Klimaschutz-Pläne der EU: Alle Zeichen auf grün

Wie die EU Unternehmen zu Nachhaltigkeit verpflichten könnte – und was nun zu tun ist

Keyfacts

  • Die Klimaschutz-Pläne der Europäischen Union zielen darauf ab, die europäische Wirtschaft grundlegend zu verändern.
  • Nachhaltigkeit könnte schon bald genauso wichtig wie Profitabilität sein.
  • Um sich darauf einzustellen, sollten Firmen ihr Geschäftsmodell und ihre Produktionsweise bereits jetzt überdenken.
Prof. Dr. Kai Andrejewski
  • Regionalvorstand Süd, Audit
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Wie hoch? Mit dieser Frage lässt sich aktuell ein Großteil der Klimaschutz-Diskussion zusammenfassen. Wie hoch sollte die CO2-Steuer ausfallen? Und welche Höhe des CO2-Grenzwertes ist für die Wirtschaft noch verkraftbar?

So notwendig diese Debatten auch sind – sie verkennen die Dimension des Wandels, der sich gerade vollzieht. Denn die EU hat einen Prozess in Gang gesetzt, der die europäische Wirtschaft grundlegend verändern könnte.

Alle Zeichen stehen heute auf Veränderung. Bald schon könnte die Art und Weise wie die Gewinne eines Unternehmens erwirtschaftet wurden, genauso wichtig sein wie ihre Höhe. Darauf sollten sich Top-Manager bereits heute einstellen.

Nachhaltigkeit wird für die europäische Wirtschaft zur Pflicht

Aber von vorne. Bereits im März 2018 hat die EU den „Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen“ vorgestellt. Hinter dem unscheinbaren Namen verbergen sich umfassende Neuerungen.

Zentraler Bestandteil des Plans ist die sogenannte Taxonomie – ein Klassifikationssystem, das definiert, ab wann eine wirtschaftliche Tätigkeit nachhaltig ist. Darauf aufbauend soll ein EU-Kennzeichen „grüne Finanzprodukte“ kenntlich machen. Zudem ist angedacht, Vermögensverwalter und institutionelle Anleger teilweise auf nachhaltige Investments zu verpflichten.

Zusammengenommen bedeuten diese Vorhaben: Die EU könnte in Zukunft wesentlich mitbestimmen, welche Unternehmen am Kapitalmarkt Geld bekommen. Nachhaltigkeit wird damit für die europäische Wirtschaft zur Pflicht.

CO2-Grenzsteuer: Ausweichen kaum möglich

Der EU Green Deal verstärkt diese Entwicklung noch: Teile der Europäischen Investitionsbank werden zu einer Klimabank, die im kommenden Jahrzehnt eine Billionen Euro für die Förderung des Klimaschutzes bereitstellen will.

Das wird die Energiewende beschleunigen – und für Unternehmen den Druck sowie den Anreiz erhöhen, ebenfalls auf klimafreundliche Technologien zu setzen.

Hinzu kommt: Ausweichen wird kaum möglich sein. Die geplante CO2-Grenzsteuer wird es unattraktiv machen, ins EU-Ausland abzuwandern, um Klimaschutz-Kosten zu sparen.

Nicht mehr eine Lieferkette nötig – sondern zwei oder drei

Wie sollten Unternehmen darauf reagieren? Zunächst einmal ist es wichtig, die Veränderungen in einem größeren Kontext zu betrachten – im Dreiklang von Geopolitik, Nachhaltigkeit und Technologie, der die Management-Agenda der nächsten Jahre prägen wird.

Beobachter sollten die Pläne der EU gedanklich mit dem Handelskonflikt zwischen USA und China in Verbindung bringen, der zunehmend auch mit und um Technologien ausgetragen wird. In Kombination könnten das „decoupling“ der beiden Großmächte und die europäischen Klimaschutz-Initiative nämlich die Weltwirtschaft in gegnerische Zonen teilen.

In diesem Szenario könnte etwa eine Vielzahl von Produkten in bestimmten Weltregionen nicht mehr vertrieben werden, wenn technische Einzelteile aus einer konkurrierenden Weltregion stammen – oder nicht nachhaltig produziert wurden.
Für Firmen könnte das im Extremfall heißen, dass sie nicht mehr eine Lieferkette brauchen – sondern zwei oder sogar drei, um weiterhin weltweit tätig sein zu können.

Deshalb empfehle ich zweierlei: Zum einen sollten Unternehmen die geopolitische Lage äußerst genau beobachten und sich überlegen, wie sie auf sich intensivierende Konflikte in der Weltwirtschaft reagieren können.

Zum anderen sollten Top-Manager schon jetzt über die Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells nachdenken und auf nachhaltige Technologien und Produktionsweisen umstellen. Sonst könnte es für Unternehmen, die nicht die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, trotz guter Geschäftszahlen schwierig werden, noch Geldgeber am Kapitalmarkt zu finden.

Fazit

Profitabel und technologisch fortschrittlich zu sein – das genügt heute nicht mehr.

Die Klimaschutz-Pläne der Europäischen Union lassen Nachhaltigkeit ebenso wichtig werden.

Aus diesem Grund sollten sich Unternehmen nicht mehr nur fragen: Wie hoch? Sondern auch: Wie grün?

Prof. Dr. Kai Andrejewski
  • Regionalvorstand Süd, Audit
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