Drei Ärzte im Krankenhaus.

KHZG: Sind die Kliniken herausgefordert oder schon überfordert?

Wie eine Überbelastung der betroffenen Funktionsbereiche vermieden werden kann.

Der Alarm piepst in der Notaufnahme, die Vitalwerte des Patienten befinden sich außerhalb der Norm, eine sofortige Intervention durch das Team des Krankenhauses wird notwendig. Genau wie solche Notfallsituationen eine Herausforderung für das medizinische Personal darstellen, ist auch die Umsetzung der länderübergreifenden Vorhaben nach dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) zur Förderung des Gesundheitswesens, der medizinischen Versorgung und der sozialen Sicherung in Deutschland mit zahlreichen Hürden für die deutschen Krankenhäuser verbunden.

So müssen etwa komplexe Digitalisierungsvorhaben inklusive IT-Systemen und IT-Sicherheit in die Krankenhäuser integriert werden, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des operativen Betriebs der ohnehin durch die Covid-19-Pandemie schwer belastet ist – und unter Einhaltung zahlreicher Vorgaben wie der sog. „Muss-Kriterien“ oder der Frist für einen erfolgreichen Projektabschluss im Jahr 2024.

Verknüpfung der losen Enden statt Konglomerat an Einzelmaßnahmen

Dabei sollte beachtet werden, dass die aus den Milliarden-Euro-schweren Fördervorhaben von Bund und Ländern hervorgehenden digitalen Prozesse ganzheitlich ineinandergreifen und in die bestehende Prozesslandschaft integriert werden. Deswegen ist es sinnvoll, bei der Förderung und Einführung neuer Abläufe nicht silohaft zu denken, sondern auch die Folgen eines neuen Prozesses innerhalb anderer Funktionsbereiche miteinzubeziehen, um Schnittstellen frühestmöglich zu identifizieren und ausgestalten zu können. Auch personelle Maßnahmen müssen stets mitgedacht werden.

Ein Beispiel: Dank des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) haben Kliniken und Krankenhausträger Millionen an Fördergeldern erhalten, um die Medikamentenversorgung in den Einrichtungen in ein digitales Medikationsmanagement zu überführen und passende IT-Lösungen mit IT-Beratern und IT-Dienstleistern umzusetzen und um die IT-Sicherheit zu verbessern. Das betrifft gleich mehrere Funktionsbereiche. Neben den Klinikapotheken auch die betreffenden Stationen, auf denen die Mitarbeitenden nun weniger Zeit für die Medikamentenstellung aufwenden müssen und diesen Zeitgewinn zum Beispiel vermehrt in die Patient:innenversorgung investieren können. Durch zusätzliche Datenschnittstellen (etwa CDSS, ABDA), die Verwendung elektronischer Schränke und Scan-Systeme sowie veränderter Fertigungs-, Applikations- oder Dokumentationssysteme ergeben sich zeitgleich Auswirkungen bei der Integration in die digitale Infrastruktur, den Einkauf oder die Logistik. Somit ergibt sich ein breites Spektrum der fachlichen Anspruchsgruppen: Ärztlicher Dienst, Pflegedienst, MTA, MFA, PTA, Apotheker:innen, Mitarbeitende aus Lager/Logistik sowie aus der IT.

Komplexität der KHZG-Vorgaben strukturiert erheben

Um eine effiziente Projektumsetzung und einen erfolgreichen Projektabschluss sicherzustellen, sollten sich die Verantwortlichen in den Kliniken und bei Krankenhausträgern zu Beginn der Umsetzungsphase unter anderem mit folgenden Fragestellungen befassen:

  • Wie gestalten sich die operativen Ist- und Soll-Prozesse?
  • Welche personellen Ressourcen sind innerhalb der Funktionsbereiche bei der Einführung beteiligt?
  • Welche weiteren Projekte sollten berücksichtigt werden?

Um innerhalb des Krankenhauses geeignete Projektstrukturen passend zur KHZG-Förderung zu schaffen, sollte zunächst die Komplexität der Milliarden-Euro-schweren Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) -Fördervorhaben sichtbar gemacht werden. Dazu empfiehlt sich ein strukturiertes, modellhaftes Vorgehen, wie beispielhaft die Anwendung eines Funktionsmodells für das Krankenhaus. Mithilfe dessen können Schnittstellen, Abhängigkeiten und Stakeholder innerhalb eines Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) -Projektes aber auch zwischen mehreren Projekten identifiziert werden, sodass ein gemeinsames Verständnis bei allen Beteiligten geschaffen werden kann. Überdies ermöglicht die geschaffene Transparenz eine klare Definition von Verantwortlichkeiten und die Bereitstellung benötigter Ressourcen.

Vorbeugen ist besser als heilen: Notwendige Implikationen bei der Einführung 

Die Kliniken sollten ihre betroffenen Stakeholder in die genannten Vorhaben im Gesundheitswesen einbinden – und zwar fördertatbestandsübergreifend. Dies kann beispielsweise durch die Einführung interdisziplinärer Projektteams im Krankenhaus geschehen, die sich aus Mitarbeitenden unterschiedlichster Bereiche zusammensetzen. Nur so kann die Expertise aller Professionen von der Erhebung von Anforderungen bis zur Definition ganzheitlicher Soll-Prozesse eingebracht werden. Darüber hinaus lässt sich auf diesem Weg berücksichtigen, dass gewisse Berufsgruppen stark belastet sind und die Erledigung ihrer eigentlichen Arbeit und die Patienten-Versorgung gefährdet ist. Diese Erkenntnis in Verbindung mit einer frühen Planung und Durchführung von Change-Management-Maßnahmen kann dafür sorgen, dass Digitalisierungsvorhaben im Rahmen des KHZG, die Prüfung des digitalen Reifegrad und eine Optimierung der IT-Infrastruktur zum Beispiel durch Cloud-Computing-Systeme weniger als Belastung, sondern vor allem als Unterstützung gesehen werden, die letztendlich dem Wohl des Patienten dienen.

Wenn die Milliarden Euro schwere Förderung nach dem KHZG unter diesen Bedingungen umgesetzt wird, werden sich langfristige Erfolge zeigen und die Gesellschaft insgesamt profitieren.

Autor: Jan-Henrik Rose