Geldwäschegesetz: Bleiben Sie sauber

Wie Unternehmen den Überblick in Sachen Geldwäsche-Compliance behalten

Keyfacts

  • Sorgfaltsplichten für Unternehmen haben sich erhöht
  • Mitarbeit beim Transparenzregister nun verpflichtend
  • Geldwäschebekämpfung nur ein Teil von Corporate Governance
Stefan Otremba
  • Senior Manager, Compliance & Forensic
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Am 26. Juni 2017 ist das neue Geldwäschegesetz (GwG) in Kraft getreten. Anders als häufig vermutet, geht dessen Anwendungsbereich deutlich über den Finanzsektor hinaus: So haben sich auch bei Industrie- und Handelsunternehmen sowie Immobilienmaklern die Sorgfaltspflichten in vielen Fällen deutlich erweitert. Faustregel: Wer die gesetzlich beschlossenen Sicherungsmaßnahmen nicht in seinem Unternehmen implementiert hat, läuft Gefahr, Bußgelder zu kassieren.

Im Interview erklärt Dr. Stefan Otremba, Senior Manager Compliance und Forensic bei KPMG Deutschland, was sich durch das neue Geldwäschegesetz ändert und wie Unternehmen nun aktiv werden müssen.

Herr Dr. Otremba, worin genau bestehen die verstärkten Sorgfaltspflichten des novellierten Geldwäschegesetzes?

Die wichtigste Neuerung des GwG besteht sicher in der Pflicht zur Einführung eines wirksamen geldwäschebezogenen Risikomanagements. Die Verpflichteten – und dazu zählen auch zahlreiche Unternehmen im Nichtfinanzsektor, insbesondere Güterhändler – müssen eine Risikoanalyse durchführen und auf deren Grundlage angemessene interne Sicherungsmaßnahmen ergreifen, um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung effektiv zu bekämpfen. Wer diese erweiterten Anforderungen nicht beachtet, sieht sich nicht nur erhöhten Bußgeldrisiken von bis zu einer Million Euro ausgesetzt. Mit der neuen „naming & shaming“-Regel laufen Unternehmen künftig Gefahr, in aller Öffentlichkeit benannt und sogar von öffentlichen Vergabeverfahren ausgeschlossen zu werden.

Sind alle Unternehmen zur Durchführung einer Risikoanalyse verpflichtet?

Grundsätzlich ja. Allerdings gelten Erleichterungen für Güterhändler, die das Leisten oder Entgegennehmen von Barzahlungen in Höhe von mindestens 10.000 Euro vermeiden. Aber klar ist auch: Wer wirksam Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung bekämpfen und insbesondere die kundenbezogenen Sorgfaltspflichten erfüllen will, kommt um eine initiale Risikoanalyse nicht herum. Das gilt auch für Unternehmen, die ihre Geschäfte ausschließlich unbar abwickeln. Aus meinen Gesprächen mit Aufsichtsbehörden weiß ich, dass die Geldwäsche-Risikoanalyse als Kernbestandteil unternehmerischer Sorgfalt verstanden und in der Regel unabhängig vom Verpflichtetenstatus eingefordert wird.

Risikoanalyse: Das klingt nach viel Arbeit. Was können Unternehmen tun, um dieser Anforderung auf effektive und effiziente Weise nachzukommen?

Im Rahmen der Risikoanalyse sollten geographische, kundenbezogene, produktbezogene, vertriebsbezogene und zahlungsverkehrsbezogene Risiken der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung analysiert und bewertet sowie für Dritte nachvollziehbar dokumentiert werden. Wer sein Geschäftsmodell und seine Geschäftspartner gut kennt und weiß, wie Geldwäsche stattfindet, kann eine initiale Risikoanalyse mit überschaubarem Aufwand durchführen.

Wichtiger noch: Die Investition in die Analyse lohnt sich, da die auf ihr basierenden Maßnahmen zielgenauer erfolgen können. Oder anders formuliert: Wer Transparenz über seine Risiken hat, weiß besser, was er tun muss, um diesen zu begegnen. Insofern sehe ich die gesetzliche Anforderung auch als eine Chance für Unternehmen, eine effektive Compliance mit effizienten Unternehmensprozessen in Einklang zu bringen.

Unabhängig von der Risikoanalyse. Welche sonstigen Neuerungen bringt das novellierte Geldwäschegesetz?

Eine weitere Anforderung besteht darin, dass nunmehr eine Pflicht für Unternehmen besteht, ihre sogenannten wirtschaftlich Berechtigten an das Transparenzregister zu melden. Wirtschaftlich Berechtigte sind, kurz gefasst, Personen, in deren Eigentum oder unter deren Kontrolle ein Unternehmen letztlich steht.

Was zunächst einfach klingt, kann gerade bei komplexen Beteiligungsstrukturen, langen Beteiligungsketten oder auch Auslandsbezügen schnell sehr unübersichtlich werden. Umso wichtiger ist es, sich mit der bereits seit 1. Oktober 2017 bestehenden Meldepflicht auseinander zu setzen und im Zweifel professionellen Rat einzuholen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und auch hier Bußgeldrisiken zu vermeiden.

Sie haben selbst als Geldwäschebeauftragter bei einem Mandanten die Anti-Geldwäsche-Compliance verantwortet und zahlreiche andere Mandanten beim Aufbau ihrer Compliance-Systeme beraten. Was empfehlen Sie Unternehmen, um in diesem anspruchsvollen Rechtsgebiet nicht den Überblick zu verlieren?

Die Anti-Geldwäsche-Compliance ist gerade deshalb so interessant und anspruchsvoll, weil es eines guten Verständnisses des operativen Geschäfts sowie tiefer Einblicke in die möglichen kriminellen Vortaten der Geldwäsche und die Verschleierungstechniken bedarf, um diese erkennen und effektiv bekämpfen zu können.

Um hierbei auch Wirtschaftlichkeitsaspekte nicht aus dem Blick zu verlieren, rate ich Unternehmen, die Geldwäsche-Compliance nicht isoliert zu betrachten. Ich sehe sie vielmehr als Bestandteil einer gesamthaften unternehmerischen Compliance, die ihrerseits wiederum Teil der Corporate Governance ist. Deshalb sollten Unternehmen die internen Sicherungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche eng mit bereits bestehenden Compliance-Strukturen und –Prozessen vom Regelwerk über die Mitarbeiterschulung bis hin zum Hinweisgebersystem verzahnen und dadurch Synergiepotenziale nutzen. Wer hier intelligent vorgeht, der verhindert auf effektive und effiziente Weise, dass er zu Geldwäsche-Zwecken missbraucht wird und vermeidet rechtliche, finanzielle und Reputationsrisiken.

Herr Dr. Otremba, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Stefan Otremba
  • Senior Manager, Compliance & Forensic
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