Kfz-Versicherer suchen nach Alternativen für eine unfallfreie Zukunft

Neue Mobilitätsangebote und technologische Innovationen führen zu Umbruch in der Branche

Keyfacts

  • Selbstfahrende Serienautos werden immer sicherer fahren
  • Car-Sharing vermindert Zahl privater Autos auf deutschen Straßen
  • Versicherer werden neue Produkte anbieten müssen
Markus Heyen
  • Partner, Financial Services
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Auf deutschen Straßen werden künftig weniger Autos fahren. Die Fahrzeuge werden viel sicherer und verursachen weniger Unfälle. Angesichts des technischen Fortschritts steht die Kfz-Versicherung vor dem Umbruch.

Die Kfz-Versicherung ist die mit Abstand größte Sparte in der deutschen Schaden- und Unfallversicherung. Ihr Prämienvolumen beträgt im Jahr mehr als 24 Milliarden Euro. Doch dieser Markt wird sich in den nächsten 15 Jahren stark verändern. Verantwortlich dafür sind neue Mobilitätsangebote (unter anderem Car-Sharing-Konzepte) und technologische Innovationen wie Fahrerassistenzsysteme, autonome Fahrzeuge und 3D-Drucker. Auf die Versicherer kommen vor allem im Hinblick auf ihr Geschäftsmodell größere Veränderungen zu. Bis zum Jahr 2030 könnte die Branche in der Auto-Versicherung fast die Hälfte ihres Jahresvolumens einbüßen. Davon profitieren die Autofahrer, da die Policen langfristig im selben Maß preiswerter werden sollten. Das bestätigt unsere Studie „Gibt es eine Zukunft für die Kfz-Versicherung?“.

Was vor ein paar Jahren noch als Science Fiction abgetan wurde, vollzieht sich nun in atemberaubender Geschwindigkeit vor unseren Augen. Unsere Serienautos werden künftig sicherer fahren. Marktbeobachter halten es nicht für ausgeschlossen, dass wir in den nächsten 20 bis 30 Jahren sogar ein Verbot individuellen Fahrens erleben werden.

Viele Fahrzeuge werden überflüssig

Privatkunden werden zunehmend auf eigene Fahrzeuge verzichten und Angebote von Mobilitätsdienstleistern in Anspruch nehmen. Car-Sharing wird derzeit in 490 deutschen Städten angeboten. 2020 könnte es bereits drei Millionen Nutzer geben. Angenommen, ein Mobilitätsfahrzeug ersetzt zehn private Pkw, dann werden bis 2030 mehr als vier Millionen Fahrzeuge überflüssig sein.

Rückläufig wird sich auch der gewerbliche Gütertransport entwickeln, da neue 3D-Druckverfahren die Produktion wieder lokaler möglich machen. Das wird zu einer Verschiebung führen, weg von den Fernlastern hin zu kleineren Transportern für die so genannte letzte Meile. Die Dienstleister der Logistik-Branche rechnen damit, dass der Transportbedarf für „dumme Teile“ – also ohne Chip oder Sensor – bis 2030 um 35 Prozent sinken wird.

Die Autohersteller entwickeln ständig neue automobile Dienstleistungen, Aftersales- und Serviceangebote, Wartungs- und Verschleißpakete. Getrieben von der Sorge, zukünftig selbst Zulieferer in einem von Technik-Giganten beherrschten Ökosystem zu sein, beginnen die Hersteller diese Lösungen über die Navigationsgeräte zu integrieren. In diesem Jahr haben sie weltweit fast 800 Millionen Euro in webbasierte Start-up-Unternehmen investiert – sechsmal so viel wie 2014.

Bald fahren die Autos autonom – und unfallfrei

Noch im vergangenen Jahr war man in der Versicherungsbranche überwiegend der Meinung, dass autonomes Fahren in den nächsten zehn bis 15 Jahren keinen wesentlichen Einfluss auf die Kfz-Versicherungen gewinnen wird. Nur zwölf Monate später klingt das ganz anders. Selbstfahrende Serienfahrzeuge in fünf, spätestens zehn Jahren? Technisch kein Problem. Googles Roboter-Auto hat zwei Millionen Kilometer zurückgelegt, davon 1,7 Millionen autonom – und unfallfrei.

Wenn lediglich sechs der heute bereits existierenden Fahrerassistenzsysteme – Spurhalter, Kollisionswarner oder Bremshelfer – in den in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen verbaut wären, ließen sich bis zu 75 Prozent der Haftplicht- und 65 Prozent der Vollkaskoschäden vermeiden. Fast 90 Prozent der Unfälle sind auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Durch den Einsatz von Assistenzsystemen könnten sie deutlich reduziert werden.

Die Versicherer werden künftig andere Produkte anbieten

All diese Veränderungen könnten im schlimmsten Fall dazu führen, dass bis zu 45 Prozent der heutigen Kfz-Versicherungsprämien entfallen. Um die Verluste zu kompensieren, werden Versicherer künftig andere Produkte anbieten, zum Beispiel Rückrufdeckungen oder Cyberpolicen. Insgesamt können diese neuen Produkte aber nur maximal 20 Prozent des verlorenen Geschäfts ersetzen.

Deshalb steht jeder Versicherer vor der Frage: Welche Auswirkungen hat der massiv rückläufige Versicherungsbedarf auf mein Unternehmen, auf meine Produkte, meine Prozesse, die IT-Landschaft und vor allen Dingen für meine Belegschaft?

Mit Hilfe des KPMG-Prognosemodells mit 95 Parametern können Unternehmen ihre Position im Markt in eigenen Szenarien simulieren und Handlungsempfehlungen ableiten – um sich im Fall der Fälle neu aufzustellen.

Markus Heyen
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