Jetzt kommt die große Finanzspritze für Krankenhäuser

Damit Kliniken vom Krankenhauszukunftsgesetz profitieren, gilt es einiges zu beachten.

Keyfacts

  • Die Förderung soll genutzt werden, um Modernisierung und Digitalisierung voran zu treiben.
  • Die Versorgungsqualität soll langfristig sichergestellt werden.
  • Die Antragstellung ist kompliziert, eine Anschlussfinanzierung nach 2024 nötig.
Julia Kaub
  • Partnerin, Audit, Process & Accounting Advisory
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Endlich mehr als nur Händeklatschen: Bund und Länder stellen seit Anfang des Jahres 4,3 Milliarden Euro für Krankenhäuser bereit. Diese Finanzspritze im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) soll vor allem für Digitalisierung und IT-Sicherheit, aber auch Notfallkapazitäten ausgegeben werden. Das könnten zum Beispiel ein übergreifendes Patientenportal sein oder Systeme, die Diagnostik-, Therapie- oder Medikationsentscheidungen erleichtern. Nicht zuletzt soll auch Geld für die Informationssicherheit fließen.

Wie wichtig gut ausgerüstete Krankenhäuser sind und dass bei uns noch Luft nach oben ist, hat auch die Corona-Krise längst noch einmal klar gemacht. Doch bislang reichten weder die Investitionsfinanzierungen der Länder aus, noch ist die komplette Querfinanzierung über Fallpauschalen (DRG) möglich, um die Kliniken endlich für die Zukunft fit zu machen. Die Finanzspritze des KHZG könnte nun endlich erste Abhilfe schaffen, damit auch die Patientenbetreuung erleichtern und das Personal nachhaltig entlasten.

Anträge zu kompliziert. Im schlimmsten Fall bleiben Fördergelder liegen

Ist das Thema also hiermit erledigt? Leider nicht, denn die Beantragung der Gelder ist eine Herausforderung. Nicht nur der Bund gibt formelle Voraussetzungen vor, auch die Länder stellen teilweise hohe Förderbedingungen – und zwar unterschiedliche. Versucht ein Krankenhauskonzern X nun Finanzmittel für seine drei Kliniken in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen zu beantragen, wird es kompliziert. Außerdem endet der Beantragungszeitraum allerspätestens bereits Ende 2021. Nicht zuletzt sind die Krankenhäuser mit der anhaltenden Corona-Lage ohnehin stark gefordert. All dies könnte zu unüberwindbaren Hürden für die Krankenhäuser werden – mit unguten Folgen. Im schlimmsten Fall würden nicht alle Fördermittel abgerufen oder müssten aufgrund der nicht vollumfänglich erfüllten Fördervoraussetzungen zurückgezahlt werden. Hinzu kommen sogar Erlösminderungen ab 2025, die das Gesetz vorsieht, wenn die Kliniken bestimmte digitale Dienste nicht bereitstellen.

Krankenhauszukunftsgesetz nutzen – Modernisierung zur Chefsache machen

Was gilt es also zu tun, um das Beste aus dem KHZG herauszuholen? Die Chefetagen der Kliniken sollten die Förderung in jedem Fall nutzen, um Modernisierung und Digitalisierung auf ihrer Agenda deutlich höher anzusiedeln als bislang. Dazu sollten Strategien entwickelt werden, die langfristig angelegt sind und nicht mit dem Förderzeitraum 2024 enden. Dafür sollten die Krankenhäuser internes Know-how schaffen – und halten. Diesen Expertinnen und Experten käme dann auch die Aufgabe zu, Anschlussfinanzierungen zu prüfen. Denn wenn es um die Modernisierung unserer Krankenhäuser geht, benötigen wir auch nach 2024 viel Geld. Dabei geht es übrigens nicht darum, deutsche Krankenhäuser zu den modernsten der Welt zu machen. Es wäre hier tatsächlich schon ein Fortschritt, den aktuellen Stand der Technik abzubilden.

Julia Kaub
  • Partnerin, Audit, Process & Accounting Advisory
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