JEFTA: „Das Investment vergolden“

Was verspricht das europäisch-japanische Freihandelsabkommen – und was wird es halten?

Keyfacts

  • Das Abkommen sorgt für freieren Handel zwischen zwei der weltweit größten Wirtschaftsräume
  • Mit dem Abkommen werden die meisten Zölle abgeschafft
  • Japan hat 2017 Waren im Wert von 60,5 Milliarden aus der EU importiert
Jörg Grünenberger
  • Partner Tax, Leiter Country Practice Japan
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Herr Grünenberger, wie nutzt das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan (JEFTA) deutschen Unternehmen?

Ein wesentlicher Aspekt des Freihandelsabkommens ist die Eliminierung von Zöllen. Aktuell erhebt Japan zum Beispiel auf Weine, die aus der EU eingeführt werden, einen Zoll von 15 Prozent. Die fallen künftig weg. Deutsche Winzer können diesen verschwundenen Kostennachteil als zusätzliche Marge mitnehmen oder in Marketingbudget umwandeln.

Zumal die Logistikkosten für den Absatz in Japan nach Japan exportierte Produkte ohnehin schon sehr teuer machen. Nicht zufällig sind bisher deutsche Lebensmittel fast ausschließlich in den Gourmetabteilungen der japanischen Luxus-Kaufhäuser zu finden.

Ein anderes Beispiel ist der Automobilsektor. Die Klein- und Mittelwagenklasse ist in Japan von japanischen Marken dominiert, deutsche Autos sind hier ebenfalls fast ausschließlich, im oberen Segment zu finden. Abseits des Luxus-Segments machen 15 Prozent Zollkosten einen erheblichen Preisunterschied zu den nicht zollbelasteten Konkurrenzprodukten der zum Beispiel japanischen Wettbewerber aus. Das ist ein signifikanter Wettbewerbsnachteil – es sei denn der japanische Kunde ist bereit für das „Made in Germany“ Logistikkosten und 15 Prozent Zollkosten on top zu zahlen.

Durch das JEFTA dürfte sich auch der Wettbewerb auf dem deutschen Markt verschärfen oder?

Ja und nein. Für japanische Unternehmen wird es demnächst leichter und prinzipiell günstiger, ihre in Japan produzierten Waren in Deutschland zu verkaufen. Allerdings haben unter anderem wegen der Zölle und Logistikkosten viele der größeren japanischen Unternehmen bereits Produktionsstätten innerhalb der EU aufgebaut und so schon zuvor gleichberechtigten Zugang zum Markt gehabt. Außerdem gibt es zollrechtliche Möglichkeiten Zölle und Zollkosten zu optimieren. Wie zum Beispiel durch das Unbundling oder Bundling von Produkten. Dabei werden Produkte in Einzelkomponenten verschifft und erst vor Ort zusammengefügt. Das ist aber häufig gerade für kleinere und mittlere Unternehmen zu aufwändig.

Der Wettbewerb steigt in beide Richtungen, vor allem im Premium-Segment. In welchem Umfang, das kann noch keiner absehen. Zumal es mehrere Jahre dauert, Lieferbeziehungen im Industriebereich umzustellen. In jedem Fall steigt die Planungssicherheit.

Bei öffentlichen Ausschreibungen in der EU müssen nun auch Angebote aus Japan zugelassen werden, und umgekehrt. Da geht es durchaus auch um Megaprojekte, wie im Schienenverkehr. Mit dem nun geregelten Anspruch, lohnen sich vorbereitende Investments eher.

Bislang führen EU-Exporteure ungefähr eine Milliarde an Zöllen an Japan ab. Klingt nicht so, als würde das Handelsabkommen einen erheblichen Einfluss auf den gegenseitigen Warenaustausch haben.

Man muss sich den Handel als großes Rohr vorstellen. Die Zölle verengten dieses Rohr. Mit den nun getroffenen Vereinbarungen, die Zölle zu senken, und den gemeinsam beschlossenen Standards weitet sich der Engpass und der Durchfluss verstärkt sich. Am Beispiel Südkorea zeigt sich, dass das Handelsvolumen nach Inkrafttreten des Freihandelsabkommens mit der EU ganz erheblich gestiegen ist. Innerhalb von sechs Jahren nach Anwendung stiegen die EU-Ausfuhren um 59 Prozent, die Auslandsinvestitionen wuchsen beträchtlich. Laut Berechnungen haben europäische Unternehmen 2,8 Milliarden Euro eingespart.

Die EU erwartet, dass das Handelsvolumen mit Japan durch JEFTA um ein Viertel steigt. Schätzungen anderer Institute liegen sogar noch höher. Mit dem Japanexport sind 600.000 Arbeitsplätze in der EU assoziiert. Da kann JEFTA durchaus zum Jobmotor werden.

Wie bedeutsam ist die Einigung auf einheitliche Standards, der Abbau sogenannter nichttariffäre Handelshemnisse?

Japan ähnelt Deutschland. Es hat eine weit entwickelte und komplexe Rechtsordnung, bietet dadurch aber eine hohe Rechtssicherheit und geistiges Eigentum wird anerkannt. Auf der anderen Seite sind die Zulassungsverfahren sehr komplex und die dafür erforderliche Dokumentation häufig sehr umfangreich. Und alles natürlich in japanischer Sprache. Es wird daher ganz wichtig sein, Zulassungsverfahren einfach und praxisnah zu gestalten.

Ein weiterer Aspekt von JEFTA ist die nun vereinbarte Anerkennung von Produkten mit regionalen Herkunftsangaben, wie zum Beispiel Champagner, Schwarzwälder Schinken oder japanisches Kobe-Rind – ein klarer Fortschritt. Mehr als 200 EU-Regionalbezeichnungen sind fortan auch in Japan geschützt. Produkte, die nicht aus den bezeichneten Regionen kommen, dürfen auch keine irreführenden Herkunftsangaben mehr aufweisen.

Japan ist zudem Teil des Pazifischen Freihandelsabkommen CPTPP, das als TPP bekannt war, ehe die USA sich unter Donald Trump entschieden, nicht daran teilzunehmen. Macht das JEFTA Japan in Verbindung mit CPTPP als Drehscheibe für den pazifischen Raum auch für deutsche Unternehmen attraktiv?

Es kann sein, dass Japan als Sprungbrett genutzt wird. Allerdings ist Japan ein sehr teures Land und nicht der ideale Standort für Großproduktion. Dass demnächst deutlich mehr deutsche Waren über Japan in den pazifischen Raum geroutet werden, halte ich für unwahrscheinlich. Wer aber schon in Japan produziert, dem verschafft das CPTPP durchaus Vorteile.

Somit ist der Binnenmarkt Japans entscheidender. Wie sind dessen Aussichten? Schließlich schrumpft die Bevölkerung in den kommenden 30 Jahren um voraussichtlich 15 Prozent, der Markt ist relativ ausgereift.

Noch hat das Land 127 Millionen Einwohner, ist die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt, ist hochgebildet und technologisch fortschrittlich. Die Kaufkraft der japanischen Konsumenten ist im globalen Vergleich weiterhin substanziell. Für die vielen Chancen, die dieses reiche Land bietet, ist Japan medial unterrepräsentiert.

Klar sind Markteintrittskosten in Japan hoch. Und japanische Unternehmen zu übernehmen ist kompliziert und kostet sehr viel. Da scheinen Investments in weniger entwickelte Länder vordergründig attraktiver. Man denke an Indonesien, das doppelt so viele Einwohner hat wie Japan. Dennoch lohnt sich der Mut, die hohen Eintrittshürden in Japan zu überwinden – die ja zudem dank JEFTA niedriger werden. Analysen weisen einen hohen Return on Investment in Japan von 6,6 Prozent aus. Weltweit liegt der Wert bei etwa 3,5 Prozent. Wer ein Produkt hat, was die Japaner begeistert, kann das Investment vergolden.

Jörg Grünenberger
  • Partner Tax, Leiter Country Practice Japan
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