Klimaschutz: Zeit zum Handeln

Die Wirtschaft ist jetzt am Zug, braucht aber die richtigen Anreize.

Keyfacts

  • Umstieg auf erneuerbare Energien muss gelingen
  • Neue Technologien sind Treiber der Entwicklung
  • Klimakiller CO2 als industriellen Rohstoff nutzbar machen
Marco Wisniewski
  • Partner, Technical Assurance, Certification Services
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Nach dem raschen Inkrafttreten des Pariser Abkommens am 4. November 2016 herrscht Aufbruchsstimmung. Dieses Tempo hat viele überrascht. Das als historisch geltende Klimaschutzabkommen steht für eine neue Ära in der internationalen Zusammenarbeit. Bevor sich die Delegierten im November 2017 auf der COP 23 in Bonn wieder zusammenfinden, steht eine Menge Arbeit an.

Nur einer trübte die Stimmung auf dem Klimaschutzgipfel in Marrakesch: der künftige US-Präsident Donald Trump. Er kündigte an, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen. Passiert das, wird der „Geist von Paris“ sicher Schaden nehmen. Aber auch ohne die USA wird die Umsetzung der in Marokko vereinbarten konkreten Schritte und Fristen weitergehen.

Der Anfang ist gemacht, aber…

Paris ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil es einen verbindlichen Rahmen absteckt, der vor allem wirtschaftlichen Akteuren notwendige Orientierung bietet. Und die Marschrichtung ist mittlerweile glasklar definiert: Die Weltgemeinschaft strebt einen fast vollständigen Verzicht auf fossile Brennstoffe an, um die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. An diesem Konsens wurde in Marrakesch nicht gerüttelt. Für die Wirtschaft ist die Ausgestaltung des Artikels 6 von Interesse – hier geht es um konkrete marktwirtschaftliche Instrumente und Anreize für die Absenkung von Treibhausgasemissionen.

Vermeiden und Optimieren werden nicht genügen

Deutschland hat auf den letzten Drücker seinen Klimaschutzplan 2050 vorgelegt. Die Fachwelt bezweifelt jedoch, dass der Plan schon ausreicht. Auf vielen Ebenen dürften weitere Anstrengungen nötig werden.

Deutschland hat noch ein gutes Stück vor sich, verschiedene Schwerpunkte müssen unter einen Hut gebracht werden: Zum einen geht um die rasche Umsetzung vorhandener Lösungen mit bewährten Technologien. Hierzu zählen unter anderem die energetische Modernisierung von Gebäuden mit Dämmstoffen oder der Ausbau der Windenergie. Daneben, und das ist nicht minder wichtig, geht es um die Weiterentwicklung und Operationalisierung von noch nicht marktreifen und gänzlich neuen Technologien. Wettbewerbsfähige Elektroautos samt Infrastruktur oder neuartige Wasserstoffantriebe sind nur einige Beispiele. Regulierung und Anreize haben in den vergangenen Jahren in nicht unerheblichem Maße CO2 vermieden. Für das 1,5 Grad Celsius-Ziel dürfte das indes nicht ausreichen. Auch innovative Lösungen sind gefragt – wie Ihr Unternehmen hinsichtlich dessen aufgestellt ist, analysiert das KPMG Innovation Readiness Assessment.

Dekarbonisierung – kleinteilig und sauber zum Big Picture

Zukünftig bewegen wir uns im Spannungsfeld nachhaltiger Energieerzeugung. Das gesamtgesellschaftliche Großprojekt Erneuerbare muss klappen. Vieles hängt davon ab, wie schnell der vollständige Umstieg auf erneuerbare Energien in der Stromerzeugung und industriellen Anwendung gelingt. Dazu muss sich Deutschland breit aufstellen, unterschiedliche Technologien nebeneinander aus- und aufbauen: Wind, Wasser, Sonne, Biomasse und Geothermie.

Strom ist nur die eine Seite der Medaille, Wärme die andere: Wärmeerzeugung in Gebäuden mittels erneuerbarer Energien ist hier ein wesentlicher Faktor. Dazu muss das Problem der Energiespeicherung gelöst werden. Wasserstoff dürfte künftig eine wichtige Rolle spielen, da er nach bekannten Verfahren erzeugt und emissionsfrei wieder eingesetzt werden kann. Er hat zusätzlich den Charme, dass er sowohl stationär wie auch mobil eingesetzt werden kann. Und Wasserstoff kann heute schon vergleichsweise wirtschaftlich aus Erdgas oder Wasser erzeugt werden.

Großes Potenzial steckt in der Nutzung von Kohlenwasserstoffen und CO2 als Rohstoffe. Gerade für die chemische Industrie bieten sich hier enorme Chancen. Schon heute ist Kohlenstoff ein wesentlicher Baustein vieler Chemieprodukte. Doch der industrielle Einsatz des Klimakillers CO2 ist bislang viel zu teuer. Große Industriekonzerne forschen daher mit Nachdruck. Denn CO2 als Rohstoff zu gewinnen, ist ökologisch wie wirtschaftlich hoch interessant.

Ganz klar: Nicht alle Ansätze lassen sich im gleichen Umfang auf alle Branchen anwenden. Wichtig ist, für jede Branche wirtschaftlich aussichtsreiche Perspektiven zu entwickeln, die im Einklang mit dem Pariser Abkommen und den Interessen des Marktes stehen. Klimaschutz im Sinne von Marrakesch heißt nichts anderes als: Business. Das Wettrennen um die gewinnträchtigen, sauberen neuen Technologien ist eröffnet.

Marco Wisniewski
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