Keine Angst vor Milliardären

Familienunternehmen sollten sich verstärkt Privatinvestoren zuwenden

Keyfacts

  • Familienunternehmen erwirtschaften über 70 Prozent des weltweiten BIP
  • High Net Worth Individuals besitzen Vermögen von 53 Billionen US-Dollar
  • Interessen von Familienunternehmen und HNWI ergänzen sich
Kay Klöpping
  • Partner, Tax
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Familienfirmen suchen Fremdkapital traditionell bei Banken. Nur selten nutzen sie hochvermögende Privatpersonen als Kapitalgeber, obwohl sie das Kapital dringend bräuchten. Zu groß ist das Misstrauen des deutschen Mittelstands. Dabei halten 60 Prozent der vermögenden Privatpersonen nach längerfristigen Investitionsmöglichkeiten mit einem angemessenen Chance-Risiko-Profil Ausschau. Umgekehrt benötigen die Familienunternehmen dringend neue Alternativen für ihre Investitionsstrategie.

Das ergab unsere KPMG-Studie „Financing Family Business growth through individual investors”, über die auch die Welt berichtete. KPMG und Mergermarket haben 125 globale Familienunternehmen und 125 global agierende vermögende Privatpersonen und Family Offices zu ihren Investitionserfahrungen und -vorhaben befragt.

High Net Worth Individuals – HNWI suchen nach Investitionschancen

Als HNWI werden besonders vermögende Privatpersonen und Family Offices benannt. Gemäß Schätzungen existieren weltweit bis zu 14 Millionen HNWI mit einem Vermögen von 53 Billionen US-Dollar.

Zwar hat nahezu die Hälfte der Familienunternehmen schon einmal Finanzmittel von HNWIs erhalten, allerdings lässt sich aus Kommentaren schließen, dass es sich in diesen Fällen meist um enge Freunde oder Verwandte der Eigner des Familienunternehmens gehandelt hat. Von denen, bei denen Finanzmittel von HNWIs geflossen sind, gab die überwältigende Mehrheit (92 Prozent) an, dass dies im Vergleich zu anderen Finanzierungsquellen eine positive Erfahrung gewesen sei.

Familienunternehmen konzentrieren sich bevorzugt auf die Kapitalbeschaffung über Banken und Private Equity-Unternehmen. Das liegt an den Familienfirmen selbst: Die Mehrheit betrachtet es als wichtigsten Erfolgsfaktor, die Kontrolle über ihr Unternehmen zu behalten. Für 76 Prozent der Unternehmen hat dies Priorität.

Obwohl Familienunternehmen über 70 Prozent des weltweiten BIP erwirtschaften, ist für sie die Suche nach externen Finanzierungsmöglichkeiten nicht einfach, im Gegenteil. Viele sehen sich bei der Kapitalbeschaffung mit eingeschränkten Möglichkeiten konfrontiert. Das trübt die Aussicht auf Wachstum. Oft können sie ihr maximales Potenzial überhaupt nicht ausschöpfen. Gleichzeitig erschwert es auch die Kontrolle über das Unternehmen.

Investitionen gehören in jeden längerfristigen Strategieplan

Als Kapitalgeber stellen hochvermögende Privatpersonen für Familienunternehmen eine wichtige Alternative dar. Ihr Investitionskapital ist beträchtlich und oft kennen sie sich mit Familienunternehmen bereits aus.

Familienunternehmen geben die „Ausrichtung auf langfristige Investitionsrenditen“ bei einem potenziellen Kapitalgeber als wichtigste Eigenschaft an (23 Prozent). Für reiche Privatpersonen ist das „langfristige Kapitalwachstum“ (37 Prozent) der wichtigste Entscheidungsfaktor für ihre Investitionstätigungen. Weit liegen die beiden Welten also nicht auseinander.

Die Prioritäten von Familienunternehmen und HNWI decken sich

Beide wollen langfristige Ziele erreichen, haben dieselbe Neigung zu maßvollem und gut überwachtem Risiko, schätzen die persönliche Note und äußern eine wechselseitige Wertschätzung für das, was die andere Seite zu bieten hat.

Ein Argument mehr, auf eine Zusammenarbeit mit hochvermögenden Privatpersonen als Investitionsstrategie zu setzen. Investoren bzw. HNWI werden auch in Zukunft eine zentrale Rolle bei langfristigen Investitionsvorhaben spielen. Familienunternehmen wie auch die HNWI zeigen einen hohen Bedarf an Investitionen. Als Investitionspartner würden sie sich daher gut gegenseitig ergänzen.

Kay Klöpping
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