkt oder aufgrund eines Abkommens ihres Ansässigkeitsstaates mit den USA.

Deutsche Kreditinstitute müssen aufgrund eines solchen Abkommens jährlich die bei ihnen geführten Konten von US-steuerpflichtigen Kontoinhabern an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) melden. Dieses übermittelt sodann die Daten an den IRS.

Anhand der bereitgestellten Informationen kann die US-Steuerbehörde die gemachten Angaben ihrer Steuerschuldner prüfen – und Fälle von Steuerhinterziehung aufdecken.

Auch Gesellschaften oder Unternehmen werden gemeldet.

Nicht nur natürliche Personen, sondern auch Konten und Depots von bestimmten Gesellschaften und Unternehmen sind betroffen.

Sofern US-Personen unmittelbar oder mittelbar in Höhe von mindestens 25 Prozent an einer Nicht-US-Gesellschaft beteiligt sind bzw. diese beherrschen und die Erträge der Gesellschaft mehrheitlich aus Finanzanlagen stammen, gilt das Konto dieser als US-Konto.

In diesem Fall wird das Konto zuzüglich der US-Personen an den IRS gemeldet. US-Gesellschaften, die ihren Sitz oder ihre Geschäftsleitung in den USA haben, werden generell gemeldet.

Was das für die Banken bedeutet.

Die Banken arbeiten seit Monaten fieberhaft daran, die Auflagen des Gesetzgebers zu erfüllen. Kontoinhaber mit US-Bezug müssen identifiziert, Steuernummern abgefragt und Kunden angeschrieben werden – jede Menge Aufwand und Ressourcen, um die Informationen zu sammeln und zu melden.

Ähnliches gilt für Versicherungen. Auch diese müssen bestimmte Renten- und Lebensversicherungsprodukte für diesen Personenkreis melden.

In Deutschland stellt Steuerhinterziehung ebenfalls ein zunehmendes Problem dar.

Experten schätzen das Ausmaß der Steuerhinterziehung inzwischen auf 13 Milliarden Euro. Der Informationenaustausch AEOI bringt bereits Bewegung in die Steuerdebatte: Deutschland und einige andere „Early Adopters“-Staaten haben inzwischen einen dem FATCA vergleichbaren internationalen Datenaustausch zwischen den Finanzverwaltungen von mehr als 50 Staaten vereinbart.

Die teilnehmenden Länder wollen jährlich Daten über Auslandskonten ihrer Staatsbürger austauschen. Bereits ab 2016 werden Kunden bei Kontoeröffnung erklären müssen, in welchem Land sie steuerpflichtig sind. Das Bankgeheimnis hat sich damit erledigt. Die Möglichkeiten von Steuerflüchtigen zur Steuerhinterziehung werden deutlich erschwert.

Frank Aussendahl
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