Nachhaltigkeitsdaten verlässlich abbilden

Warum Unternehmen ein nichtfinanzielles internes Kontrollsystem brauchen

Keyfacts

  • Viele Unternehmen verfügen noch nicht über geeignete Systeme zur Kontrolle nichtfinanzieller Daten.
  • Die Veröffentlichung von nichtfinanziellen Daten ist für viele große Unternehmen mittlerweile verpflichtend.
  • Der Aufsichtsrat ist für die Prüfpflicht der nichtfinanziellen Angaben verantwortlich.
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Christian Hell
  • Partner, Corporate Governance Services; Head of Sustainability Services
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Seit mehr als 200 Jahren gibt es eine verpflichtende Finanzberichterstattung. Entsprechend ausgereift sind die Verfahren, die für eine vollständige und korrekte Erhebung der Daten sorgen. Bei den nichtfinanziellen Aspekten eines Unternehmens sieht die Situation anders aus: Kennzahlen zum Energieverbrauch, zur Mitarbeiterstruktur, Kundenzufriedenheit oder zu Unfallraten sind nicht Teil der doppelten Buchführung. Sie werden in der Regel in mehreren separaten Systemen von Personen erhoben, deren originärer Aufgabenbereich jenseits des Rechnungswesens liegt.

Nichtfinanzielle Aspekte im Jahresabschluss

Seit der Umsetzung der nichtfinanziellen Berichtspflicht vor zwei Jahren sind solche Angaben nicht mehr freiwillig, sondern für viele Unternehmen ebenso wie der Jahresabschluss verpflichtend zu veröffentlichen. Die Prüfpflicht liegt dabei ebenso beim Aufsichtsrat wie die für den Jahresabschluss. Analog dazu ist er damit auch für die Wirksamkeit der Kontrollsysteme für diese nichtfinanziellen Daten verantwortlich.

Das Problem ist, dass die Prozesse hier – soweit überhaupt etabliert – längst noch nicht so ausgereift sind wie im Rechnungswesen. Oft wird das ganze Thema eher unaufmerksam behandelt, die Verantwortlichen nehmen Kontrollaktivitäten eher zurückhaltend wahr, und auch die Interne Revision beschäftigt sich – wenn überhaupt – nur eingeschränkt mit der Überprüfung der Angaben. Außerdem fehlt häufig neben konkreten Vorgaben für die Erfassung, Dokumentation und Kontrolle nichtfinanzieller Daten auch das Verständnis für die zunehmende Bedeutung dieser Angaben im Unternehmenskontext.

Messung der Kundenzufriedenheit – nur scheinbar einfach

Welche Schwierigkeiten bei der Messung solcher Aspekte lauern, kann am Beispiel Kundenzufriedenheit verdeutlicht werden. Dieser wichtige Indikator hat direkte Auswirkungen auf Umsätze und Wachstumspotenziale, deshalb ist die Performance in diesem Bereich häufig mit variablen Vergütungskomponenten verknüpft. Auf den ersten Blick erscheinen die Befragung von Kunden und die Aggregation der Ergebnisse relativ wenig fehleranfällig. Aber eben nur auf den ersten Blick.
Auf den zweiten lauert hier eine ganze Reihe von Fallstricken. So können dezentrale Einheiten unterschiedliche Methoden verwenden, also beispielsweise die Zufriedenheit auf einer anderen Skala abfragen als vom Konzern definiert. Oder es werden nur Kunden zu Befragungen eingeladen, von denen positives Feedback erwartet werden kann, potentiell Unzufriedene dagegen außen vor gelassen. Auch das hat entsprechende Auswirkungen auf das Ergebnis. Auch regelrecht betrügerisches Verhalten haben wir schon beobachtet – etwa Mitarbeiter, die Fragebögen zum Teil selbst ausfüllen.

Risiken beherrschen – nur wie?

Auch wenn solche Fehlerrisiken oftmals keine direkten finanziellen Auswirkungen haben, sondern eher Gefahren für die Reputation bergen, sollten Unternehmen ihnen ebenso viel Bedeutung beimessen wie finanziellen Risiken, und das Bewusstsein dafür systematisch stärken.

Am besten gelingt das mithilfe eines eigenständigen nichtfinanziellen internen Kontrollsystems, kurz nIKS. Dieses identifiziert Risiken in den Prozessabläufen, definiert geeignete Kontrollen, legt klare Rollen fest, und sorgt so auch im nichtfinanziellen Bereich für verlässliche Daten und Berichte.

Für diesen Bereich einen verlässlichen, standardisierten Rahmen zu schaffen, ist auch deshalb wichtig, weil sich nur so die Vielfalt unterschiedlicher Themen in der nichtfinanziellen Berichterstattung abbilden lässt. Diese Themen reichen von Umweltschutz über Korruption, Frauenquoten und Arbeitsschutz bis zu Kinderarbeit und Kundenzufriedenheit – um nur einige zu nennen.

Hinzu kommt: Wenn auf der Basis von finanziellen oder nichtfinanziellen Daten strategische Entscheidungen getroffen werden, dann sollten diese Daten grundsätzlich höchstmögliche Qualitätsansprüche erfüllen. Und diese Qualitätsansprüche lassen sich eben nur mit funktionierenden Kontrollsystemen erfüllen.

Christian Hell
  • Partner, Corporate Governance Services; Head of Sustainability Services
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