6 globale Trends, die für Unternehmen 2020 wichtig werden

Welche weltweiten Entwicklungen Sie in diesem Jahr im Blick behalten sollten

Keyfacts

  • Besonders wichtig werden Entwicklungen aus den Bereichen Geopolitik, Nachhaltigkeit und Technologie – von weltpolitischen Turbulenzen über Klimawandel bis hin zu Cyber Crime.
  • Sechs globale Trends könnten prägend für Wirtschaft und Gesellschaft werden.
  • Unternehmen, die sich darauf einstellen, können mögliche Schwierigkeiten zu Chancen machen.
Mattias Schmelzer
  • CMO, Mitglied des Vorstands, Regionalvorstand Hamburg
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Durchatmen, zur Ruhe kommen – dafür hat das beginnende Jahrzehnt Beobachtern bisher wenig Zeit gelassen.

In Iran schwelt eine neue Krise, der Brexit rückt näher, die Waldbrände in Australien dauern an und auch die technologische Entwicklung hat nicht Halt gemacht. Vor dem Beginn des World Economic Forum in Davos lassen diese Punkte bereits erahnen, dass 2020 dem vergangenen Jahr an Komplexität in nichts nachstehen wird.

Auch in den nächsten Monaten kommt auf die Wirtschaft wieder eine Vielzahl an Herausforderungen aus den Bereichen Geopolitik, Nachhaltigkeit und Technologie zu.

Unser Rat an Unternehmen lautet deshalb weiterhin, diese Themen ins Zentrum ihrer Strategie zu rücken.

Sechs Trends sollten Top-Manager dabei besonders im Blick behalten, um potenzielle Schwierigkeiten in Chancen verwandeln zu können:

Trend 1: Entflechtung der Weltwirtschaft

Freier Welthandel – diese jahrzehntelange Gewissheit ist passé. Unternehmen werden in diesem Jahr nicht umhinkommen, das anzuerkennen.

Zurzeit sieht es zwar so aus, als ob der Handelsstreit zwischen USA und China zu einem Ende kommen könnte. Doch der Eindruck täuscht. Der Konflikt war nur der Beginn einer sehr viel größeren Entwicklung – nämlich der Entkopplung („decoupling“) der beiden Wirtschaftsmächte. In der Folge könnten Unternehmen Wertschöpfungsketten nicht mehr global aufbauen.

Unternehmen sollten sich darauf vorbereiten und überlegen, wie sie sich in einem solchen Szenario positionieren.

Trend 2: Auswirkungen des US-chinesischen Konflikts auf Technologie

Die drohende Entkopplung Chinas von der USA (und umgekehrt) werden Unternehmen in diesem Jahr besonders stark auf dem Feld der Technologie spüren.

In diesem Sektor schreitet die Entzweiung der beiden Großmächte bereits voran – insbesondere bei Schlüsseltechnologien wie Big Data und künstliche Intelligenz. Die Diskussion um den Mobilfunkstandard 5G in Deutschland ist ein Beispiel.

Und der Prozess könnte weitergehen. So plant China, einen eigenen Halbleitermarkt aufzubauen. Zudem arbeiten chinesische Technologie-Unternehmen an eigenen Software-Ökosystemen.

Für Unternehmen heißt das: Sie sollten die geopolitischen Implikationen von technologischen Entwicklungen stets mitdenken und in ihre Unternehmensstrategie und ihr Risikomanagement einbeziehen.

Trend 3: Unzureichende Antizipation des Klimawandels

Der Klimawandel hat in der Praxis drei Dimensionen: eine faktische, eine regulatorische und eine gesellschaftliche. Relevant sind also nicht nur faktische Schäden wie Wetterextreme und neue Regulationen wie die geplante EU-Taxonomie, sondern auch die gesellschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels. Denn der Klimawandel kann soziale Spannungen verstärken.

Da solche Punkte bisher noch nicht umfassend politisch geklärt sind, sollten Unternehmen den Klimawandel und die gesellschaftlichen Folgen in ihre operative Planung und ihr Risikomanagement einbeziehen. Im Mittelpunkt sollte die Frage stehen: Wie betrifft der Klimawandel mein Geschäftsmodell – und wie wird es von meinen Stakeholdern wahrgenommen?

Darauf aufbauend lässt sich entscheiden, wie sich das eigene Geschäft mithilfe anderer Standorte, Lieferketten und Produktionsmethoden klimafreundlicher gestalten und vor Wetterschäden schützen lässt.

Trend 4: Geopolitische Turbulenzen

Es steht zu befürchten, dass uns dieses Jahr weitere geopolitische Turbulenzen beschäftigen.

Unternehmen sollten sich für solche Ereignisse vorbereiten, indem sie ihr Risikomanagement ausbauen. So bietet es sich etwa an, eine detaillierte Analyse von politischen Gefahren für Märkte zu erstellen, in denen man aktiv tätig ist, – und Lösungen für die jeweiligen Szenarien vorzubereiten.

Trend 5: Cyber Crime

Von künstlicher Intelligenz bis zu Quantencomputing: Das Fortschreiten der Technologie wird auch zu einer Zunahme von Cyberangriffen und Industriespionage führen – und ein Teil dieser Angriffe wird auch von Staaten ausgehen.

Dabei können schon verhältnismäßig kleine Fehler von Unternehmen zu millionenschweren Schäden führen. Deshalb sind Firmen gut beraten, in Cyber Security zu investieren.

Trend 6: Anpassung eröffnet neue Chancen

Von der US-chinesischen Entkopplung über den Klimawandel bis hin zu Cyberattacken: Die globalen Trends stellen nicht nur Gefahren dar.

Für Unternehmen, die es verstehen, sich auf die aktuellen Gegebenheiten einzustellen, eröffnen sich auch neue Chancen. Denn weltweit gibt es einen großen Bedarf nach Geschäftsmodellen, die intelligente Lösungen für die vielfältigen Probleme der Gegenwart bieten.

Mit einer großen Zukunft darf etwa jede Geschäftsidee rechnen, die den CO2-Ausstoß reduziert – zum Beispiel Innovationen im Bereich der Circular Economy.

Fazit

Die Zeiten bleiben komplex. Wie Blackrock-Chef Larry Fink vergangene Woche in seinen Briefen an CEOs und Kunden schrieb, stehen wir vor einer „fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt“, die Klimaschutz für Firmen zur Notwendigkeit machen wird.

Diese neue Wirtschaftswelt, in der neben Nachhaltigkeit auch die Themen Geopolitik und Technologie essenziell sind, wird auch 2020 für Unternehmen viele schwierige Entwicklungen bereithalten.

Doch wer sich rechtzeitig vorbereitet, wird auch im neuen Jahr Zeit zum Durchatmen haben – und die vielen neuen Chancen nutzen können.

Mattias Schmelzer
  • CMO, Mitglied des Vorstands, Regionalvorstand Hamburg
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