Im Jahr 2045 werden Roboter wie Menschen denken können

Der Vorteil des Menschen bleibt vorerst sein chaotisches Denkvermögen

Keyfacts

  • Roboter sind schon heute weit verbreitet
  • Kognitive Fähigkeiten werden entwickelt
  • Entwicklung wird sich nicht stoppen lassen
Thomas Erwin
  • Partner, Advisory
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Es ist wohl eine typisch menschliche Angst, zu fürchten, dass wir eines Tages Maschinen bauen könnten, die intelligenter sind als wir selbst – die dann die Macht übernehmen. Schon Anfang der 40er Jahre ging der junge Autor Isaac Asimov davon aus, dass Roboter spätestens im 21. Jahrhundert mit der Intelligenz des Menschen mithalten würden. Deshalb entwarf der russisch-amerikanische Biochemiker und Science-Fiction-Autor seine „Grundregeln des Roboterdienstes“. Oberste Regel: Ein Roboter darf kein menschliches Wesen wissentlich verletzen. So weit, so beunruhigend. Asimov war aber auch skeptisch, wie schnell die Entwicklung voranschreiten würde. In seinem Artikel „Besuch der Weltausstellung 2014“ von 1964 formulierte Asimov eine Reihe von Annahmen über die Zukunft – unter anderem sagte er voraus, dass „Roboter … 2014 weder verbreitet noch sehr gut sein [werden], aber sie werden existieren.“

Asimov hat sich gründlich geirrt. Auch wenn sie selten im Kinderzimmer stehen, Roboter sind heute weit verbreitet – vor allem aus der Fertigung sind sie kaum noch wegzudenken. Manche Aufgaben haben die Maschinen vom Menschen komplett übernommen, weil sie schneller, kostengünstiger und besser sind. Denn Roboter sind gut, wenn sie immer und immer wieder den gleichen monotonen Vorgang zu erledigen haben. Und doch hat Asimov in einem entscheidenden Punkt Recht behalten, denn das entscheidende Puzzleteil fehlt: die Fähigkeit zum eigenmächtigen Denken und Entscheiden.

Roboter als Verlängerung des Menschen

Betrachtet man die bisherige Entwicklung, dann scheint eine Annahme immer deutlicher Formen anzunehmen: Wir werden in nicht allzu ferner Zukunft einen Zustand haben, in dem die Roboter in ihren biomechanischen Fähigkeiten sehr nah an die Fähigkeiten von Menschen oder von Tieren gelangen – oder diese sogar übertreffen

Wissenschaftler aus Japan haben realistisch anmutende Menschenroboter herstellen können, die als Lehrkraft zum Einsatz kommen oder Nachtschichten an der Rezeption in einem Hotel übernehmen. Es gibt Roboter, die Geige oder Fußball spielen und unglaublich schwere Lasten tragen können. Das ist eine tolle Sache, wenn sie beispielsweise dafür eingesetzt werden, Menschen aus zerstörten Städten zu retten. Doch eigenständige Wesen mit eigenem Willen sind sie noch lange nicht. Sie sind immer noch eine Verlängerung des menschlichen Organismus. Denn die Entscheidungen, was und wie sie etwas tun oder lassen, werden immer noch von den menschlichen Gehirnen getroffen.

Diese große Grenze werden Roboter nur überschreiten, wenn sie irgendwann in der Lage sind, die kognitiven Fähigkeiten von Menschen zu übernehmen. Ein entscheidendes Puzzleteil werden dabei die Algorithmen darstellen, mit denen das „Gehirn“ der Roboter arbeiten kann. Die zentrale Frage auf diesem Weg lautet: Lässt sich das menschliche Hirn in Algorithmen nachbauen und wie schnell wird das gehen? Die Antwort: etwa 30 Jahre. Glaubt man dem amerikanischen Erfinder und Zukunftsforscher Ray Kurzweil, entwickeln sich alle Bereiche, die der Informationstechnologie unterliegen, nicht linear, sondern exponentiell. Deshalb sagen seine Berechnungen, dass wir 2045 den Punkt erreichen, an dem das Wissen und die technischen Möglichkeiten der Menschen explosionsartig zunehmen werden.

Automatisierung in der Wissensarbeit

Einerseits werden Roboter Tätigkeiten übernehmen, die sowieso niemand wirklich gerne ausüben will; harte körperliche Arbeit in Gefahrenbereichen zum Beispiel. Andererseits verändert sich die Wissensarbeit. In manchen Berufsgruppen sehen wir bereits heute den Beginn der Automatisierung: Buchhalter, Steuerprüfer, Lehrer, Journalisten – warum sollen das zumindest in Teilen nicht zukünftig Maschinen machen?

Für die künftigen Generationen ist es in jedem Fall ratsam, bei der Wahl der Ausbildung diese Entwicklung mit einzubeziehen. Dabei haben kreative Tätigkeiten sicherlich mehr Zukunftsaussichten als standardisierte. Denn eines kann der Roboter vermutlich noch lange nicht abbilden: das chaotische Denkvermögen des Menschen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Entwicklung zu betrachte: ängstlich oder utopisch. Man könnte sagen: Bald machen die Maschinen die Arbeit und wir kümmern uns um die schönen Dinge des Lebens. Doch dafür sind dann doch einige Menschen zu ängstlich.

Doch egal wie man die Entwicklung betrachten mag – aufzuhalten wird sie nicht sein. Die Frage ist nur, wie weit sie gehen wird.

Thomas Erwin
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