Fest der Ressourcen

Fünf Rohstoffe, deren Preise sich auf beliebte Weihnachtsartikel auswirken

Keyfacts

  • Haselnussfrost ließ Preise stark steigen
  • Kakao wird zum Investment
  • Goldbesitz in Privathaushalten so hoch wie noch nie
Klardenker- Redaktion
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An Weihnachten sind die Menschen großzügiger als sonst, schauen nicht aufs Geld. Das Fest ist mittlerweile eine Ressourcenschlacht und logistische Herausforderung. Die Menschen konsumieren in rauen Mengen. Dank der vielen bunten Lichter wird auch mehr Energie verbraucht als sonst. Aber nicht nur das: Auch die Preise verschiedener Rohstoffe, die in beliebten Weihnachtsartikeln stecken, ziehen vor dem Fest häufig nochmal an.

Was passieren kann, wenn man sich zu abhängig von einem Haselnuss-Lieferanten macht, bekamen die Anhänger von Weihnachtskeksen vor zwei Jahren zu spüren. Rund zwei Drittel der weltweit geernteten Haselnüsse wachsen in der Türkei. Eine frostige Nacht im Frühjahr reichte aus, um so viele junge Blüten erfrieren zu lassen, dass knapp die Hälfte der Ernte ausfiel. Das führte nicht nur dazu, dass der Preis enorm anstieg, im Weihnachtsgeschäft waren plötzlich überhaupt keine Haselnüsse mehr in den Supermärkten vorhanden. Eine schlechte Ernte können die nachfolgenden Anbauländer – Italien, die USA, Georgien und Aserbaidschan – nicht ausgleichen. Lange Zeit kostete ein Kilo Haselnüsse sechs Euro, nach der Frostnacht klettere der Preis auf stattliche 16 Euro. Von den Folgen des Jahrhundertfrosts hat sich der Markt noch nicht erholt. Ein Kilo kostet immer noch zehn Euro.

Echte Kerzen sind in vielen deutschen Haushalten ein Muss – vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit. Die wichtigste Brennmasse für Kerzen ist Paraffin. Pro Kopf brennen die Deutschen jährlich 2,6 Kilo Kerzen ab, das ist doppelt so viel wie der Rest der Europäer im Schnitt. In Europa werden 90 Prozent der Kerzen mit Paraffin hergestellt. Paraffine werden überwiegend aus dem fossilen Brennstoff Erdöl gewonnen. Mit Hilfe aufwändiger Verfahren wird das Paraffin weiterverarbeitet bis ein gereinigtes, weißes und geruchsfreies Produkt entsteht. Obwohl der Ölpreis in diesem Jahr stark gefallen ist, sind die Kerzenpreise leicht gestiegen. Das liegt auch daran, dass viele Raffinerien ihre Produktion umgestellt haben. Durch die immer effizienter werdende Raffinerietechnik fällt aber immer weniger dieses ausgezeichneten Kerzenrohstoffs an. Künftig wird es deshalb mehr Kerzen aus Stearin oder anderen organischen Fetten geben, wegen ihrer Bruchempfindlichkeit sind sie aber weniger beliebt. Und auch nicht günstiger.

Die ganze Welt liebt Schokolade – und Schokolade braucht Kakao. Und zwar in rauen Mengen. In China entdeckt zum Beispiel gerade die Mittelschicht ihre Vorliebe für die Süßigkeit. Die Internationale Kakaoorganisation ICCO rechnet deshalb mit einem Wachstum von acht Prozent. Die zwei weltweit größten Kakao-Lieferanten, Ghana und die Elfenbeinküste, können solche Zuwächse aber kaum produzieren. Hinzu kommt, dass immer mehr Spekulanten die kleine Bohne als lukratives Investment entdecken. Kakao ist ein exklusiver Rohstoff, gerade einmal vier Millionen Tonnen werden jährlich gehandelt. Zum Vergleich: bei Weizen sind es mehr als 600 Millionen Tonnen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Preis für eine Tonne Kakaobohnen mehr als verdoppelt. Kein Wunder, dass auch die Schokolade immer teurer wird. In diesem Jahr stiegen die Preise für eine 100-Gramm-Tafel zum ersten Mal über die psychologisch wichtige Schwelle von einem Euro. Immerhin: Im November fiel der Kakaopreis auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

Knapp jeder fünfte Deutsche, das hat eine Umfrage ergeben, wird in diesem Jahr an Weihnachten Schmuck verschenken, in vielen Fällen: Goldschmuck. Und offensichtlich haben zumindest einige schon zugeschlagen. Zumindest besaßen die deutschen Privathaushalte noch nie so viele Goldreserven wie jetzt – 8.700 Tonnen. Aber nicht nur die Summe hat sich vergrößert, sondern auch der Anteil der Bevölkerung, die Gold in Form von Schmuck, Barren oder Goldmünzen besitzen. Als Begründung nennen die meisten Bundesbürger gesicherten Werterhalt, Schutz vor Inflation oder eine zu erwartende Wertsteigerung. Das steht allerdings im Widerspruch zur Preisentwicklung. Zwar hat der Goldpreis im Jahr 2012 seinen bisherigen Spitzenwert erreicht. Doch davon hat er fast ein Drittel schon wieder verloren. Das ist schlecht für die Anlage, aber gut für diejenigen, die ihren Angehörigen mit einem schönen Schmuckstück einfach nur eine Freude machen wollen.

Viele Elektronik-Produkte, die zu beliebten Weihnachtsgeschenken gehören, sind ohne seltene Erden undenkbar. So sorgt beispielsweise Neodym als Magnet für die richtige Leistung und den besseren Bass in Lautsprechern. Eine ganze Reihe von seltenen Erden stecken in Bildschirmen wie Terbium für grün und Europium für rot. Die größten Vorkommen befinden sich in China. Deshalb haben die Hersteller erleichtert zur Kenntnis genommen, dass die Volksrepublik die Exportbeschränkungen im vergangenen Jahr aufgehoben hat. Denn in den davor haben sich die Preise rasant entwickelt: Von 2006 bis 2011 war Dysprosium, das etwa in der Lasertechnik verwendet wird, um das Vierzigfache teurer geworden. Zuletzt gingen die Preise deutlich nach unten. Von Dauer wird die Entspannung aber kaum sein. Bis 2035, das ergab eine Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung, dürfte das Doppelte der heutigen Produktion nötig sein, um den Bedarf zu decken.

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