Immobilienbranche: Was außer der Digitalisierung noch wichtig ist

Der digitale Wandel überlagert nötige Diskussionen

Keyfacts

  • Es ist richtig und wichtig, über die Modernisierung der IT-Landschaft und zeitgemäße Prozesse in der Immobilienbranche zu diskutieren.
  • Die Branche setzt zu stark auf Insellösungen und analoge Bausteine.
  • Jenseits der Digitalisierung sollte die Branche aber drei wichtige Themen nicht aus den Augen verlieren.
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Dr. Hans Volkert Volckens
  • Partner, Head of Real Estate
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Auch die Immobilienwirtschaft kommt an der Diskussion um die digitale Revolution nicht vorbei. Kein Thema beherrscht die Branche so sehr wie die Automatisierung von Prozessen, der Einsatz künstlicher Intelligenz oder der Umgang mit Big Data. Kaum ein Kongress, kaum ein Beitrag in den sozialen Medien, der nicht die Chancen der digitalen Entwicklung thematisiert oder neuen innovativen Lösungen aus dem größer werdenden Universum der PropTechs die Bühne bereitet.

Branche setzt zu stark auf Insellösungen

Betrachtet man den Digitalisierungsgrad der Immobilienbranche und vergleicht ihn mit anderen Industrien, sind diese Diskussionen richtig und berechtigt. Zu sehr ist die Immobilienbranche noch in der analogen Welt der Bausteine zuhause, zu wenig durchdacht und integriert wirken die Ansätze einer Modernisierung von IT-Landschaften, zu sehr wird auf digitale Insellösungen gesetzt, ohne die IT-Strategie insgesamt zu hinterfragen. Die digitale Revolution und das Ringen um die Modernisierung von Daten, Prozessen und Systemen sind also wichtige Schritte zur Modernisierung der Branche.

Digitalisierung überlagert andere wichtige Themen

Diese einseitige Schwerpunktsetzung ist aber auch problematisch. Sie wird anderen und aktuellen, komplexeren Herausforderungen der Immobilienwirtschaft nicht gerecht. Denn die Branche hat eine ganze Reihe von großen Themen, die inhaltlich mehr Raum erhalten sollten.

Drei Beispiele:

  • Die Immobilienwirtschaft verliert als Wirtschaftszweig zunehmend die Akzeptanz weiter Teile der Bevölkerung. Bürgerproteste gegen steigende Mieten, die sozialpolitischen Folgen einer Verdrängung ganzer Bevölkerungsgruppen aus Stadtteilen sowie die politischen Diskussionen über mögliche Enteignungen müssen auf unserer Seite deutlich mehr Beachtung finden. Denn auch wenn nicht jede Kritik berechtigt ist und pauschale Schuldzuweisungen die realen Komplexitäten nicht treffen, sollten wir die kritischen Stimmen als Weckruf verstehen und eine Strategie erarbeiten, mit welchem Bild der Branche und mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten wir diese öffentliche Debatte führen wollen. Es ist erstaunlich, mit welcher Sprachlosigkeit die Immobilienbranche diesen Protesten bisher begegnet.
  • Die Immobilienwirtschaft steht im zehnten Jahr des Aufschwungs. Historisch hohe Preise und historisch niedrige Zinsen haben ein Umfeld geschaffen, in dem sich fast jedes Geschäftsmodell erfolgreich entwickelt hat. Überproportionales Risiko wurde über die letzte Dekade hinweg nur selten bestraft und meistens belohnt. Ein Zeichen dafür ist, dass gerade kurzfristig angelegte Unternehmensstrategien in den vergangenen Jahren besonders hohe Renditen abwarfen. In einem solchen Umfeld und bei der inzwischen erreichten Fallhöhe sollten vertiefte Auseinandersetzungen um die richtigen Instrumente zur Erkennung von Risikolagen, zur wetterfesten Positionierung von Geschäftsmodellen und damit zur nachhaltigen Sicherung des eingesetzten Kapitals – auch über den nächsten Abschwung hinweg – erheblich breiteren Raum erhalten.
  • Nutzerverhalten konterkariert häufig die ökologische Nachhaltigkeit. Wenn wir zwar einerseits nach immer höheren ökologischen Standards bauen, andererseits aber unsere Gebäude bei Mieterwechseln in immer kürzeren Abständen kernsanieren oder zumindest gravierend revitalisieren müssen, wird die Nachhaltigkeitsbetrachtung zu sehr auf die Laufzeit des Mietvertrages beschränkt. Nachhaltigkeit sollte jedoch den gesamten Lebenszyklus der Immobilie berücksichtigen und damit den Mieterwechsel einbeziehen. Fragen nach der langfristig ökologisch-optimalen Flexibilität von Gewerbeflächen sollten deshalb die Nachhaltigkeitsdebatte ergänzen.

Es ist Zeit, die aktuellen thematischen Schwerpunkte besser zu sortieren und die Debatte um die vielen drängenden Herausforderungen der Immobilienbranche thematisch stärker zu öffnen.

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Dr. Hans Volkert Volckens
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