Hohe Kosten durch Sarbanes-Oxley Act

Viele ausländische Unternehmen haben sich von der Wall Street verabschiedet

Keyfacts

  • Umsetzung und Einhaltung des Sarbanes-Oxley Acts kostet die Unternehmen viel Geld
  • Daimler und andere deutsche Unternehmen haben die Wall Street verlassen
  • US-Start-ups von SOX-Nachweispflichten teilweise entbunden
Ulf Lipske
  • Director, Risk & Compliance Services
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Der im Jahr 2002 vom US-Kongress auf den Weg gebrachte Sarbanes-Oxley Act (SOX) sollte eigentlich dabei helfen, die Verlässlichkeit von Unternehmensberichten für börsennotierte Unternehmen zu steigern und Anlegern am US-Markt mehr Sicherheit geben. Damit junge Unternehmen nicht ins Hintertreffen geraten, besserte die US-Regierung 2012 nach.

Wie eine Studie mehrerer US-Forscher belegt, können Unternehmen durch den Sarbanes-Oxley Act tatsächlich benachteiligt werden. Denn wie die Studie zeigt, führt SOX nicht zu einer erhöhten Transparenz, sondern lediglich zu einer Benachteiligung der Unternehmen, die SOX befolgen gegenüber denjenigen, die diese Art der Berichterstattung nicht vorhalten müssen.

Fest steht, dass der Sarbanes-Oxley Act die betroffenen Unternehmen viel Geld bei der Umsetzung und Einhaltung gekostet hat und weiterhin kostet. Vor allem durch die schrittweise in Kraft getretene Section 404, die die Einrichtung eines funktionsfähigen rechnungslegungsbezogenen Internen Kontrollsystems (IKS) und dessen Dokumentation sowie Wirksamkeitsprüfung verlangt. „Die betroffenen Unternehmen haben das gut umgesetzt, indem sie Verantwortliche unterhalb der Top-Manager Ebene das Zahlenwerk bestätigen lassen – und somit den CEO oder CFO stärker aus der direkten Haftung nehmen“, erklärt SOX-Experte Ulf Lipske die Situation in vielen Unternehmen.

Trotz der Hürden lohnt sich der Schritt für viele Unternehmen, SOX zu implementieren. An der Wall Street werden sie mitunter besser bewertet als an den heimischen Börsenplätzen.

So funktioniert SOX in der Praxis

Laut Lipske wurde mittels des im Mai 2013 veröffentlichten aktualisierten COSO-Rahmenwerkes (Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission) eine praxisnahe Möglichkeit zur Umsetzung und Dokumentation des Internen Kontrollsystems (IKS) geschaffen. Dieser Ansatz basiere auf fünf vordefinierten Ebenen, die die inhaltlichen Anforderungen an das IKS festlegen und deren ganzheitliche Ausgestaltung durch insgesamt 17 weitere Prinzipien strukturieren.

Eine wesentliche Änderung des COSO 2013 Rahmenwerkes ist zudem die gesteigerte Relevanz von „Management Review Controls“, durch die das Management stärker in die Verantwortung für die Wirksamkeit des Internen Kontrollsystems gezogen wird und somit in seiner Funktion als Vorbild für die gesamte Belegschaft fungiere. Dies sei das in Fachkreisen bekannte tone at the top, so der Experte weiter.

Viele ausländische Firmen auf dem Rückzug

Der Sarbanes-Oxley Act hatte auch zur Folge, dass sich viele ausländische Unternehmen spätestens seit dem Jahr 2007 vom Parkett der Wall Street ab- und zahlreiche kleinere Unternehmen erst gar nicht anmeldeten, weil eine SOX-Umsetzung schlichtweg zu teuer gewesen wäre.

Ein prominentes deutsches Beispiel ist die Daimler AG. Der deutsche Autobauer hatte 1993 die ersten Papiere an der New Yorker Börse ausgegeben. Der Rückzug vom US-Parkett erfolgte im Mai 2014. Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtete, erklärte das Unternehmen diesen Schritt damit, dass die Kosten den Nutzen übersteigen.

Daimler ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das sich vom US-Börsenparkett zurückgezogen hat. So haben u.a. auch die Allianz, Deutsche Telekom und Siemens die Wall Street verlassen und konzentrieren sich auf den heimischen Handelsplatz in Frankfurt – immer auch um Kosten einzusparen.

US-Regierung bessert mit neuem Gesetz nach

Weil die Anforderung des Sarbanes-Oxley Acts besonders junge Unternehmen vor nahezu unüberwindbare Hürden stellt, wurde unter US-Präsident Barack Obama der Jumpstart Our Business Startups (JOBS) Act im Jahr 2012 verabschiedet. Er entbindet qualifizierte Unternehmen, die an der US-Börse aktiv sind, teilweise von den Nachweispflichten durch den Sarbanes-Oxley Act.

Das Gesetz soll dabei helfen, US-amerikanische Start-ups weiter zu fördern. Ferner können sie sich durch JOBS auch bis zu 50 Millionen US-Dollar aus anderen Quellen als den etablierten Finanzdienstleistern und Wertkapitalfirmen erhalten – bislang waren es lediglich 5 Millionen Dollar.

Außerdem können Unternehmen, deren Umsatz unter einer Milliarde Dollar liegt, erste Unterlagen für einen geplanten Börsengang zunächst vertraulich einreichen. Unter anderem Twitter und Software-Hersteller Hortonworks hatten diese Möglichkeit vorm Börsengang genutzt.

Der JOBS-Act hilft jungen Unternehmen dahingehend, dass sie weniger stark reguliert werden und in Folge dessen auch einer einfacheren Berichtspflicht unterliegen.

Ulf Lipske
  • Director, Risk & Compliance Services
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