Welchen Einfluss der Klimawandel auf die Immobilienbranche hat

Die Diskussion über Klimaziele könnte Folgen für das Bild deutscher Großstädte haben.

Keyfacts

  • Der Gebäudesektor bietet große Einsparpotenziale beim CO2-Ausstoß.
  • Bei Bauprojekten gilt es, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen.
  • Die Debatte über Klimaziele ist auch eine Diskussion über die Zukunft der Stadtentwicklung.
Dr. Hans Volkert Volckens
  • Partner, Head of Real Estate
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Aktuell bewegt kaum eine Frage die Deutschen so sehr wie diese: Wie kann das Klima geschützt und wie können die vereinbarten Klimaziele eingehalten werden? Politiker und Experten ringen um einen Gesetzeskatalog mit einer Mischung aus Anreizen und Vertragsstrafen, um Wirtschaft und Verbraucher zu einem möglichst klimagünstigen Verhalten zu bewegen. Dabei werden unterschiedliche Modelle diskutiert, die von einer CO2-Steuer bis zur übergangsweisen Einrichtung eines nationalen Emissionshandels reichen. Einig sind sich Experten und Politiker darin, dass der Gebäude- und der Verkehrssektor besondere Einsparpotenziale bieten.

Das ist wichtig für die Akzeptanz von Klimazielen

Bei einem Neubauprojekt gehört es beispielsweise dazu, dass die Kosten für energetische Anforderungen den tatsächlich zu erreichenden Einsparungen gegenübergestellt werden. Außerdem sollen die Baukosten nicht weiter steigen, und gleichzeitig darf das Ziel, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, nicht konterkariert werden. Denn Klimaschutz findet nur dann dauerhafte und breite Akzeptanz, wenn er nicht zur wirtschaftlichen Gefahr für größere Teile der Bevölkerung wird. Ich bin überzeugt: Die ökologische Sicherung unserer Lebensgrundlagen sollte nicht die ökonomische Sicherung der Bevölkerung aus den Augen verlieren.

Deswegen sollte die Abgabenlast nicht unverhältnismäßig erhöht werden

Gleichzeitig sollte die Einhaltung der Klimaziele nicht vermischt werden mit der Einführung einer Vermögensteuer durch die Hintertür oder der Durchsetzung sozialer Umverteilungsmaßnahmen. Da Deutschland bereits Höchststeuerland ist und im internationalen Vergleich zunehmend an Attraktivität verliert, könnten Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit zielführender sein, als die Abgabenlast weiter zu erhöhen. Meiner Meinung nach sollte Klimapolitik im Ergebnis kluge Wirtschafts- und Standortpolitik sein. Und diese Aufgabe ist denkbar schwierig.

Darum weichen viele aufs Umland aus

Erschwert wird die Debatte zusätzlich durch einen Luxus, den sich Deutschland in den Ballungszentren leistet: nämlich die geringere Verdichtung. Deutsche Großstädte weisen im europäischen Vergleich eine vielfach geringere Bevölkerungsdichte auf. Grünflächen, Abstandsflächen und Gebäudehöhen ergeben aufgelockerte Stadtbilder und schaffen Freiräume, die zu Lasten der Flächenproduktivität gehen. Ein entsprechend geringeres Angebot an städtischen Wohnungen ist die Folge. Was immer häufiger zu einem Ausweichen ins Umland führt.

Pendeln in die Städte belastet das Klima zusätzlich

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hält schon seit Jahren mit dieser Entwicklung nicht ausreichend Schritt. Viele Speckgürtelgemeinden sind nicht an das S-Bahnnetz angeschlossen, verfügen über eine unzureichende Busanbindung oder Taktfrequenzen des ÖPNV, die nicht zu den zeitlichen Anforderungen des modernen Berufsverkehrs passen. Deshalb pendeln viele Deutsche mit dem Auto. So werden die Städte und das Klima zusätzlich belastet. Verkehrsinfarkte zu Stoßzeiten sind vielfach zur Regel geworden und sichtbares Zeichen einer Kollision von städtebaulichem Traditionalismus und verkehrsinfrastruktureller Versäumnisse.

Kill your darlings – so wird die Diskussion vorangetrieben

Will man das Klima zum bestimmenden Faktor von Interessensabwägungen machen, ist eine nüchterne Debatte um die Zukunft der Stadtentwicklung einerseits und die dringende Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur andererseits notwendig. Mit Blick auf den ersten Punkt wird man meiner Meinung nach von manchem liebgewonnenen städtebaulichen Zustand Abschied nehmen müssen. In der zweiten Debatte sollte man die wahren Kosten der infrastrukturellen Ertüchtigung und realistische Finanzierungsperspektiven benennen. Die Diskussion verspricht, lebhaft zu werden.

Über Neuigkeiten und relevante Entwicklungen der Immobilienbranche berichten wir regelmäßig in unserem „Real Estate Bulletin“. Mehr dazu erfahren Sie hier

Dr. Hans Volkert Volckens
  • Partner, Head of Real Estate
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

KPMG verwendet Cookies, die für die Funktionalität und das Nutzerverhalten auf der Website notwendig sind. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu, wie sie in der Datenschutzerklärung von KPMG im Detail ausgeführt ist.