Mann steht auf einem Gipfel eines Berges und schaut in die Ferne.

Jetzt ist die Chance, die Welt voranzubringen

Weshalb ich optimistisch auf 2022 schaue.

Große Herausforderungen gibt es nicht zu knapp mit Blick auf das neue Jahr. Eine instabile Situation in Osteuropa, Disruptionen in den Lieferketten, die Gefahr einer überhitzenden Wirtschaft mit potenziellen Folgen etwa für den Immobilienmarkt, ein schwelender Handelskonflikt zwischen den USA und China. Über allem schwebt noch immer die Corona-Pandemie.

Andererseits: An schlechten Nachrichten gibt es nie einen Mangel. Ich bin in meiner Karriere bei KPMG wohl noch nie in ein Jahr gestartet, dass ausschließlich positive Rahmenbedingungen für Unternehmen bereithielt. Auch dieses Jahr sehe ich viel mehr Anlass zu Optimismus.

1. Unternehmen werden den geopolitischen Spagat lernen

Politische Schismen gibt es, seit sich der Mensch in Gemeinschaften organisiert. Natürlich endet diese Geschichte nie, auch wenn es der Historiker Francis Fukuyama so berühmt formuliert hatte. Wer ein Unternehmen führt, sollte entsprechend umsichtig agieren und sich vorbereiten.

China und die USA tragen einen Konflikt aus, der insbesondere mit wirtschaftlichen Maßnahmen geführt wird. Das Decoupling ist eine Herausforderung der Geopolitik, zweifellos. Bereits jetzt reagieren größere Konzerne und trennen die Marktbearbeitung. Unternehmen, die den chinesischen Markt weiterhin zuverlässig beliefern wollen, lokalisieren ihre Produktion gezwungenermaßen und schaffen mitunter voneinander unabhängige Strukturen.

Gleichermaßen sollten sie schauen, inwieweit sie Alternativen zu in China produzierten Teilen finden können, wenn sie ein Produkt in den USA verkaufen wollen. Das ist kein leichter Spagat – gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen. Aber auch dafür finden sich Lösungen.

2. Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung machen die Welt lebenswerter

Aufgrund des Klimawandels sollten Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung von Schlagwörtern zur gelebten Realität für jedes Unternehmen werden. Wir stehen an einem Wendepunkt. Müll wird langfristig quasi tabu, Emissionen sowieso. Profit zulasten von Menschen geht mit hohen Reputationsrisiken einher.

Dazu müssen Unternehmen ihr Tun grundlegend neu denken. Wo liegen die Schwachpunkte? Was ist nicht nachhaltig? Wie kann gegen den Klimawandel vorgegangen werden? Denn die Gefahr besteht, dass Produkte, die Sie herstellen oder als Vorprodukt nutzen, gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert und ggf. auch politisch sanktioniert werden. Prüfen Sie eingehend, ob das der Fall sein könnte und wie Sie darauf reagieren könnten.

Aus den Gesprächen mit meinen Kunden weiß ich, dass es vielen Unternehmensentscheider und -innen schwerfällt, zu erkennen, wie sie ihre Produktpalette anpassen und erweitern können. Verborgene Potenziale abzurufen, erfordert Mut und frisches Denken. Mitunter lohnt es sich auch, stärker die Mitarbeitenden ins Boot holen. Wie Unternehmen den stattfindenden Wandel nutzen, hängt wesentlich von ihrem Innovationsmanagement ab.

Für viele Unternehmen wird es aber kleiner beginnen. Denn oftmals wissen sie nicht, wie groß ihre Umweltbelastung eigentlich ist. Wie misst man den CO2-Fußabdruck genau? Zwar sind vermeintlich genaue Zahlen für ganze Staaten vorhanden, aber wir wissen selbst, wie kompliziert die eigentliche Messung ist. Doch was, wenn etwa die Carbon Border Adjustment Tax kommt? Um gut vorbereitet zu sein, brauchen Unternehmen verlässliche Zahlen. Ich bin mir sicher, dass wir da 2022 deutliche Fortschritte sehen werden.

Dabei zeigt sich, dass Unternehmen, die schon heute nachhaltiger aufgestellt sind, vom wachsenden Angebot an Kapital profitieren, dass „grün“ investiert werden will. Meine Hoffnung ist, dass die EU wie schon beim Datenschutz die Standards setzt, die dann weltweit adaptiert werden. Diese hohen Nachhaltigkeitsstandards würden dann zu einem globalen Wettbewerbsvorteil.

3. Die Digitalisierung wird zum Wachstumstreiber

Einen so starken Entwicklungssprung wie in den vergangenen knapp zwei Jahren habe ich bei Unternehmen selten zuvor gesehen. Durch die Pandemie bekam die Digitalisierung einen großen Schub. Es gibt nun Arbeitsmodelle, die in vielen Unternehmen zuvor undenkbar waren. Da hat sich in meinen Augen in Deutschland große Verkrampfung gelöst. Die Managerinnen und Manager haben nun gesehen, dass New Work funktioniert und wie sie damit Raum für produktive Kreativität schaffen.

Durch den veränderten Zugang zu digitalen Technologien sehe ich, wie viele meiner Kunden auch deutlich schneller geworden sind, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder die bestehenden zu überholen. Es stimmt mich positiv, dass in unserem CEO Outlook 2021 66 Prozent der CEOs gesagt haben, sie wollen eine aggressive digitale Innovationsstrategie verfolgen, um First/Fast Mover zu werden. Genau das haben wir in den vergangenen beiden Jahren gesehen: Digitalisierung ist ein Wettbewerbsvorteil.

Und sie ist eine absolute Notwendigkeit. Auch, weil mit einer Digitalstrategie der Personalmangel adressiert werden kann. Ein gutes Beispiel übrigens, bei dem sich zeigt, dass Transformation kein Grund zur Angst ist, sondern stets als Chance begriffen werden sollte.

Doch deutlich wurde in den vergangenen Monaten auch, wie wichtig eine absolut wasserdichte Cyber-Security ist. Mitunter fehlt noch das Verständnis für die Sicherheitsrisiken. Nehmen Sie die Cyber-Sicherheit mindestens so ernst wie den Werkschutz. Und wenn etwas dubios erscheint, handeln Sie so schnell wie möglich.

Fazit: Mit Elan die Zukunft gestalten

Die letzten beiden Jahre erforderten sehr viel aktives Management – von den Unternehmen und von der Politik. Es ist erfreulich, wie stabil die deutsche Wirtschaft ist. Wir gehen gestärkt in eine Zukunft, die auf neuen Arbeits- und Geschäftsmodelle basiert, die digitaler und nachhaltiger sein wird. So wie wir die Wirtschaft jetzt umbauen, wird die Wohlstandsgrundlage für die kommende Generation sein. Ich bin zuversichtlich, dass wir auf diesem Weg mit der bewiesenen Resilienz und der freigesetzten Kreativität 2022 ein beachtliches Stück vorankommen werden.

Webcast Live: ESG Value Creation